UN-Generalsekretär: "Wir steuern auf eine Katastrophe zu"

Beim aktuellen Kurs scheint eine "Heißzeit" unvermeidlich. Symbolbild: Gerhard auf Pixabay (Public Domain)

UN-Umweltprogramm legt Analyse der nationalen Klimaschutzmaßnahmen vor. Das Ergebnis ist vernichtend: Erwärmung auf 2,8 Grad bei "Business as usual". 2,4 Grad, selbst wenn bisher beschlossene Maßnahmen greifen.

Wir haben gestern bereits kurz erwähnt, dass das UN-Umweltprogramm UNEP am Donnerstag im Vorfeld der diesjährigen UN-Klimakonferenz ihren sogenannten Emission Gap Report 2022 veröffentlicht hat. In ihm wird vorgerechnet, was die bisher im Rahmen der Pariser Klimaübereinkunft abgegebenen Selbstverpflichtungen der Staaten für die Entwicklung des globalen Klimas bedeuten.

Der Bericht gehört zum Verhandlungsprozess im Rahmen der Übereinkunft. Die Länder sollten ihre Selbstverpflichtung eigentlich nachbessern, wenn sie – der Titel des Berichts deutet es an – nicht ausreichen. Wie im zweiten Teil unserer wöchentlichen Kolumne berichtet, sind Deutschland und die EU diesbezüglich jedoch ziemlich unwillig.

Der Bericht stellt klar, dass Industrie, Stromversorgung und der Verkehrssektor sehr schnell auf klimaneutrale Energieformen umgestellt werden müssen, wie UNEP-Sprecherin Keisha Rukikaire am Donnerstag gegenüber der Presse in Nairobi betonte.

UN-Generalsekretär António Guterres erinnerte bei der Gelegenheit daran, dass die Zerstörungen und Verluste aufgrund der Klimakrise täglich zunehmen und dass sich das Zeitfenster, in dem die globale Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Niveau noch auf 1,5 Grad begrenzt werden kann, sehr schnell schließt.

Emissionsminderung um 45 Prozent noch in diesem Jahrzehnt nötig

Die Treibhausgasemissionen müssten noch in diesem Jahrzehnt um 45 Prozent gesenkt werden, verblieben aber bisher auf einem gefährlich hohen Niveau und nehmen sogar noch zu. Guterres: „Die derzeitige Politik wird bis zum Ende des Jahrhunderts zu einer um 2,8 Grad Celsius wärmeren Welt führen. In anderen Worten: Wir bewegen uns auf eine Katastrophe zu.“

In der Pariser Übereinkunft war 2015 verabredet worden, die Erwärmung deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu halten und möglichst nicht 1,5 Grad Celsius überschreiten zu lassen. Selbst für eine Begrenzung auf zwei Grad Erwärmung – ca. 1,1 Grad Celsius ist bereits erreicht – müssten die globalen Emissionen bis 2030 um 30 Prozent sinken, heißt es bei der UNEP.

Letztes Jahr war auf der UN-Klimakonferenz im britischen Glasgow verabredet worden, dass die Länder in diesem Jahr eine Verbesserung ihrer Verpflichtungen vorlegen. Die UNEP stellt allerdings in ihrem Bericht fest, dass die nachgereichten Erklärungen – wenn umgesetzt – nur für eine Reduktion der globalen Emissionen von einem Prozent sorgen würden. Das sei weit entfernt von den nötigen 45 Prozent Reduktion. (Wolfgang Pomrehn)