Virtueller Vogel kann echt singen

Die Geheimnisse des Spatzenhirns

Einem Bericht des New Scientist zufolge ist man nahe daran herauszufinden, wie ein Spatzenhirn seine (erstaunlich) komplexen Kommandos abgibt.

Beim Singen pressen Vögel Luft von ihren Lungen durch Gewebefalten in die Voicebox. Man weiß, dass eine Hirnregion namens High Vocal Centre beim Gesang aktiv ist, die dadurch wiederum Neuronen in einer anderen , RA Nucleus genannten Region aktiviert, die wiederum Motorneuronen reizt, welche Muskeln in den Stimmfalten oder Lungen kontrollieren . Argentinische Forscher haben ein virtuelles Gehirn und ein Computermodell eines singenden Vogels konstruiert, welches den Prozess der Klangentstehung nachspielt. Das Modell des RA Nucleus, auch (mehr oder weniger) bekannt als Nucleus robustus archistriatalis , den man sich als einen relativ großen und anatomisch distinkten Cluster von Nervenzellen vorstellen kann, verwandelte in Verbindung mit dem Modell des singenden Vogels ein einfaches konstantes Signal vom High Vocal Centre tatsächlich in eine komplexe Serie von Zwitscherern wie sie ein echter Vogel nicht schöner hätte hervorbringen können. Hier ist die Hörprobe, einmal der echte Vogel und einmal der falsche. Laut New Scientist könnte es dank dieser Entdeckung bald möglich sein, das Gehirn eines Tieres zu verstehen , indem man die Laute hört, die es hervorbringt. Eine ausführliche Beschreibung der Forschungsarbeit gibt es in einer der nächsten Ausgaben der Physical Review Letters

Wir leben in spannenden Zeiten , die Technik imitiert die Natur, die Natur imitiert die Technik. Während virtuelle Vögel echt klingen, klingeln echte Vögel wie Handys. Nun muss man wissen, dass bis heute nicht vollständig enträtselt ist, wie Vögel denn nun eigentlich das Singen lernen. Fest steht allerdings, dass Nachahmung und beständiges Üben eine zentrale Rolle spielen. So konnten Wissenschaftler in Chicago vor wenigen Monaten nachweisen, dass Singvögel ihr Repertoire sozusagen im Schlaf lernen, nämlich indem sie in ihren Träumen immer und immer wieder das üben, was sie tagsüber von sich geben. Auf dem in diesem Zusammenhang kritischen Gebiet der Nachahmung gehören insbesondere Stare zu den begabtesten Vögeln. Erst kürzlich soll ein Däne einen Star in seinem Garten auf den Namen ‰Nokia' getauft haben, weil der Vogel das Klingeln seines Telefons so täuschend echt zu imitieren vermochte. Dann werden wir in Zukunft neben so exotischen Vögeln wie der Schamadrossel oder der Dajaldrossel (beide aus Südostasien) vielleicht eine Nokiameise, einen Motorolazeisig und eine Ericssonamsel kennen (vgl. Stare zwitschern Ursonate - und stellen damit das Urheberrecht in Frage, Sing nicht zu hoch, mein kleiner Freund). (Michaela Simon)