Taliban greifen internationalen Flughafen der Metropole Karatschi an

Gleichzeitig Anschlag auf schiitische Pilger in Belutschistan

Die pakistanische 13-Millionen-Metropole Karatschi liegt nicht im paschtunischen Siedlungsgebiet, sondern in der Provinz Sindh. Trotzdem gelang es Taliban-Terroristen gestern, den internationalen Jinnah-Flughafen in Karatschi anzugreifen und dabei mindestens 18 Flughafensicherheitsmitarbeiter und Arbeiter zu töten und weitere 14 teilweise schwer zu verwunden. Allerdings kamen bei den Gefechten, die bis heute früh andauerten, auch zehn Terroristen ums Leben. Inzwischen hat die pakistanische Armee gemeldet, den Flughafen vollständig unter ihre Kontrolle gebracht zu haben. Alle Flüge, die am Tatort-Terminal starten oder landen sollten, werden auf andere Terminals umgeleitet.

Talibansprecher Shahidullah Shahid bezeichnete den Überfall als Reaktion auf Bombardements paschtunischer Ortschaften, die den Terroristen Unterschlupf gewähren. Das Terminal, dass sich die Taliban für ihren Angriff ausgesucht hatte, wird ausschließlich für Frachttransporte und für VIP-Flüge genutzt. Ob es die Dschihadisten - unter denen sich auch Ausländer befunden haben sollen - auf eine bestimmte bekannte Persönlichkeit abgesehen hatten, ist bislang noch nicht bekannt.

Augenzeugenberichten entstiegen die zehn Angreifer gegen 23 Uhr Ortszeit in zwei Gruppen zu jeweils fünf Mann einem Kleinbus, der den Ort des Geschehens vor dem Angriff wieder verließ. Wie sie auf das Terminal gelangten, dazu gibt es unterschiedliche Angaben: Manche Medien sprechen von gefälschten Ausweisen, andere von Werkzeug, mit denen sie Absperrungen überwanden. Im Terminal angekommen schossen sie auf die Sicherheitskräfte und warfen Handgranaten.

Angeblich trugen die Terroristen Sprengstoffgürtel. Sieben Terroristen konnten erschossen werden, bevor ihre Ladung zündete. Drei Sprengstoffgürtel explodierten. Weil die Dschihadisten auch Nahrungsmittelvorräte bei sich trugen, wird vermutet, dass sie es auf eine Geiselnahme und eine längere Besetzung des Flughafens abgesehen hatten. Dem Ministerpräsidenten der Provinz Sindh zufolge hatten sie auch vor, Flugzeuge in die Luft zu sprengen.

Ebenfalls gestern verübten Unbekannte einen Anschläge auf Hotels in Taftan in der pakistanischen Provinz Belutschistan. Die Hotels beherbergten Schiiten, die eine Pilgerreise in den benachbarten Iran unternommen hatten. 23 von ihnen kamen durch Schüsse und Sprengkörper ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Bisher bekannte sich noch niemand zu dem Verbrechen - es wird jedoch davon ausgegangen, dass fanatische Sunniten die Verursacher sind. In Pakistan kommt es immer wieder zu Anschlägen auf Schiiten: Seit 2002 liegt die Zahl der Terroropfer aus dieser Gruppe jährlich zwei- oder dreistellig. Besonders beliebte Terrorziele sind Moscheen, Prozessionen, Basare, Intellektuelle und Ärzte. (Peter Mühlbauer)

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