US-Wahl: Die potenziellen Oberbefehlshaber antworten
Hillary Clinton beim Commander-in-Chief-Forum. Bild: NBC
Donald Trump möchte seinen Plan, wie er den IS besiegen will, nicht verraten, damit sich die Terrorgruppe nicht darauf einstellen kann
Das erste Fernsehduell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump findet erst in gut zwei Wochen statt - der Fernsehsender NBC hat aber schon eine Art indirektes Duell gesendet, bei dem sich beide Kandidaten zwar nicht persönlich gegenüberstanden, aber ähnliche Fragen dazu beantworteten, wie sie als "Commander In Chief", als Oberbefehlshaber der mächtigsten Streitkräfte der Welt, agieren würden.
Trump versprach bei dieser Befragung, er werde als US-Präsident innerhalb von 30 Tagen nach seiner Amtseinführung einen Plan zur Vernichtung der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) präsentieren. Wie dieser Plan aussehen soll, möchte er nicht sagen, damit die Dschihadisten überrascht werden und sich nicht darauf vorbereiten können. Damit dieser Plan klappt, will er Änderungen an der Spitze des Militärs vornehmen und mehrere Generäle auswechseln, weil er nach zwei Obama-Amtszeiten nur einem Teil davon über den Weg traut.
Dass Trump sich erneut anerkennend über den russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin äußerte, könnte ein Zeichen dafür sein, dass sein Plan zur IS-Bekämpfung eine intensivere Anti-Terror-Kooperation mit dem ehemaligen Feindstaat aus dem Kalten Krieg beinhaltet. Putin, so Trump, sei führungsstärker als Barack Obama und habe eine "sehr starke Kontrolle über sein Land", obwohl Russland "ein ganz anderes System" als die USA habe, das er nicht sonderlich schätze.
Trump will Verteidigungsausgaben nicht herab-, sondern deutlich heraufsetzen
Bereits vor der Debatte hatte Trump erklärt, er werde die Verteidigungsausgaben nicht herab-, sondern deutlich heraufsetzen. Viele Beobachter überraschte das, weil aktuell ein Großteil der US-Verteidigungsausgaben in Auslandseinsätze fließt, gegen die sich der Quereinsteiger immer wieder ausspricht. Im April hatte er beispielsweise in offenbarer Anspielung auf Clinton wie auf seine republikanischen Konkurrenten gemeint, "im Gegensatz zu anderen Kandidaten" würden "Krieg und Aggression" nicht seine ersten außenpolitischen Bauchreaktionen sein.
Als Wladimir Putin in einem Gastbeitrag für die New York Times die Ideologie der USA als Ausnahmenation kritisierte, mit der Interventionen gerechtfertigt werden, meinte Trump dazu, der russische Staatspräsident habe Recht, wenn er meint, diese Vorstellung werde in anderen Ländern als Beleidigung angesehen. Danach gefragt, ob er für die Verbreitung von Freiheit und Demokratie in der Welt eintreten werde, sagte der Milliardär der Zeitung, er wolle nicht "andere belehren", sondern sich lieber "um unsere eigenen Schwierigkeiten kümmern".
Clinton offenbarte bei der NBC-Befragung wenig, was nicht schon vorher bekannt gewesen wäre. Sie ließ ebenfalls weitgehend offen, wie sie den IS besiegen will, versprach aber, dazu seien keine US-Bodentruppen im Irak und in Syrien nötig. In beiden Ländern befindet sich bereits eine größere Zahl von US-Militärangehörigen, diese werden jedoch offiziell als Ausbilder einheimischer Einheiten und Milizen geführt.
Relative Mehrheit der Amerikaner sieht Terrorgefahrentwicklung nach 9/11 kritisch
Dass die Bodentruppen, die Demokraten und Neocon-Republikaner in den Nuller Jahren in den Irak schickten, das Sicherheitsempfinden der Amerikaner nicht langfristig stärken konnten, zeigen die Ergebnisse einer Pew-Umfrage, die drei Tage vor dem 15. Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center veröffentlicht wurden:
Danach glauben heute mit einem Anteil von 40 Prozent mehr US-Bürger als zu jedem anderen Zeitpunkt nach dem am 11. September 2001, dass islamische Terroristen bessere Möglichkeiten haben, Anschläge in den USA durchzuführen. Alleine in den letzten beiden Jahren nahm der Anteil der Amerikaner, die davon überzeugt sind, um fünf Prozentpunkte zu. 31 Prozent sind der Ansicht, dass die Dschihadisten heute über die gleichen Möglichkeiten verfügen wie 2001 und nur ein Viertel glaubt, dass die USA heute sicherer vor solchen Anschlägen sind als damals. (Peter Mühlbauer)
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmmung wird hier eine externe Buchempfehlung (Amazon Affiliates) geladen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (Amazon Affiliates) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.