Taschenlampen für den Frieden

Das lange Warten auf den Krieg brachte einen Friedensaktivismus der besonderen Sorte hervor

"Ungewöhnliche Maßnahmen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen", meinte Mazen Chourbaji letzte Woche, bei einer Pressekonferenz in Berlin. Dort wurden zwei dieser ungewöhnlichen Projekte vorgestellt. Ziel war es, möglichst viele Menschen in kurzer Zeit per Flugzeug und per Konvoi (Babylon by Bus) in den Irak zu bringen. Dort sollten sie als Schutzschilde Krankenhäuser, Schulen und Wohnviertel schützen (Als menschliches Schutzschild in Bagdad).

Schon während der Pressekonferenz allerdings kam es zu Unstimmigkeiten. Selbst wohlmeinende Journalisten verließen vorzeitig den Saal, weil die potentiellen Bagdad-Fahrer zwar wortreich beteuerten, dass sie das Warten auf den Krieg psychisch nicht mehr aushalten würden und mit ihrer Initiative ein Krieg verhindert werden könne, wenn nur genügend Leute mitmachen. "Jeder Kilometer hilft."

Über die konkreten Tourvorbereitungen und ihre politischen Ziele konnte man allerdings nur wenig erfahren. So war es nicht allzu verwunderlich, dass die Babylonfahrer ihren Trip wenige Stunden vor Beginn erst einmal absagten. Es habe finanzielle Probleme gegeben, meinte ein Organisator.

Das Projekt Babylon by Bus ist eines der Beispiele für den zur Zeit grassierenden Friedensaktivismus. Das lange Warten auf den angekündigten Krieg wird von Projektemacher aller Art kreativ genutzt. Täglich gibt es neue Ideen, die über Internet gleich verbreitet werden. So wird seit einigen Tagen per Mail Unterstützung für eine Petition an den Papst gesammelt. Er soll als eine Art heiliges Schutzschild in den Irak reisen, um einen Kriegsausbruch in letzter Minute zu verhindern.

Die TAZ hat mittlerweile eine Rubrik eingerichtet, auf denen täglich lustige und kuriose Ideen im Friedenskampf vorgestellt werden. Doch nicht nur kreative Ich-AGs beteiligen sich in der letzten Zeit Projektemacher in Sachen Weltfrieden. Auch im Kollektiv ist Aktivismus Trumpf. So betätigten sich am Samstagabend über 100.000 Menschen in Berlin als Kerzenhalter für den Frieden. Schon im Anschluss an die großen Antikriegsdemonstration am 15.2. wollte unter dem Motto Taschenlampen für den Frieden einige Aktivisten der Bundesregierung kräftig leuchten, damit sie ja nicht vom Friedenspfad abkomme.

"Schrecklich grassiert der Friedenskitsch", ätzt der Satiriker Wiglaf Droste. Eines der stärksten Argumente gegen den Krieg ist für ihn, dann von all den Friedensprojekten nichts mehr hören und sehen zu müssen. (Peter Nowak)