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Warum der Handelskrieg zwischen den USA und China eskalieren könnte

US-Finanzministerin Janet Yellen bei einem Treffen mit dem Vizepremier der Volksrepublik China He Lifeng wÀhrend Yellens Reise nach Beijing.

(Bild: U.S. Mission in China, Public domain, via Wikimedia Commons)

Versöhnliche Signale, aber keine AnnÀherung beider Seiten. Ihr VerhÀltnis wird zum Thema im Rennen um die US-PrÀsidentschaft. Warum Biden die Sanktionen verschÀrfen muss.

Als US-Finanzministerin Janet Yellen zuletzt in Beijing weilte, standen die Zeichen auf Entspannung. Sie schlug versöhnliche Töne an und ihre Reise stand unter dem Motto, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und China [1] wiederzubeleben.

Konkrete Ergebnisse brachte die Reise nicht, es wurden keine Vereinbarungen getroffen, die die Handelsbeziehungen zwischen den beiden LĂ€ndern wieder erleichtern. Immerhin, so Reuters [2], sei auf chinesischer Seite die Hoffnung geweckt worden, dass die Zölle auf chinesische Produkte wieder gelockert werden könnten. Diese waren unter dem ehemaligen US-PrĂ€sidenten Donald Trump [3] eingefĂŒhrt worden.

Das Gegenteil dĂŒrfte allerdings der Fall sein, worauf nun auch der Finanzdienst Bloomberg [4] hinwies. Das gegenseitige Misstrauen und die Feindschaft seien tief verwurzelt, keine der beiden Seite könne auch nur bescheidene ZugestĂ€ndnisse machen.

Lese-Tipp: Ob DeSantis, Trump oder Biden: Warum wir uns von den USA verabschieden sollten [5]

Yellen hatte erklĂ€rt, dass der Wettbewerb im Bereich der nationalen Sicherheit die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden LĂ€ndern nicht beeintrĂ€chtigen dĂŒrfe. WĂ€hrend sie dies betonte, ging sie in anderen Bereichen keinen Schritt auf die chinesische Seite zu.

Von Biden-Regierung ist keine Entspannung zu erwarten

Zum Beispiel in den Bestrebungen der USA, Allianzen gegen China zu schmieden oder das Land von Spitzentechnologien abzuschneiden. Nur einen Tag vor Yellens Ankunft in Beijing berichteten US-Medien ĂŒber PlĂ€ne der US-Regierung, Chinas Zugang zum Cloud-Computing zu beschrĂ€nken, das die Forschung im Bereich der kĂŒnstlichen Intelligenz unterstĂŒtzen könnte.

Dass sich die Regierung von PrĂ€sident Joe Biden nicht ernsthaft um eine AnnĂ€herung an China bemĂŒht, hat auch innenpolitische GrĂŒnde. NĂ€chstes Jahr wird der nĂ€chste US-PrĂ€sident gewĂ€hlt.

Lese-Tipp: Janet Yellen: Die Welt ist groß genug fĂŒr USA und China [6]

"Das politische KalkĂŒl ist ziemlich klar", sagte Harry Broadman, ein ehemaliger Beamter im Weißen Haus, gegenĂŒber Reuters. "Das wĂ€re ein gefundenes Fressen fĂŒr die Opposition." Eine nachgiebige Haltung gegenĂŒber China könnte Biden die PrĂ€sidentschaftswahl 2024 kosten. Er fĂŒgte hinzu, dass die Anti-China-Stimmung in den USA seit vier Jahren durch die China-Politik des ehemaligen PrĂ€sidenten Donald Trump geschĂŒrt werde.

WĂ€hrend in China die Hoffnung auf Zollsenkungen geĂ€ußert wurde, wĂ€chst in den USA der Druck, ebendiese Zölle zu erhöhen. Yellen dĂŒrfte im derzeitigen politischen Klima gut dastehen, wenn die Zölle auf ihrem derzeitigen Niveau bleiben, sagte Chad Brown, Handelsökonom am Peterson Institute of International Economics, gegenĂŒber Reuters.

Republikaner gehen auf Konfrontationskurs mit China

Bei den Republikanern dominieren in der China-Frage Hardliner. Sie nahmen Yellens Auftreten in Beijing zum Anlass, sich in den sozialen Medien ĂŒber sie lustig zu machen. Etwa, weil sie sich zu Beginn eines Treffens vor dem chinesischen Vizepremier He Lifeng verbeugt hatte. "Das endlose, peinliche Kriechen dieser Regierung vor China ist ein historischer Fehler", schrieb etwa der republikanische Senator Josh Hawley auf Twitter [7].

Lese-Tipp: China beschrĂ€nkt Export wichtiger Mineralien: Europas grĂŒner Wandel bedroht [8]

Aber auch der Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, und die frĂŒhere UN-Botschafterin Nikki Haley streben danach, auf Konfrontationskurs zu China zu gehen. Die wollen dem Land den Status der stĂ€ndigen normalen Handelsbeziehungen entziehen. Das ist eine von den USA gewĂ€hrte juristische Einstufung, die Handelsschranken gegenĂŒber bestimmten LĂ€ndern senkt.

Haley sagte, sie werde den Kongress drĂ€ngen, den Handelsstatus Chinas aufzuheben, bis das Land seine mutmaßliche Rolle im Fentanylhandel einschrĂ€nke. China ist ein wichtiger Produzent von Chemikalien, die fĂŒr die Herstellung von Fentanyl benötigt werden, das hĂ€ufig ĂŒber die Grenze zwischen den USA und Mexiko geschmuggelt wird.

Der ehemalige US-PrĂ€sident Donald Trump, der bei den Republikanern knapp vor DeSantis liegt, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er werde China 48 Stunden Zeit geben, um die angeblichen chinesischen Spionageeinrichtungen auf der Insel Kuba, 90 Meilen (ca. 145 km) vor der US-KĂŒste, zu entfernen. Sollte China dieser Aufforderung nicht nachkommen, werde seine Regierung neue Zölle verhĂ€ngen.


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https://www.heise.de/-9214841

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tp/features/Janet-Yellen-Die-Welt-ist-gross-genug-fuer-USA-und-China-9211257.html
[2] https://www.reuters.com/world/yellen-raised-chinas-hopes-tariff-cut-us-politics-will-crush-them-2023-07-12/
[3] https://www.telepolis.de/thema/Donald-Trump
[4] https://www.bloomberg.com/opinion/articles/2023-07-11/yellen-visit-sets-fragile-new-equilibrium-for-us-and-china
[5] https://www.heise.de/tp/features/Ob-DeSantis-Trump-oder-Biden-Warum-wir-uns-von-den-USA-verabschieden-sollten-9065476.html
[6] https://www.heise.de/tp/features/Janet-Yellen-Die-Welt-ist-gross-genug-fuer-USA-und-China-9211257.html
[7] https://twitter.com/HawleyMO/status/1678397805671374848
[8] https://www.heise.de/tp/features/China-beschraenkt-Export-wichtiger-Mineralien-Europas-gruener-Wandel-bedroht-9206885.html