Warum die New York Times einen palästinensischen Fotografen kündigte

Hosam Salems wurde von der NYT gefeuert, weil er Sympathien für den Widerstand in Gaza bekundet hat. Er sieht sich als Opfer einer Kampagne gegen palästinensische Journalisten. Was steckt dahinter?

Hosam Salem, ein palästinensischer freiberuflicher Journalist und Fotograf, sagt, dass die New York Times seinen Vertrag kündigte, weil er in sozialen Medien seine Unterstützung für den palästinensischen Widerstand gegen die israelische Besatzung zum Ausdruck gebracht habe.

Nachdem ich jahrelang als freiberuflicher Fotojournalist für die New York Times über den Gazastreifen berichtet habe, wurde ich durch einen plötzlichen Anruf aus der Zentrale in den USA informiert, dass sie in Zukunft nicht mehr mit mir zusammenarbeiten werden,

schreibt Salem auf Twitter.

Ich begann 2018 mit der Zeitung zu arbeiten und berichtete über Ereignisse in Gaza, wie die wöchentlichen Proteste am Grenzzaun zu Israel, die Untersuchung der israelischen Tötung der Feldschwester Razan al-Najjar und zuletzt die israelische Offensive im Gazastreifen im Mai 2021.

Salem erklärt, dass er schließlich darüber informiert wurde, dass "die Entscheidung auf der Grundlage eines Berichts getroffen wurde, den ein niederländischer Redakteur – der vor zwei Jahren die israelische Staatsbürgerschaft angenommen hat – für eine Website namens Honest Reporting verfasst hat."

Salem schildert den Vorgang wie folgt:

Der Artikel, auf den die New York Times ihre Entscheidung über meine Entlassung stützt, enthält Beispiele für Beiträge, die ich auf meinen Social-Media-Konten, insbesondere auf Facebook, verfasst habe und in denen ich meine Unterstützung für den palästinensischen Widerstand gegen die israelische Besatzung zum Ausdruck bringe. In den genannten Beiträgen spreche ich auch von der Widerstandskraft meines Volkes und von denjenigen, die von der israelischen Armee getötet wurden – darunter auch mein Cousin –, die von Honest Reporting als "palästinensische Terroristen" bezeichnet werden. Später schrieb der Redakteur einen Artikel, in dem er erklärte, es sei ihm gelungen, drei palästinensische Journalisten, die für die New York Times im Gazastreifen arbeiteten, feuern zu lassen, weil wir "antisemitisch" seien.

"Honest Reporting hat nicht nur erreicht, dass mein Vertrag mit der New York Times gekündigt wurde", sagte Salem. "Sie hat auch andere internationale Nachrichtenagenturen aktiv davon abgehalten, mit mir und meinen beiden Kollegen zusammenzuarbeiten."

"Was hier stattfindet", fügte er hinzu, "ist ein systematischer Versuch, das Bild palästinensischer Journalisten als grundsätzlich nicht vertrauenswürdig und integer zu zeichnen, nur weil wir über die Menschenrechtsverletzungen berichten, denen das palästinensische Volk täglich durch die israelische Armee ausgesetzt ist."

Wie Philip Weiss in Mondoweiss anmerkte, steht Salems Fall

in krassem Gegensatz zu den drei jüdischen Reportern Ethan Bronner, Isabel Kershner und David Brooks, die weiterhin für die New York Times über die israelischen Angriffe schreiben, selbst nachdem ihre Kinder in die israelischen Streitkräfte eingezogen wurden.

"Der Chefredakteur der Times hat sich 2010 über die Empfehlung des für Ethikfragen in der Zeitung zuständigen ‚Public Editors‘ hinweggesetzt, Bronner vom Posten des Jerusalemer Büroleiters zu entfernen", so Weiss, "mit der Begründung, dass diejenigen, die seine Voreingenommenheit infrage stellen, dem Rest unseres Publikums nicht die höchste Qualität der Berichterstattung vorenthalten dürfen."

"Das ist ein wichtiger Fall, weil er zeigt, dass es unmöglich ist, die palästinensische Stimme in den westlichen Medien zu vertreten", so Weiss weiter.

Unter den Palästinensern gibt es eine breite Unterstützung für den militanten Widerstand gegen die israelische Besatzung. Journalisten auszusortieren, die nicht irgendwann einmal solche Ansichten geäußert haben, ist ungefähr so, als würde man nach palästinensischen Reportern suchen, die den Zionismus unterstützen.

Die Nachricht von Salems Kündigung kommt nur wenige Tage, nachdem die progressive Kommentatorin Katie Halper von The Hill entlassen wurde, weil sie die Charakterisierung Israels als Apartheid-Regime durch die US-Abgeordnete Rashida Tlaib (eine Demokratin aus dem Bundesstaat Michigan) verteidigt hatte – eine Bezeichnung, die zahlreiche Menschenrechtsorganisationen verwenden, um die gewaltsame Unterdrückung der Palästinenser durch die israelische Regierung zu beschreiben.

Der Artikel erscheint in Kooperation mit dem US-Medium Common Dreams. (Kenny Stancil)

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