US-Bürger trauen ihrem Präsidenten immer weniger

Das Ansehen der Bush-Regierung ist in den USA und weltweit weiter gesunken

Kurz vor seiner sechsten Rede an die Nation zeigt sich der rapide Verfall des Ansehens der Bush-Regierung. In einer aktuellen Umfrage befürworten nur noch 33 Prozent der Amerikaner die Amtsführung von Bush, bei zwei Dritteln ist der Präsident, der nach dem Verlust der republikanischen Kongressmehrheit zur "lame duck" wurde, durchgefallen. Zwei Drittel lehnen auch die vom Weißen Haus forcierte Truppenaufstockung im Irak ab und halten die Lage im Irak für aussichtslos.

Selbst bei dem Thema Terrorismus, durch das Bush nach dem 11.9. groß wurde und lange Zeit Rekordwerte eingefahren, traut ihm die Mehrheit der Amerikaner nicht mehr über den Weg. Zwei Drittel meinen, er verstehe die Probleme der Menschen nicht und könne andere Gesichtspunkte nicht wahrnehmen. In Krisen könne man ihm nicht vertrauen, sagen 56 Prozent. Dass er das Land, wie er stets behauptete, sicherer gemacht habe, nehmen ihm jetzt 55 Prozent der Menschen nicht mehr ab.

Im Ausland wurden Präsident Bush und seine Regierung schon lange meist mit großer Skepsis und Abneigung gesehen. Auch hier hat sich die Stimmung in einer Umfrage, die zwischen November und Januar im Auftrag der BBC in 25 Ländern durchgeführt wurde, noch einmal drastisch gegen die Bush-Regierung gewandt, was auch dem Image der USA und den Möglichkeiten schadet, außenpolitisch agieren zu können. 49 Prozent aller Befragten sagen, die USA würden vor allem eine negative Rolle in der Welt spielen. Die Aussagen der Menschen in 18 Ländern, die schon 2005 und 2006 befragt wurden, zeigen den Absturz. Waren 2005 immerhin noch 40 Prozent überzeugt, der Einfluss der USA sei überwiegend positiv, sind es jetzt nur noch 29 Prozent, während hier 52 einen überwiegend negativen Einfluss sehen. In Deutschland und Indonesien erzielte die US-Regierung mit über 70 Prozent Ablehnung die schlechtesten, in Nigeria und den Philippinen die besten Ergebnisse bei dieser Frage.

Selbst bei den bislang treuesten Bush-Anhängern bröckelte die Zustimmung beträchtlich. In Polen fiel sie von 62 Prozent im Jahr 2006 auf jetzt nur noch 38 Prozent, auf den Philippinen von 85 auf 72 Prozent oder in Indien von 44 auf 30 Prozent. Auch im Libanon halten 58 Prozent der Befragten den Einfluss der US-Politik für negativ. 90 Prozent lehnen die amerikanische Politik im Irak, 80 Prozent die die Rolle der USA im Libanon-Krieg ab.

Dreiviertel der Befragten in den 25 Ländern lehnen die Irak-Politik der Bush-Regierung ab. Guantanamo wird von 67 Prozent kritisiert (in den USA stößt das Gefangenenlager bei der Hälfte auf Widerspruch, in Deutschland bei 89 Prozent). Die Rolle der Bush-Regierung im Libanon-Krieg fand wieder in Nigeria und auf den Philippinen Zuspruch, insgesamt sprachen sich zwei Drittel dagegen aus, in Deutschland 74 Prozent. Auch die Iran-Politik der USA wird von 60 Prozent abgelehnt (in den USA von 50%, in Deutschland von 64%). Die Klimapolitik finden 56 Prozent nicht gut (in den USA 54%, in Argentinien, Frankreich und Deutschland gar 80%). In Nigeria, den Philippinen, Kenia und Südkorea findet eine Mehrheit die Klimapolitik von Bush hingegen gut. Über die Hälfte aller Befragten lehnten auch die Politik gegenüber Nordkorea ab. Und 68 Prozent – in Deutschland 73 Prozent - denken, dass die US-Militärpräsenz im Nahen Osten die Region instabiler macht.

Bei den Amerikanern macht sich Sorge breit. Nur noch 57 Prozent sind der Meinung, dass die USA einen überwiegend positiven Einfluss auf die Welt ausübe. 2005 glaubten dies noch 71 Prozent. Es ist abzusehen, dass Bush mit seiner Rede an die Nation nichts mehr herumreißen können wird. Seine Macht wird Zuhause weiter bröckeln, wenn nicht wieder eine Krise auftritt, die ihn wie schon einmal 2001 stark macht. (Florian Rötzer)