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USA vs. China: Vom Handelskrieg zum Wirtschaftskrieg

zwei Container in den Farben der USA und Chinas presse auf eine Weltkugel

Die von der US-Regierung angedrohten und verhängten Zölle haben weltweite Auswirkungen. China hält bislang dagegen. Wie wird es weitergehen?

Gegenüber China hat US-Präsident Donald Trump seine Drohung jedoch wahr gemacht, denn Xi Jinping hat ihm nicht "den Ar*** geküsst [1]" und um Verhandlungen nachgesucht. Stattdessen hat Peking umgehend – offensichtlich bereits vorbereitete – Gegenmaßnahmen ergriffen. Nach mehreren Eskalationsrunden steht aktuell einem 125-prozentigen Zollsatz Pekings [2] ein 145-prozentiger US-Zoll entgegen.

In den letzten Tagen wurde deutlich, dass Trump seinen Wählerinnen und Wählern diesen Konflikt und seine Politik als simple Machtprobe [3] verkauft, die die USA selbstverständlich gewinnen werden. Entweder Trump hat seit 2018 nicht dazugelernt, oder die US-Bevölkerung fällt immer wieder auf die gleiche Rhetorik [4] herein.

In Peking verlässt man sich dagegen offensichtlich darauf, auch mit den jetzt anstehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten fertig zu werden. Zum einen diversifiziert das Land seine Exporte [5] schon seit einer ganzen Weile und die Abhängigkeit von den USA ist längst nicht mehr so groß [6] wie viele meinen.

Chinas Abhängigkeit von Exporten in die USA sinkt

Zudem sinkt die chinesische Exportquote seit 2006. Sie ist zwar mit 19,7 Prozent [7] des BNE in 2023 immer noch recht hoch. Doch sollten wir Deutschen nicht mit Steinen werfen, denn wir sitzen im Glashaus: FĂĽr Deutschland betrug diese Quote im selben Jahr 43,4 Prozent [8].

Zudem bemĂĽht sich Peking schon seit Jahrzehnten, den Konsum im eigenen Land anzukurbeln, und hat dazu auch gerade wieder einen 30-Punkte-Plan [9] vorgelegt.

Und der Erfolg dieser Politik wird von einer Lohnentwicklung [10] untermauert, die neoliberalen Ökonomen hierzulande sicher das Wasser in die Augen treibt: Dieses Jahr wird in China erneut mit Lohnzuwächsen um fünf Prozent [11] gerechnet – bei einer Inflationsrate um ein Prozent.

China fördert die Binnennachfrage

Schließlich setzt China wohl auch darauf, dass mittlerweile alle wichtigen Lieferketten im eigenen Land [12] bestehen oder aufgebaut werden können. Das macht das Reich der Mitte unabhängiger von externen Schocks.

Das alles kann aber nicht von der Tatsache ablenken, dass der Warenaustausch zwischen den beiden Giganten der Weltwirtschaft praktisch völlig zum Erliegen gekommen ist. Jetzt drehen chinesische Containerschiffe auf offener See um [13] und chinesische Unternehmer reden laut South China Morning Post schon von einem "Langen Marsch [14]", der nun auf sie zukomme.

Und sie haben sicher recht. Denn Gewinner ist in einer solchen Situation zunächst immer das Land mit dem Handelsdefizit [15] – und das sind die USA. Doch hier geht es längst nicht mehr nur um Handel. Der aktuelle Zollstreit ist eher als neues Kapitel der geopolitischen Konkurrenz zwischen Washington und Peking zu bewerten.

Neues Kapitel geopolitischer Konkurrenz

Denn die trat ja bereits während Trumps erster Amtszeit [16] in die heiße Phase und wurde vor allem in strategisch bedeutenden Bereichen mit zunehmender Härte geführt: Computerchips, seltene Erden, KI, Weltraum- und Militärtechnik sowie einige mehr ... Auch gegenseitige Sanktionen waren schon seit längerem an der Tagesordnung.

Doch nicht nur für China geht es um alles. Auch für Washington geht es um viel mehr als um die Frage, wo US-Bürger künftig einkaufen sollen. Das zeigte sich, als die Börsen nach Trumps Zoll-Coup damit begannen, US-Anleihen abzustoßen, anstatt sie – wie bisher in Krisensituationen üblich – zu kaufen, um ihr Geld vor den Kapriolen an den Aktienmärkten zu schützen.

Diese vom Economist als "extrem gefährlich [17]" eingestufte Entwicklung sorgte dafür, dass die Zinsen für US-Anleihen auf 4,5 Prozent (10 Jahre Laufzeit) beziehungsweise 5 Prozent (30 Jahre Laufzeit) stiegen. Als Erklärung schlägt das Wirtschaftsmagazin entweder einen Mangel an Liquidität oder mangelndes Vertrauen in US-Staatsanleihen oder eine Kombination aus beidem vor.

Anleihemärkte signalisieren Vertrauensverlust

Kurz darauf revidierte Trump seine radikalen Maßnahmen und fuhr die US-Zölle weltweit auf zehn Prozent zurück – außer eben für China. Die Washington Post stellte dazu fest, dass die Anleger an den Anleihemärkten Trump in die Zange genommen [18] hätten, indem sie ihr Geld aus dem Dollar abzogen und US-Staatsanleihen verkauften.

Auf diese Weise hätten die Anleger Trump etwas mitgeteilt, was in seinem Stab offensichtlich niemand gewagt hat, nämlich dass es gefährlich ist, mit allen anderen Ländern gleichzeitig Handelskriege zu beginnen. Der Vorgang [19] hat mit einer gewissen Verzögerung auch Eingang in die Berichterstattung der ARD gefunden.

Die USA müssen sich zudem dringend um neue Quellen für strategische Mineralien [20] kümmern, die auch die Rüstungsindustrie dringend benötigt. Zudem ist die aktuelle Politik nicht geeignet, weiterhin chinesische Unterstützung bei der Bewältigung der Fentanyl-Krise in den USA [21] zu erhalten.

Handel nicht der einzige Schauplatz des Wirtschaftskrieges

Der amerikanische Präsident hat auch verraten, dass er nicht für die Schließung von TikTok verantwortlich sein will [22], das bei jungen Amerikanern sehr beliebt ist. Und Elon Musks Elektroautohersteller Tesla tätigt etwa ein Fünftel seiner Geschäfte in China.

China könnte darüber hinaus amerikanische Dienstleistungen [23] einschränken, bei denen die USA einen Handelsüberschuss erzielen. Dazu gehören etwa Beschränkungen für amerikanische Beratungsfirmen und Anwaltskanzleien, die in China tätig sind. Es könnte zudem das geistige Eigentum amerikanischer Firmen einer genauen Untersuchung unterziehen und so Druck auf lukrative Einnahmequellen von US-Firmen ausüben.

Können die USA China isolieren?

Und in Washington wartet US-Finanzminister Scott Bessent mit neuen Ideen für eine Verschärfung des Wirtschaftskrieges auf: So drohte er, chinesische Firmen von den US-Börsen zu verbannen [24]. Zudem plant er, mit den Verbündeten der USA Handelsabkommen schließen, mit denen die Grundlage für ein gemeinsames Vorgehen gegenüber Peking [25] gelegt werden sollen. Dazu will er mit Beamten aus Vietnam, Japan, Indien und Südkorea sprechen.

Bleibt die Frage, ob man dort über diesen Tagesordnungspunkt sehr erfreut sein wird, zahlt man jetzt doch selbst zehn Prozent Zoll auf alles, was man den USA noch verkauft. Denn auch dieser vermeintlich niedrige Zollsatz kann Geschäfte gefährden oder ruinieren. Und ob Trump sein Ziel, mehr Produktion zurück in die USA zu holen, wirklich erreichen kann, ist ebenfalls keineswegs ausgemacht [26].


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-10349457

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tp/features/Von-Vietnam-bis-Lesotho-US-Zoelle-zerstoeren-Existenzen-10349423.html
[2] https://www.telepolis.de/features/Zollkrieg-eskaliert-China-kontert-US-Zoelle-mit-125-Prozent-Hammer-10349002.html
[3] https://www.newsweek.com/donald-trump-china-weapons-tariffs-xi-jinping-2057772
[4] https://www.theguardian.com/us-news/2018/jan/03/donald-trump-boasts-nuclear-button-bigger-kim-jong-un
[5] https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0954349X23001029
[6] https://www.visualcapitalist.com/visualizing-chinas-dependence-on-u-s-trade/
[7] https://data.worldbank.org/indicator/NE.EXP.GNFS.ZS?locations=CN
[8] https://data.worldbank.org/indicator/NE.EXP.GNFS.ZS?locations=DE
[9] https://www.scmp.com/economy/china-economy/article/3302645/chinas-latest-plan-boost-consumption-most-comprehensive-1970s
[10] https://www.ilo.org/sites/default/files/wcmsp5/groups/public/@europe/@ro-geneva/@ilo-berlin/documents/genericdocument/wcms_195268.pdf
[11] https://www.wtwco.com/en-hk/insights/2025/03/2025-salary-outlook-trends-and-predictions-for-chinese-industries
[12] https://gembah.com/blog/china-supply-chain-overview/
[13] https://www.scmp.com/economy/china-economy/article/3305834/chinese-exporters-said-be-ditching-shipments-mid-voyage-avoid-crushing-trump-tariffs
[14] https://de.wikipedia.org/wiki/Langer_Marsch
[15] https://www.relevante-oekonomik.com/2025/04/03/us-zoelle-trump-hat-recht-sein-faktenblatt-zerstoert-den-deutschen-merkantilismus/
[16] https://economictimes.indiatimes.com/tech/technology/timeline-of-us-actions-against-chinas-chip-industry/articleshow/101382551.cms
[17] https://www.economist.com/finance-and-economics/2025/04/09/bond-market-convulsions-look-extremely-dangerous
[18] https://www.washingtonpost.com/opinions/2025/04/09/trump-tariffs-delay-allies-markets/
[19] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/trump-anleihen-usa-staatsverschuldung-100.html
[20] https://www.reuters.com/world/china/chinas-curbs-exports-strategic-minerals-2025-02-04/
[21] https://www.mfa.gov.cn/mfa_eng/xw/zwbd/202503/t20250304_11567843.html
[22] https://www.economist.com/finance-and-economics/2025/04/08/why-china-thinks-it-might-win-a-trade-war-with-trump
[23] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-04-10/china-to-reduce-import-of-hollywood-films-as-trump-hikes-tariffs
[24] https://www.cnbctv18.com/world/us-china-trade-war-treasury-secretary-bessent-delisting-of-chinese-stocks-19587332.htm
[25] https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-04-10/trump-isolates-china-with-tariff-pivot-setting-up-xi-showdown
[26] https://www.telepolis.de/features/US-Zollpolitik-Polizeistunde-fuer-Deutschlands-Export-Party-10346334.html