Vorwiegend heiter, nur über dem Biosprit Wolken

Die Macher der neuen Energiewirtschaft hatten mal wieder Familientreffen und waren hoch zufrieden. Die meisten jedenfalls ...

Voller Optimismus schaute die Branche der erneuerbaren Energien auf ihrer Jahrestagung in die Zukunft. Nur die Hersteller von Biodiesel und -ethanol gossen auf ihrer Jahrestagung etwas Wasser in den Wein. Den Kraftstoffherstellern aus Pflanzen droht eine Überproduktionskrise, nach dem die Befreiung von der Mineralölsteuer demnächst wegfällt, hieß es am Freitag in Berlin.

Es gibt ja Leute, die denken bei Photovoltaik und Windrädern immer noch an Birkenstock-Sandalen und selbst gestrickte Pullover. Bequeme Clichés, die unbequemes Nachdenken ersetzen, sind nun einmal sehr zählebig. Mit den Realitäten der Branche hat das allerdings herzlich wenig zu tun. Wenn die verschiedenen Bundesverbände der Solar-, Wind- und Biogasindustrie einladen, wird – wie auch sonst in der Geschäftswelt – die übliche phantasielose graue Uniform getragen; und weil man unbedingt möglichst nah an Berlins ersten Adressen tagen will, lässt man sich durch ungehobelte Security Guards bewachen. Es könnte ja sonst womöglich jemand Unbefugtes zuhören wollen. Wo käme man denn dahin?

Komisch ist das schon, denn die Öffentlichkeit braucht man eigentlich nicht zu scheuen. Die Erneuerbaren haben sich zu einem kleinen „Wirtschaftswunder“ entwickelt, wie Peter Ahmels vom Bundesverband Windenergie am Freitag die zweitägige Veranstaltung resümierte. Auch 2007 sei wieder mit einem kräftigen Wachstum zu rechnen. 32 Milliarden Euro sollen im laufenden Jahr die Umsätze einschließlich der Investitionen und des Exportgeschäfts betragen, 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Allein in Windräder im Inland werde bis 2020, so Ahmels, rund 60 Milliarden Euro gesteckt, hinzu kommt noch der Export. Derzeit haben deutsche Hersteller einen Anteil von rund 30 Prozent an Weltmarkt. Der wird sich zwar kaum halten lassen, da auch in den künftigen Wind-Boom-Ländern China und Indien Fertigungskapazitäten entstehen, doch aufgrund des technologischen Fortschritts ist man guter Dinge, auch künftig ein großes Stück vom Kuchen abzubekommen.

Jobmotor erneuerbare Energien

Entsprechend hat sich die Branche zu einem Jobmotor entwickelt, wie Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung herausstrich. Schon jetzt finden 214.000 Menschen in der Branche ihr Auskommen, sei es bei Herstellern, in der Anlagenwartung oder bei der Produktion von Biogas- und Kraftstoffen. Noch einmal so viele arbeiten bei Zulieferern oder in anderen Bereichen, die indirekt profitieren. In den nächsten Jahren würden jeweils etwa 15.000 neue Arbeitsplätze hinzukommen, wobei die Zulieferer noch nicht mitgezählt sind. Am DIW geht man allerdings davon aus, dass sich das Jobwachstum wegen wachsender Produktivität und der großen Bedeutung der Exporte verlangsamen wird. Dadurch entstünden nicht so viele Arbeitsplätze bei der Wartung.

Kemfert hatte diese Woche auch durch eine Studie über die Kosten des Klimawandels von sich reden gemacht. Bis zu drei Billionen Euro an Kosten könnten bis zum Ende des Jahrhunderts entstehen, sollte der Klimawandel ungebremst weiter gehen. Klimaschäden und Verteuerung der Energieversorgung infolge von extremen Wetterereignissen – man denke an die Auswirkungen der Hurrikan-Saison 2005 auf den Ölpreis – könnten nachhaltig auf das Wirtschaftswachstum drücken. Da sei es schon deutlich günstiger frühzeitig in den ökonomischen Umbau zu investieren, um die Treibhausgasemissionen aus den fossilen Energieträgern drastisch zu mindern. Kemfert ist sich sogar sicher, wie sie am Donnerstag in Berlin auf der Jahreskonferenz Erneuerbare Energie meinte, dass Wind und Sonne schon bald die Energiepreise drücken könnten. Investitionen sind so oder so fällig, denn viele alte Atom- und Kohlekraftwerke müssen ersetzt werden. Würde aber der Weg der fossilen Energien weiter beschritten so würden in den nächsten zehn Jahren Kosten in der Höhe von 25 Milliarden Euro entstehen. Tragen müssten die, so Kemfert, Privahaushalte und energieintensive Industrien. Der Ausbau der erneuerbaren Energien könnten hingegen zu deutlichen Entlastungen führen, so die Umweltökonomin.

Vom „Jobmotor“ schwärmte auch Carsten Körnig vom Bundesverband Solarwirtschaft. Eine ganze Reihe von ausländischen Unternehmen würden mit ihren Fertigungsanlagen nach Deutschland kommen, weil das Land bei der Neuinstallationen weltweit vorne liegt und eine „einzigartige Forschungslandschaft“ biete. Deutschland würde sich in ein richtiges „Solar Valley“ verwandeln, meinte Körnig in Anspielung auf das Silicon Valley in den USA, dem Innovationszentrum der US Computer-Industrie. Insbesondere in Ostdeutschland siedeln sich gerne Hersteller von Solarzellen und Modulen an.

Der Erfolg der deutschen Unternehmen verdankt sich dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz

Eine der Wurzeln des Erfolgs sieht Körnig im Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG). Dieses sieht für die diversen Formen der Stromgewinnung aus erneuerbarer Energiequellen (Geothermie, Photovoltaik, Wind, Wasserkraft und Biogasanlagen) unterschiedliche Mindestvergütungen vor, die die Energieversorgungsunternehmen den Produzenten zahlen müssen. In allen Fällen nehmen die Beträge über die Jahre ab. Für Solarstrom aus Anlagen auf Dächern bis zu einer Leistung von 30 KW gibt es derzeit 49,21 Cent pro KWh (ct/KWh), 2013 wird es nur noch 36,18 ct/KWh geben. Für größere Anlagen gibt es ein paar Cent weniger, für Anlagen an Fassaden ein paar Cent mehr. Für Windanlagen an Land gibt es derzeit 8,19 ct/KWh, 2013 werden es nur noch 7,26 ct/KWh sein (zum Vergleich: Bei Vattenfall in Berlin zahlte der private Verbraucher 2006 14,25 ct/kWh). Das Besondere an dieser Regelung ist nicht nur, dass sie die Markteinführung unterstützt, sondern auch, dass sie langfristige Planungssicherheit schafft, wie Michael W. Linse von Goldmann und Sachs International auf der Tagung hervorhob. Das habe es in vielen anderen Ländern, wie etwa den USA, Großbritannien oder Polen, bisher nicht gegeben. Dort hätten sich die Rahmenbedingungen oft geändert.

Ganz so rosig sieht man es in der Biosprit-Branche nicht, wie Claus Sauter von Verbio dem Publikum deutlich machte. Sein Unternehmen ist einer der größten Hersteller von Biodiesel und -ethanol in Europa und hat damit bisher ganz gut verdient. Doch nun drohe der Branche eine Krise, da die Mineralölsteuerbefreiung auslaufe. Die neue Regelung, nach der alle Anbieter eine Mindestmenge an Biokraftstoff beimischen müssen, werde zum Absatzrückgang führen. Er forderte daher eine Art EEG für seinen Wirtschaftszweig. „Wir brauchen einen unbegrenzten Netzzugang. Auf unserm Netz sitzt die Ölwirtschaft.“ Die habe, so Sauter kein Interesse am Erfolg der Biokraftstoffe. Außerdem würde man unter hochsubventionierten Importen aus den USA leiden. Dort bekämen die Hersteller pro Gallone Biodiesel, für den es in den USA kaum Verwendung gebe, einen US Dollar vom Staat dazu, wenn der Kraftstoff exportiert wird. (Wolfgang Pomrehn)