USA vs. China: Vom Handelskrieg zum Wirtschaftskrieg

Seite 2: Neues Kapitel geopolitischer Konkurrenz

Denn die trat ja bereits während Trumps erster Amtszeit in die heiße Phase und wurde vor allem in strategisch bedeutenden Bereichen mit zunehmender Härte geführt: Computerchips, seltene Erden, KI, Weltraum- und Militärtechnik sowie einige mehr ... Auch gegenseitige Sanktionen waren schon seit längerem an der Tagesordnung.

Doch nicht nur für China geht es um alles. Auch für Washington geht es um viel mehr als um die Frage, wo US-Bürger künftig einkaufen sollen. Das zeigte sich, als die Börsen nach Trumps Zoll-Coup damit begannen, US-Anleihen abzustoßen, anstatt sie – wie bisher in Krisensituationen üblich – zu kaufen, um ihr Geld vor den Kapriolen an den Aktienmärkten zu schützen.

Diese vom Economist als "extrem gefährlich" eingestufte Entwicklung sorgte dafür, dass die Zinsen für US-Anleihen auf 4,5 Prozent (10 Jahre Laufzeit) beziehungsweise 5 Prozent (30 Jahre Laufzeit) stiegen. Als Erklärung schlägt das Wirtschaftsmagazin entweder einen Mangel an Liquidität oder mangelndes Vertrauen in US-Staatsanleihen oder eine Kombination aus beidem vor.

Anleihemärkte signalisieren Vertrauensverlust

Kurz darauf revidierte Trump seine radikalen Maßnahmen und fuhr die US-Zölle weltweit auf zehn Prozent zurück – außer eben für China. Die Washington Post stellte dazu fest, dass die Anleger an den Anleihemärkten Trump in die Zange genommen hätten, indem sie ihr Geld aus dem Dollar abzogen und US-Staatsanleihen verkauften.

Auf diese Weise hätten die Anleger Trump etwas mitgeteilt, was in seinem Stab offensichtlich niemand gewagt hat, nämlich dass es gefährlich ist, mit allen anderen Ländern gleichzeitig Handelskriege zu beginnen. Der Vorgang hat mit einer gewissen Verzögerung auch Eingang in die Berichterstattung der ARD gefunden.

Die USA müssen sich zudem dringend um neue Quellen für strategische Mineralien kümmern, die auch die Rüstungsindustrie dringend benötigt. Zudem ist die aktuelle Politik nicht geeignet, weiterhin chinesische Unterstützung bei der Bewältigung der Fentanyl-Krise in den USA zu erhalten.

Handel nicht der einzige Schauplatz des Wirtschaftskrieges

Der amerikanische Präsident hat auch verraten, dass er nicht für die Schließung von TikTok verantwortlich sein will, das bei jungen Amerikanern sehr beliebt ist. Und Elon Musks Elektroautohersteller Tesla tätigt etwa ein Fünftel seiner Geschäfte in China.

China könnte darüber hinaus amerikanische Dienstleistungen einschränken, bei denen die USA einen Handelsüberschuss erzielen. Dazu gehören etwa Beschränkungen für amerikanische Beratungsfirmen und Anwaltskanzleien, die in China tätig sind. Es könnte zudem das geistige Eigentum amerikanischer Firmen einer genauen Untersuchung unterziehen und so Druck auf lukrative Einnahmequellen von US-Firmen ausüben.

Können die USA China isolieren?

Und in Washington wartet US-Finanzminister Scott Bessent mit neuen Ideen für eine Verschärfung des Wirtschaftskrieges auf: So drohte er, chinesische Firmen von den US-Börsen zu verbannen. Zudem plant er, mit den Verbündeten der USA Handelsabkommen schließen, mit denen die Grundlage für ein gemeinsames Vorgehen gegenüber Peking gelegt werden sollen. Dazu will er mit Beamten aus Vietnam, Japan, Indien und Südkorea sprechen.

Bleibt die Frage, ob man dort über diesen Tagesordnungspunkt sehr erfreut sein wird, zahlt man jetzt doch selbst zehn Prozent Zoll auf alles, was man den USA noch verkauft. Denn auch dieser vermeintlich niedrige Zollsatz kann Geschäfte gefährden oder ruinieren. Und ob Trump sein Ziel, mehr Produktion zurück in die USA zu holen, wirklich erreichen kann, ist ebenfalls keineswegs ausgemacht.