Von der Kettensäge ans Skalpell

Ärzte mit Videospielerfahrung operieren besser

Bevor Sie sich das nächste Mal in einer Klinik unters Messer begeben, fragen Sie Ihren Chirurgen doch lieber erst nach seinen Fähigkeiten im Umgang mit der Kettensäge. Das legt jedenfalls eine Studie nahe, die US-Mediziner in den Archives of Surgery der American Medical Association veröffentlicht haben.

Darin untersuchten die Forscher eine ganz spezielle Operations- und Diagnosemethode - die Bauchspiegelung (Laparoskopie). Dabei steuert der Arzt eine durch eine möglichst kleine Öffnung in die Bauchhöhle eingeführte Sonde, deren primäre Rückmeldung über einen Bildschirm erfolgt. Die Wissenschaftler führten ihre Statistik über die Teilnehmer eines Laparoskopie-Weiterbildungskurses. Wer sich von den daran teilnehmenden Ärzten in der Vergangenheit mehr als drei Stunden pro Woche mit Videospielen befasste, arbeitete 27 Prozent schneller und mit 42 Prozent besserem Ergebnis als die Nicht-Spieler unter den Doctores.

Doch auch unter den joystickerfahrenen Medizinern gab es noch Unterschiede: Das Drittel mit den besten Highscores machte im Laparoskopie-Test 47 Prozent weniger Fehler als die Kollegen mit den schlechtesten Videogame-Resultaten. Man muss der schon 2002 durchgeführten, aber erst jetzt veröffentlichten Studie allerdings kritisch vorhalten, dass sie insgesamt nur 33 Ärzte betrachtet. Außerdem verrät sie nichts darüber, wie lang die Videospiel-Erfahrungen zurückliegen dürfen. Reicht schon eine Kindheit mit Gameboy-Sucht? Dass man in Videospielen die Koordination zwischen Handbewegungen und Bildschirmmeldungen trainiert, liegt allerdings tatsächlich auf der Hand.

Zudem haben wir gerade erst vor zwei Wochen erfahren, dass Actionspiele das Sehvermögen verbessern: Wer, sagt die in Psychological Science veröffentlichte Studie, regelmäßig „Unreal Tournament“ spielt, erkennt Symbole besser als der durchschnittliche Tetris-Spieler (Ego-Shooter verbessern die visuelle Leistung). (Matthias Gräbner)