"Weder Putin noch Selenskyj"

Seite 2: Nein zum Krieg, Kritik am Westen

Eine andere, heutzutage politisch wenig relevante Gruppierung in Mexiko bezog kürzlich Stellung zum Ukraine-Konflikt: die Zapatisten. Mit Worten statt Waffen marschierten sie vergangenen Sonntag durch sechs verschiedene Städte des südmexikanischen Chiapas: San Cristóbal de Las Casas, Ocosingo, Altamirano oder Las Margaritas.

Dort traten die Zapatisten am 1. Januar 1994 in den Krieg gegen Regierung und Militär, lieferten sich blutige Kämpfe. Seit fast acht Jahren sind die stets schwarz maskierten Mitglieder der "Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung" (EZLN) nicht mehr auf die Straßen gegangen. "Russische Armee, raus aus der Ukraine! Wir sind Millionen an Brüdern und Schwestern in der Welt, die die gleichen ungerechten Kriege des Kapitalismus erleiden", riefen die Demonstrierenden nun.

Bereits am 2. März hatte die "Sechste Kommission" der Zapatisten ein Kommuniqué veröffentlicht, das sich auf den Krieg in der Ukraine bezieht. "Weder Putin noch Selenskyj", schreiben die Zapatisten darin, und: "Stoppt den Krieg."

Als Zapatisten unterstützten sie "weder den einen noch den anderen Staat, sondern diejenigen, die für das Leben und gegen das System kämpfen".

Die Aggression Russlands wird deutlich verurteilt – jedoch genauso die Heuchelei im Westen. Die dritte ihrer insgesamt sechs Stellungnahmen führt aus, dass die westlichen Regierungen einfach zugesehen hätten, wie sich die Situation in der Ukraine verschlechtert habe.

Als die Invasion bereits in vollem Gange gewesen sei, wartete man zunächst ab, ob die Ukraine Widerstand leisten würde. Sie schließen mit dem Satz: "Putin ist nicht der Einzige, der von dem Widerstand der Ukraine überrascht ist."

Lokaler Konflikt, globale Auswirkungen

Mexiko wird den Krieg in der Ukraine zu spüren bekommen. Natürlich nicht militärisch, nicht mit Hunderttausenden Geflüchteten, wahrscheinlich nicht einmal mit Gaslieferungen. Die Verträge mit Russland stehen, versichert der Präsident.

Auch wenn Mexiko sehr weit von der Ukraine und Russland weg ist, sieht sich das Land unmittelbaren Effekten ausgesetzt. Die Lebensmittelindustrie des nordamerikanischen Staates ist bei einigen Produkten für die Weiterverarbeitung abhängig – vor allem Kunstdünger (Russland) sowie Weizen (Ukraine).

Der kriegerische Konflikt könnte somit auch als Brandbeschleuniger für die maßlose Inflation wirken. Seit geraumer Zeit galoppieren die Preise selbst für Grundnahrungsmittel wie wild in die Höhe. Es ist hier ein beliebtes Thema auf den Märkten, an Taco-Ständen und Bushaltestellen geworden: die nahezu wöchentlichen Preisanstiege von Tortillas, Eiern, Bohnen, Avocados.

Die Zapatisten belassen es im Vergleich zur mexikanischen Regierung nicht nur bei Worten. Nach eigenen Angaben seien sie bereits in Kontakt mit "unseren Verwandten im Widerstand und in der Rebellion in den Territorien, die sie Russland und Ukraine nennen" und wollen in naher Zukunft einen Hilfsfonds einrichten, um den ukrainischen Widerstand ökonomisch zu unterstützen.