Trump zweifelt an fairen Wahlen

Trump-Tweet. Screenshot: TP

Assange wurde Internetzugang gesperrt

Donald Trump hat seine Anhänger dazu aufgerufen, ein Auge auf die Durchführung der US-Präsidentschaftswahl zu haben, die in mehreren Bundesstaaten bereits begonnen hat (vgl. USA: Kampf um Frühwähler). Er befürchtet, dass es in manchen Wahllokalen nicht mit rechten Dingen zugehen könnte. Ähnlich äußerten sich Trumps Unterstützer Newt Gingrich und Rudy Giuliani. Letzterer sagte CNN auf eine Frage dazu: "Sie wollen von mir hören, dass ich daran glaube, die Wahlen in Philadelphia und Chicago werden fair ablaufen? Ich müsste ein Idiot sein, um das zu sagen."

Clintons Wahlkampfteam verlautbarte darauf hin, es sei "beschämend", dass Trump versuche, die Wahl "zu untergraben" - und bekam Unterstützung vom Repräsentantenhaussprecher Paul Ryan, einem der sichtbarsten innerparteilichen Gegner Trumps. Der Vertreter des republikanischen Establishments ließ seine Sprecherin mitteilen, Ryan sei "überzeugt, dass die Bundesstaaten die Wahl rechtmäßig durchführen".

"Offensichtlich voreingenommene" Medien, aber 1,25 Millionen Dollar von Peter Thiel

Trumps Vizepräsidentenkandidat Mike Pence, der anscheinend eine Mittlerrolle zwischen dem exzentrischen Milliardär und dem Parteiestablishment einnehmen will, meinte zwar, er werde "das Ergebnis der Wahl vollständig akzeptieren", kritisierte aber gleichzeitig, die Medien als so "offensichtlich voreingenommen", dass Wähler den Eindruck bekommen könnten, es werde mit gezinkten Karten gespielt.

Tatsächlich bekamen die für Hillary Clintons Glaubwürdigkeit problematischen Wikileaks-Enthüllungen - wie Fox News errechnete - bei CBS nur ein Zwölftel und bei ABC nur ein Achtzehntel der Aufmerksamkeit, die man den neuen Sex-Vorwürfen gegen Donald Trump widmete (vgl. Aufmerksamkeit: Sex schlägt Leaks). Das kann damit zusammenhängen, dass man sich von den Sex-Vorwürfen bessere Einschaltquoten erhofft - aber auch daran, dass die Führungskräfte der US-Medienelite Trump nicht mögen. Darauf, dass Letzteres zumindest eine Rolle spielt, deutet die Aufteilung der Spenden von Journalisten an die Präsidentschaftskandidaten hin: 96 Prozent des Geldes ging an Hillary Clinton. Dafür bekam Trump 1,25 Millionen Dollar von einem sehr bekannten und sehr reichen Medienkritiker: dem Gawker-Vernichter Peter Thiel.

Vier Reaktionen auf Pussygate

Gegen die nach dem Pussygate-Skandal laut gewordenen Vorwürfe von Frauen, die behaupten, von Trump belästigt worden zu sein, wehrt sich der Milliardär auf verschiedenen Ebenen: Erstens zweifelt er die Glaubwürdigkeit der Beschuldigerinnen an. Einer davon, die möglicherweise psychische Probleme hat, wies er nach, dass sie ihm noch im April Fanpost schrieb.

Zweitens weist er auf bekannte Politiker der Demokratischen Partei und deren Verhalten gegenüber Frauen hin. Neben Hillary Clintons Ehemann Bill Clinton ist das vor allem Joseph Biden, von dem er Fotos veröffentlichte, auf denen der amtierende Vizepräsident Frauen seiner Meinung nach betatscht. Und Drittens ließ er seine Ehefrau Melania verkünden, der damalige Fernsehmoderator und George-W.-Bush-Cousin Billy Bush habe ihren Gatten dazu angestachelt, "dreckige und schlimme Sachen zu sagen", für die er sich bei ihr entschuldigt habe.

Eine vierte Reaktion kommt bislang nicht aus Trumps Team selbst, sondern aus Sozialen Medien, wo Usern auffiel, dass mehrere der Film- und Fernsehstars, die gestern auf einer Wahlkampf-Großveranstaltung für Hillary Clinton auftraten, mit einem Sexleben identifiziert werden, das die Demokratin dem Republikaner zum Vorwurf macht. Bei den Profis John Hamm (Don Draper aus Mad Men) und Sarah Jessica Parker (aus Sex and the City) kann man argumentieren, dass der Lebenswandel der Schauspieler nicht viel mit dem der Figuren zu tun haben muss, für die sie bekannt wurden. Im Fall Lena Dunham, die in ihrer autobiographisch gefärbten Serie Girls unter anderem Unbekannte mit Sexting-Fotos von sich belästigt, ist dieser Unterschied weniger klar.

Howard Stern will alte Radioshows mit Trump nicht veröffentlichen, Wikileaks trotz Assanges Internetsperre weitermachen

Erleichtert sein dürfte der Milliardär darüber, dass der Radiomoderator Howard Stern trotz seiner Unterstützung für Hillary Clinton die Aufnahmen, die er mit Trump als Gast in seinen Sendungen anfertigte, nicht frei geben will. Er fühle sich, so Stern zu Billboard, zwar geehrt, dass sie heute noch für Aufmerksamkeit sorgen, aber er empfände es als "Betrug", wenn man die Sendungen für eine Wahlkampagne nutzen würde. Die Gespräche, bei denen sowohl er als auch Trump Spaß gehabt hätten, seien nämlich nicht dazu geführt worden, um jemanden in die Pfanne zu hauen.

Wikileaks will dagegen die insgesamt 50.000 E-Mails von Clintons Wahlkampfleiter Podesta weiter veröffentlichen. Dass die ecuadorianische Botschaft, in die sich Julian Assange flüchtete, dem Wikileaks-Gründer gestern den Internet-Zugang sperrte hatte - zumindest bislang - noch keine Auswirkungen auf den recht regelmäßigen Output.

McMullin legt in Utah weiter zu

Auf Twitter verwies Trump gestern stolz darauf, dass er trotz des "total media hit job" in einer neuen CNN-Umfrage im wichtigen Schlachtfeldstaat Ohio mit 48 zu 44 Prozent führt. Dafür könnte Utah einer ebenfalls gestern erschienenen Rasmussen-Umfrage nach weder an Trump noch an Clinton gehen, sondern an den unabhängig antretenden mormonischen Republikaner Evan McMullin, der dort von 20 bis 22 auf 29 Prozent zulegte und jetzt praktisch gleichauf mit Trump (30 Prozent) und Clinton (29 Prozent) liegt. Dieser Erfolg des ehemaligen CIA- und Goldman-Sachs-Mitarbeiters könnte Meinungsforscher dazu bringen, seinen Namen auch in Umfragen in den anderen elf Bundesstaaten aufzunehmen, in denen er kandidiert. (Peter Mühlbauer)