USA verstärken Ausbildung ukrainischer Soldaten in Deutschland

HIMARS-Raketenwerfer in Aktion. Bild: Dean Johnson, Public domain via Wikimedia Commons

Chef von US-Söldnerfirma spricht von schlechter Ausbildung ukrainischen Soldaten. Mit Kursen in "kombinierter Kriegsführung" will Pentagon neue Offensiven vorbereiten. Blutzoll der Ukrainer seit Monaten enorm.

Deutschland soll künftig eine größere Rolle dabei spielen, ukrainische Soldaten auszubilden. Das teilte das US-Verteidigungsministerium am Donnerstag mit. Auf dem US-Stützpunkt im bayerischen Grafenwöhr sollen demnach ab Jahresbeginn "ungefähr 500 ukrainische Soldaten pro Monat" ausgebildet werden.

Der Schwerpunkt der Ausbildung soll demnach auf fortgeschrittenen Gefechtstaktiken liegen, auf der "kombinierten Kriegsführung", bei der Infanterie, Artillerie, Panzer und Luftwaffen eng koordiniert werden. Jede Gruppe soll dadurch gestärkt und geschützt werden.

Die russischen Angriffe in der Ukraine machen es dem ukrainischen Generalstab allerdings schwer, genügend Personal von der Front abzuziehen und zur Ausbildung zu schicken. Die große Hoffnung des Pentagon liegt laut einem Bericht der New York Times (NYT) deshalb dem Winter, der das Tempo der Kämpfe vielerorts verlangsamt hat. In den kommenden Monaten biete sich deshalb ein Zeitfenster, um mehr Truppen ausbilden zu können.

Was hier geleistet wird, um die Kampfkraft der ukrainischen Armee zu erhöhen, dürfte allerdings nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein. In der breiten Masse ist die Ausbildung der ukrainischen Soldaten schlecht, wie Andy Milburn, Kommandant der US-Söldnertruppe "Mozart", jetzt in einem Interview mit dem Münchner Merkur (Sonntag) darlegte.

Die Zeit für das Training ist immer noch sehr kurz. Die Mehrheit der Rekruten ist nach westlichen Maßstäben ungeschult. Also nicht schlecht oder unzureichend ausgebildet, sondern wirklich ungeschult. Sie sind mutig, aber eben ganz frisch. Die Brigadekommandeure sind sich dessen bewusst, aber sie können ihre Leute nicht für eine längere Zeit von der Front abziehen.

Andy Milburn

Milburn empfiehlt Veränderungen in der Ausbildung der ukrainischen Soldaten – nicht ganz frei von wirtschaftlichem Eigeninteresse. Benötigt werde eine "Ausbildung direkt vor Ort", die institutionalisiert sei.

Wir könnten das beispielsweise im Namen der westlichen Regierungen tun oder gemeinsam mit der Nato. Mit ausreichender Finanzierung könnte jeder Brigade an der Front ein Ausbildungsteam zugewiesen werden.

Andy Milburn

Das neue Ausbildungsprogramm in Grafenwöhr soll zusätzlich zu den speziellen Lehrgängen erfolgen, bei denen ukrainische Soldaten ausgebildet werden im Umgang mit westlichen Waffen. Die USA hätten bereits rund 3.100 Soldaten ausgebildet, etwa im Umgang mit den "High Mobility Artillery Rocket Systems" (HIMARS).

Nach Angaben des Pentagon haben die alliierten Staaten bisher 12.000 ukrainische Soldaten ausgebildet, hauptsächlich neue Rekruten, die in Großbritannien eine Grundausbildung in der Infanterie absolvierten.

Das Erlernen der "kombinierten Kriegsführung" soll die Ukrainer nun befähigen, auf dem Schlachtfeld wieder Erfolge zu erzielen, wie sie in den vergangenen Monaten bei Angriffen im Nordosten und Süden der Ukraine zu sehen waren, heißt es in der NYT. Das Ziel der Ausbildungsprogramme scheint damit klar umrissen: neue Offensiven.

Währenddessen sind die russischen Truppen auf dem Vormarsch, wie auch Milburn betonte. "In Cherson und Charkiw wurden zuletzt zwar Erfolge erzielt, aber die unschöne Wahrheit ist, dass die Truppen aus Russland weiterhin auf dem Vormarsch sind."

Auch wenn sich das Tempo verlangsamt haben sollte – der Blutzoll der Ukrainer ist enorm. Ein Beispiel dafür ist die umkämpfte Stadt Bachmut, die von der ukrainischen Armee zur Festung ausgebaut wurde und von ihr nur noch unter großen Schwierigkeiten gehalten werden kann.

Die britische Zeitung The Telegraph schrieb Anfang Dezember:

Seit dem Sommer hat die Stadt stattdessen täglich Hunderte von Toten und Verwundeten zu beklagen, die bei heftigem Beschuss und blutigen Frontalangriffen in Kämpfen, die an den Ersten Weltkrieg erinnern, ums Leben kommen.

Inwiefern sich die westlichen Ausbildungsprogramme bemerkbar machen, wird sich unter diesen Bedingungen noch zeigen müssen. Sie lassen allerdings darauf schließen, dass die USA und ihre Verbündeten künftig immer mehr moderne westliche Waffen schicken werden, für deren Einsatz eine entsprechende Ausbildung notwendig ist. (Bernd Müller)

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