Was kaum noch einer weiß

Wer dämlich mit h schreibt, ist dämlich!

Dass Engländer schmutzige Gesellen sind, ist wohl hinlänglich bekannt. Obwohl uns die Nachricht "Men pee in the shower" des britischen Intelligenzblattes The Sun doch ein wenig zu denken gibt. Aber eines kann man den Engländern nicht nachsagen; und zwar dass sie ihre Sprache nicht mögen, nicht pflegen und nicht beherrschen. Das ist bei uns leider ganz anders. Zwar mag die Zahl der deutschen Männer, die eine Dusche mit einem Urinal verwechseln, geringer sein als die auf der Insel, doch wenn es um unsere Muttersprache geht, sieht es nicht nur unter Vätern finster aus.

Seit der Pisa-Studie und anderen wissenschaftlichen Untersuchungen wissen wir, dass nur 20 Prozent der Gymnasiasten einen Haupt- von einem Nebensatz unterscheiden können, nur 12 Prozent können mit Tuwörtern richtig umgehen und dass man dämlich ist, wenn man dämlich mit h schreibt, weiß fast keiner der befragten Schüler. Ähnlich schlimm ist das Ergebnis bei Mitgliedern aus der so genannten schreibenden Zunft. Während 90 Prozent der Telepolis-Autoren nach eigenen Angaben von Komma-Regeln schon aus Prinzip überhaupt nichts halten, schreiben sogar 100 Prozent der FAZ-Autoren "dass" immer noch mit ß.

Ums Deutsche und ums richtige Deutsch ist es also bei uns nicht gut bestellt. Ganz anders im Ausland, wo unsere Sprache immer populärer wird. Und inzwischen viele unserer Nachbarn sogar ihre Netzseiten in gepflegtem Deutsch verfassen. Das ist nicht nur nett und sympathisch, sondern kann sogar helfen, noch vor dem Antritt einer Reise ins befreundete Ausland Probleme zu lösen.

Beispielsweise wenn man einen Urlaub in dem schmucken italienischen Hotel Granada plant und Vater oder Mutter eines Kindes ist. Auf einer Frage- und Antwortseite gibt das Hotel beredt Auskunft über das, was einen womöglich erwartet.

Frage: Wir haben ein Kind, dass ein Jahr alt ist, Haben Sie alle Möglich vorbereitungen für Zicklein?Antwort: Sicher, Schaffen wir Kind - betten ab, Wir haben auch Kind - Stühle wahrend der Mahlzeiten.

Wenn für das Wohl des Zickleins so prächtig gesorgt ist, möchte man dann vielleicht mal eine Runde Tennis spielen. Selbst das ist in Italien kein Problem: "Ungefähr zwei Minuten gehen vom Hotel, Sie finden verändert Tennisplatz, hingegen wir auf Antrag Aufheben können." Wenn alle Anträge schließlich aufgehoben sind und es nach dem Schweiß treibenden Match endlich an den Strand gehen soll, wird das Team dieses gastronomischen Vorzeigebetriebes sofort aktiv: "Das Hotel wird direkt zum Meer aufgestellt."

Kurzum: ein Service, von dem wir in unserer Servicewüste nur träumen können. Aber sogar in Schottland kümmert man sich aufopfernd um die Bedürfnisse deutscher Besucher. Auf der Netzseite des Sherwood Guest House Edinburgh heißt es fröhlich: "Willkommen zu unserem Heim (ausruft)." Und wer allein kommt, bleibt nicht lange allein: "Bis zu 17 Leuten können für angenehm geliefert werden." Ein Angebot also wohl vor allem für kontaktfreudige Singles, die dort mit dem altschottischen Schlachtruf begrüßt werden: "Verderben Sie Sich! Kommen Sie Besuch Bald!" Ja, das hört man gern, da bleibt nur eins: "Verzögern nicht. Buch Heute."

Doch wer richtig Ruhe sucht und endlich mal im Urlaub nicht durch Familien mit kreischig-nervigen Kindern belästigt werden möchte, für den ist das Hotel Aura Nord in Rimini ein absoluter Geheimtipp, ja fast schon Muss:

Es liegt direkt auf dem Strand: einmalige u. herrliche Lage weder fuer Familie mit Kinder noch fuer junge Leute um die Sonne, den Strand und die Meeresluft am Besten zu geniessen.

Wenn man dann, wie es heute heißt, endlich im Urlaub angekommen ist, fehlt zum Glück vielleicht bloß noch der richtige Korkenzieher. Selbst den gibt's natürlich im und übers Internet bei der Firma Bacchus-Antiques:

Sie ist eine der seltsamen Gesellschaften auf der Welt, die sich nur auf Handkorkenzieher spezialisieren. Im Laufe der Jahren hat Bacchus Antiques das Vorrecht gehabt, den Erwartungen der Museen und auch der Sondersammler zu entsprechen.

Da fehlt zum korkenkrönenden Schluss jetzt nur noch ein bisschen Weingeist:

Der Korkenzieher ist ein Gerät des gesunden Menschenverstand, das das Hindernis an der Lust zurückzieht.

Und bevor wir jetzt mit einem Gläschen Wein auf unsere ausländischen Nachbarn anstoßen, die uns bei der Pflege der deutschen Sprache ein leuchtendes Beispiel sein sollten, ja müssten, noch schnell der Hinweis:

Es ist verboten, jede Teil oder photographie diese Web Seiten reproduzieren, ohne Erlaubnis der Taetern

Und unser Dank an das Superlupo-Magazin für die netten Netz-Adressen. (Ernst Corinth)