Während Trump zollt, erntet China in Südostasien

Seite 2: Schwer getroffene Ziele

Für China hat die asiatische Nachbarschaft eine neue Prioritätsstufe erreicht, es gilt, die schwer getroffenen Ziele des US-Zollraubzuges in die eigene Hemisphäre zu ziehen. Kambodscha trifft es mit 49 Prozent Zöllen am härtesten, Malaysia kommt mit 24 Prozent mit einem blauen Auge davon.

Wie der Guardian analysiert, sind die USA der wichtigste Exportmarkt für die südostasiatischen Staaten am unteren Ende der Wertschöpfungskette. In der Region etabliert sich ein Gefühl der Repräsentation und Standhaftigkeit durch China. Beijing reagierte trotz der irrsinnigen Zölle von 145 Prozent aktiv mit Gegenzöllen.

So weit kann Kambodscha nicht gehen, nach Berechnungen des Guardian würden die US-Zölle die rund 75.0000 Arbeitsplätze in der Bekleidungsindustrie vernichten. Rund 40 Prozent der kambodschanischen Exporte, vom Turnschuh bis zum Oberhemd, gehen in die USA.

China hat seinen Einfluss in Kambodscha immens ausbauen können. Es investierte Milliarden Dollar und erodierte damit das Verhältnis zu den USA.

Kein Wunder, dass Phnom Penh den Besuch Xis als "Meilenstein" bezeichnete. China ist, getreu der "Eisernen Freundschaft", der größte ausländische Direktinvestor in Kambodscha, es gibt ein Freihandelsabkommen und einen regen Personen- und Wissenstransfer zwischen beiden Staaten.

Asean-Vorsitz umworben

Malaysia wird 2025 den Vorsitz der Asean übernehmen. Die Gruppe der zehn Staaten hat 600 Millionen Einwohner und ein starkes BIP von 3,67 Billionen US-Dollar im Jahr 2022. Von den drei zu besuchenden Staaten hat China zu Malaysia noch die schwächsten Beziehungen, das soll sich ändern.

Zwar ist China bereits seit 16 Jahren der wichtigste Handelspartner Malaysias, doch soll der Weg hin zu einer weiteren Stärkung und dem Aufbau einer hochrangigen strategischen Gemeinschaft entwickelt werden.

Insbesondere vor dem Hintergrund des malaysischen Gewichts im wichtigen Asean-Jahr 2025 ist dies eine logische strategische Entdeckung Beijings.

Ringkampf um Südostasien

Die Asean-Staaten und der südostasiatische Raum sind eine Zukunftsregion, deren Vormachtstellung über Wohl und Wehe einer Weltordnung mitentscheiden kann. Die "Werkbänke" im asiatischen Hinterland drängen auf ein größeres Stück des industriellen Kuchens.

Während die USA ihren eigenen Abstieg auf Kosten der asiatischen Staaten zu bremsen versucht, propagiert China ein Entwicklungsmodell der wechselseitigen Entwicklung und des gegenseitigen Vorteils. Ob dies gelingen kann, muss die Zeit weisen.

Gleichwohl zeigt sich hier die ganze Beschränktheit amerikanischer Hybris: Aus Sicht von Realisten in Washington ist zu befürchten, dass auf Jahre hinaus wirtschaftliche Bindungen und geopolitische Seilschaften in die Brüche gehen.

China kann hoffen, als Sieger vom Zollschlachtfeld zu gehen und sein Gesicht zu wahren in einer Weltregion, deren BIP sich von 2019 bis 2029 fast verdoppeln soll.

Im sich abzeichnenden Showdown zwischen China und den USA dürfte der südostasiatische Nebenkriegsschauplatz an China gehen. Man darf gespannt sein, ob Trumps Kalkül einer strategisch-militärisch-ökonomischen Voll-Forcierung in Richtung China aufgeht.