Trotz hoher Studiengebühren mehr Studenten

In Großbritannien sehen sich die Befürworter von Studiengebühren bestätigt und würden sie gerne auf 10.000 Euro und mehr erhöhen

Die Gegner von Studiengebühren werden es nicht gerne hören, welche Erfahrungen die Briten mit der Erhöhung der jährlichen Studiengebühr auf bis zu 4.500 Euro gemacht haben, die letztes Jahr eingeführt wurde. Zwar brach zunächst die Zahl der Studienanfänger um 3,5 Prozent ein, doch in diesem Jahr, so meldet der Universities Admission Service (Ucas), haben sich durchschnittlich 7,1 Prozent, an manchen Universitäten auch über 10 Prozent mehr eingeschrieben als letztes Jahr und so einen neuen Rekord eingestellt. Führende Universitäten wollen nun die Gunst der Stunde ausnutzen, um in den nächsten Jahren die Studiengebühren auf 10.000 Euro jährlich anzuheben.

Für die Befürworter der Studiengebühren sind die Zahlen ein gefundenes Fressen. Sie können nun den Gegnern sagen, dass höhere Gebühren die Studenten nicht fernhalten und die Wissensgesellschaft nicht gefährden. So freute sich Bill Rammel, Staatssekretär des Bildungsministeriums:

These highest ever figures show that tuition fees are not putting students off applying to University as many predicted. The critics of the new system are being proved emphatically wrong.

Weil vom Staat nicht mehr Geld zu erwarten ist, gehen Politiker und Universitätsdirektoren davon aus, dass ab 2009 die nächste Erhöhung stattfinden wird. Die Russel Group, die 20 der führenden Universitäten vertritt, geht von Studiengebühren von 10.500 Euro aus. Andere wie Adrian Smith, der Rektor der University of London, erwartet bis 2010 Studiengebühren um die 9-10.000 Euro, die dann noch einmal zwei Jahre später bis auf 15.000 Euro steigen werden.

Aus der Zunahme der Studenten im ersten Jahr nach der Einführung der saftigen Studiengebühren lässt sich allerdings wohl nicht absehen, ob sie nicht in Zukunft doch junge Menschen, die nicht aus einem wohlhabenden Elternhaus stammen, vom Studium abschrecken werden. Die erneute Zunahme wird auch darauf zurückgeführt, dass die Studiengebühren nicht gleich bezahlt werden müssen, sondern auch nach Studienabschluss und ab einem Verdienst von 22.000 Euro jährlich zurückgezahlt werden können. Hier müssen dann wohl erst Erfahrungen gemacht werden, ob ausreichend Arbeit gefunden und die Belastung nicht zu groß sein wird. Dass weniger Menschen aus den unteren Schichten die Möglichkeit haben werden, über Bildung aufzusteigen, dürfte jedoch eine Folge von weiter erhöhten Studiengebühren sein. Damit sinkt die Chancengleichheit und wird die sich sowieso auch in Großbritannien verbreiternde Kluft zwischen Armen und Reichen noch vertieft. Allerdings wurden auch Stipendien wieder eingeführt, die nicht zurückgezahlt werden müssen, und gibt es eine ganze Reihe von Stipendien und Unterstützungen an den einzelnen Universitäten..

Möglicherweise zeigen sich auch schon jetzt die ersten Folgen. Die Erstsemester haben sich nämlich vorwiegend für wissenschaftliche und wirtschaftliche Studiengänge angemeldet. Gewinner waren Informatik und Ingenieursstudiengänge, aber auch Physik, Chemie, Biologie und Mathematik Es haben sich auch mehr für Fremdsprachen eingeschrieben, vor allem für Japanisch (+41%), aber auch für Deutsch (+19,6%). Man richtet sich also auf solche Studiengänge ein, bei denen größere Aussicht besteht, danach auch wirklich sicher und gut Geld verdienen zu können. Ob das aber langfristig die geistigen Grundlagen einer Wissensgesellschaft stärkt und sie nicht eher erodiert, wird man absehen müssen. Für Rammel ist es allerdings ein Beleg dafür, dass Großbritannien weiterhin global konkurrenzfähig bleiben wird.

Um den Universitäten mehr Geld zuzuführen, so dass auch Studenten gefördert werden können, setzt die britische Regierung auf Spenden und Stiftungen. Geldspenden an 75 Universitäten werden mit Steuergeldern bezuschusst. Der scheidende Premier Tony Blair will mit 300 Millionen Euro dieses Programm, das ehemalige Studenten, Firmen oder andere Förderer zu größerer Spendenaktivität nach dem Vorbild der USA bewegen soll, unterstützen. Damit würde der Staat für jeweils zwei gespendete Pfund noch eines drauflegen. Andere Universitäten sollen Geld erhalten, um selbst Spendenbüros einzurichten. Anders als in den USA spenden bislang ehemalige Stundenten ihren Universitäten kaum etwas. Allerdings hat die Eliteuniversität Oxford immerhin ein Stiftungsvermögen von mehr als 4,6 Milliarden Euro, Cambridge von etwa 4,2 Milliarden. Alle anderen Universitäten haben nur vergleichsweise kleine Stiftungen. Insgesamt verfügen alle britischen Universitäten über ein Stiftungsvermögen von 12 Milliarden Euro

Im Vergleich zu Harvard, das über ein Stiftungsvermögen von 20 Milliarden Euro verfügt, ist das noch wenig. Harvard hat 2006 Spenden in Höhe von fast 600 Millionen Dollar eingenommen. Damit werden u.a. für ärmere Studenten, die aufgenommen wurden, die Studienkosten in Höhe von 43.600 US-Dollar für Unterricht, Unterkunft und Gebühren übernommen, Studenten, deren Eltern weniger als 60.000 US-Dollar jährlich verdienen, müssen keinen Beitrag mehr zu den Studienkosten zahlen. (Florian Rötzer)