War Hillary Clinton beim TV-Duell vorab über Fragen informiert?

Donna Brazile. Bild: Tim Pierce/CC-BY-SA-2.0

CNN-Analystin soll Wahlkampfteam der Präsidentschaftskandidatin mit Informationen versorgt haben

Für Donald Trump ist es seit geraumer Zeit eine klare Sache: Seine Kontrahentin im Amt um die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten war vorab über Fragen im TV-Duell informiert. Für Trumps Gegner konnte das nur die Reaktion eines schlechten Verlierers sein.

Jetzt kommt heraus: Hillary Clinton dürfte tatsächlich vorab über anstehende Fragen informiert gewesen sein. Das legen zumindest Emails nahe, die Wikileaks am Montag veröffentlicht hat. Wie die Washington Post berichtet, soll eine Analystin des Nachrichtensenders CNN vorab Fragen an das Wahlkampf-Team von Clinton weitergeleitet haben.

Laut dem Blatt hat sich der Sender mittlerweile von Donna Brazile, die für CNN immer wieder politische Analysen vornahm, getrennt. Im Zusammenhang mit den Emails von Brazile sagte CNN, man empfinde großes "Unbehagen über das, was wir über ihre Interaktionen mit dem Clinton-Wahlkampf-Team, als sie noch für CNN tätig war, erfahren haben".

In den nun publik gewordenen Emails geht es unter anderem um eine Frage, die Clinton bei der Debatte in Flint (US-Bundestaat Michigan) gestellt werden sollte. Demnach sollte sich eine Frau aus dem Publikum zu Wort melden, deren Familie an Bleivergiftung leide (siehe auch Sparmaßnahmen der Stadt Flint )

In der Betreffzeile der Email heißt es: "Eine der Fragen morgen an HRC (Hillary Rodham Clinton) kommt von einer Frau mit Ausschlag." Weiter ist in der Email zu lesen: "Ihre Familie leidet an Bleivergiftung und sie wird fragen, ob Hillary etwas unternehmen wird, um den Menschen in Flint zu helfen."

Die Washington Post merkt an, dass diese Beschreibung dann tatsächlich auch auf eine Frau zutreffe, die sich während der Debatte zu Wort gemeldet hat. Ihre Frage sei allerdings anders gewesen. Sie fragte Clinton, ob diese dafür Sorge tragen werde, dass alle Wasserleitungen aus Blei innerhalb des staatlichen Wasserversorgungssystems in den Vereinigten Staaten ausgetauscht würden.

In weiteren Emails, die WikiLeaks veröffentlicht hat, spricht Brazile davon, "einige mehr" zu schicken und verspricht weitere Informationen. Die Washington Post geht davon aus, dass mit "einigen mehr" entweder direkte Fragen oder Themen gemeint sind, die bei Debatten angesprochen würden.

In einer weiteren Email von Brazil stand in der Betreffzeile: "Von Zeit zu Zeit bekomme ich Fragen im Voraus". In einer der Emails steht zu lesen, dass es bei einem weiteren öffentlichen Auftritt von Clinton auch um das Thema Todesstrafe gehe, die von einer Person aus dem Publikum angesprochen werde. Bei der entsprechenden CNN-Veranstaltung war dies dann auch tatsächlich der Fall - allerdings hat sich die Wortmeldung erneut von der unterschieden, wie sie Brazile in ihrer Email an das Clinton-Wahlkampf-Team beschrieben hat.

Unklar ist jedenfalls, wie die Washington Post berichtet, woher Brazile die Insiderinformationen hat. CNN hat derweil abgestritten, Brazile selbst die Informationen gesteckt zu haben. Brazile äußerte sich zu den Emails unter anderem mit den Worten: "Ich hatte niemals Zugang zu Fragen und hätte diese, wenn ich denn über sie verfügt hätte, niemals den Kandidaten zukommen lassen." (Marcus Klöckner)