US-Wahl: Endspurt

Cover der New York Post

Wenige Tage vor dem 8. November ist das Rennen wieder offener, als es zur Pussygate-Affäre schien

Am Dienstag wird in den USA ein neuer Präsident gewählt. Während es im Oktober so aussah, als ob die Pussygate-Affäre Donald Trump das Genick gebrochen hätte, hat er in mehreren aktuellen Umfragen wieder zu ihr aufgeschlossen. Das dürfte unter anderem an Dokumentfunden auf dem Laptop des demokratischen Chat-Unholds Anthony Weiner liegen, die Hillary Clintons E-Mail-Affäre neu anfachten (vgl. Funde auf Anthony Weiners Laptop bringen Clinton in Bedrängnis).

Seit knapp einer Woche werfen demokratische Politiker dem FBI-Chef James Comey deshalb vor, mit Informationen dazu zugunsten der Republikaner in den Wahlkampf einzugreifen, denen er früher einmal angehörte. Präsident Obama kritisierte etwas zurückhaltender, Informationen sollten erst dann an die Öffentlichkeit gegeben werden, wenn sie vollständige Bilder ergeben, meinte aber auch, er glaube nicht, das Comey absichtlich in den Wahlkampf eingreifen wolle.

Für diese Annahme spricht, dass der FBI-Direktor in der Vergangenheit weniger als Ideologe agierte, denn als jemand, der Vorschriften ernst nimmt. 2004 verhinderte er beispielsweise, dass der spätere Justizminister Alberto Gonzales seinem Vorgänger John Ashcroft, der nach einer Operation nur bedingt im Besitz seiner geistigen Kräfte war, auf der Intensivstation eine Unterschrift zur Verlängerung der NSA-Überwachung abrang, die er später unter anderen Umständen genehmigte. Spekulationen in eher Clinton zugeneigten Medien über Comeys vorzeitige Ablösung sind möglicherweise aber auch deshalb verfrüht, weil der Kongress diese Personalfrage mit entscheidet.

Trump-Tochter macht Familienwahlkampf

Eine andere Person, die Einfluss auf die Änderung der Umfrageergebnisse gehabt haben könnte, ist Donald Trumps Tochter Ivanka: Sie wird wahrscheinlich auch deshalb vor die Mikrofone und Kameras geschickt, um die Imageschäden, die ihr Vater durch die Pussygate-Affäre erlitt, wieder zu beheben. Dazu erzählt sie unter anderem, dass es im Trump-Immobilienkonzern angeblich mehr weibliche als männliche Führungskräfte gibt und dass Donald Trump das aus dem Fordismus stammende US-Arbeitsrecht an die Gegenwart anpassen werde, wovon besonders Frauen profitieren würden. Außerdem betont sie immer wieder, dass ihr Vater ihr nicht nur Tugenden wie Fleiß und Ausdauer, sondern auch einen “starken moralischen Kompass” mitgegeben habe.

Eine wahrscheinlich noch wichtigere Ursache dafür, dass Clintons Werte aktuell sinken, während die von Trump wieder steigen, ist die Obamacare-Preisexplosion. Das ist auch Trump klar, der deshalb häufig von “Hillarycare” spricht und vor einer Verdreifachung der Beiträge unter ihr als Präsidentin warnt. Auch die während der letzten acht Jahre von 10,6 auf 19,8 Billionen Dollar verdoppelten Staatsschulden wird in US-Medien aktuell wieder mehr debattiert wird als vor ein paar Wochen.

Clinton: Immer noch Probleme im Umgang mit der Wahrheit

Wenig hilfreich für Clinton dürfte zudem sein, dass Medien wegen des stärker thematisierten Umgangs der demokratischen Kandidatin mit der Wahrheit mehr als früher darauf achten, ob das, was sie sagt, auch mit den Tatsachen übereinstimmt.

Eine Bemerkung während einer Wahlkampfveranstaltung in Florida zeigte diese Woche, dass sie alte Gewohnheiten anscheinend schwer ablegen kann: Dort erzählte sie dem Publikum im Zusammenhang mit Ausführungen zum IS-Massaker in einer Schwulendisco in Orlando, sie sei während der Anschläge vom 11. September in New York gewesen. Politico zufolge war sie jedoch in Washington und gab dort den größten Teil des Tages Interviews.

Frühwähler: Mehr Latinos, weniger Schwarze und Junge

Neben Umfragen gibt es inzwischen auch statistische Daten zu Frühwählern, die Analysten und Auguren heranziehen, um Äußerungen zum Wahlausgang zu erläutern:

Dass es unter diesen Frühwählern mehr Latinos als 2012 gibt, wird als günstig für Clinton angesehen. Texas, wo der Anstieg besonders stark ist, dürfte allerdings trotzdem fest in der Hand der Republikaner bleiben. Der Anteil der Schwarzen unter den Frühwählern ist dagegen fast überall gesunken – in Florida beispielsweise von 25 auf 15 Prozent. Das dürfte damit zusammenhängen, dass Barack Obama nicht mehr antritt und gilt als eher schlechtes Zeichen für Clinton, weil Schwarze Umfragen zufolge eher für sie stimmen als für Trump. Der Anteil der jüngeren Wähler unter den Frühwählern – die 2008 und 2012 überwiegend für Obama votierten - ist ebenfalls deutlich zurückgegangen.

Zugenommen hat dafür der Anteil derjenigen, die sich als Unabhängige in die Wahlregister eintragen lassen. Alleine in Florida stieg ihre Zahl im Vergleich zu 2012 von zweieinhalb auf jetzt drei Millionen. Sie sorgen dafür, dass Analysen heute potenziell ungenauer sind als früher, weil sich ihr Abstimmungsverhalten wesentlich schlechter voraussagen lässt. Zur schlechteren Vorhersagbarkeit des Ergebnisses trägt auch bei, dass rund ein Zehntel der Teilnehmer in Umfragen immer noch unentschieden ist. Besonders um diese Wähler wird es den Kandidaten in den nächsten vier Tagen gehen. (Peter Mühlbauer)

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