Syrien: US-Außenminister Kerry fordert neues Engagement gegen die Regierung

Bemühungen, die FSA zu unterstützen, sollen verstärkt werden. Eine Umfrage zeigt, dass die Moral der FSA-Kämpfer deutlich von den militärischen Erfolgen al-Assads beeinträchtigt ist

Die Verbündeten mit der Mission "Regierungswechsel in Syrien" müssten sich künftig mehr engagieren, lässt der amerikanische Außenminister Kerry verstehen. Stimmt, was das US-Magazin Daily Beast von einem Treffen in Washington zwischen Kerry und der Führung der sogenannten Syrischen Oppositionskoalition berichtet, dann erwägt man in der US-Regierung einen neuen Schub für die umstrittenen Opposition unter der Führung von Ahmad Jarba, möglicherweise mit der Lieferung der gewünschten schultergestützten Flugabwehrwaffen.

Die "internationale Gemeinschaft" habe ein Jahr verschwendet, weil sie nicht effektiv zusammenarbeitete, um der Freien Syrischen Armee (FSA) zu helfen, wird Kerry von anonymen Teilnehmern des Treffens zitiert. Der Tenor ihrer Aussagen lässt darauf schließen, dass Kerry beabsichtigt, neue Bewegung in das alte Projekt zu bringen. Dabei werden alte Pläne erwähnt: In Washington gehe die Debatte über eine No-Fly-Zone über Teile Syrien weiter, heißt es.

Berichtet wird zudem, dass der Oberste Militärrat der FSA einen neuen Chef gewählt habe: Abdul-Ilah al-Bashir, dem es vor allem auf die Lieferung der Flugabwehrsystems ankäme, allerdings würde Kerry noch zögern. Was die Gefahr angeht, dass Waffen an die Dschihadisten der al-Qaida gelangen könnten, verweist Al-Bashir auf die Vertrauenswürdigkeit seiner FAS und macht zudem auf eine interessante Wendung im Propagandakrieg aufmerksam, die in den letzten Wochen mit mehr Nachdruck gestreut wird: Dass der syrische Präsident gemeinsame Sache mit ISIL machen würde.

In der gleichen Publikation wurde Tage zuvor ein Artikel von einem syrischen Oppositionellen veröffentlicht, der sich für die Einrichtung von "geschützten freien Zonen" in Syrien ausspricht und dazu plädiert, einen starken Partner in der Region ins Boot zu holen, nämlich Israel. Der Streit um die Golanhöhen sei weniger wichtig als die Absetzung des "brutalsten lebenden Dikators" heißt es dazu.

Demgegenüber spiegelt eine Umfrage zur Moral der Kämpfer der FAS, die aktuell in der Washington Post veröffentlicht eine Verfassung wieder, die deutlich näher am Boden der syrischen Realität orientiert ist. Sie zeigt, dass die Erfolge der syrischen Armee Spuren bei den FAS-Kämpfern hinterlassen haben. Über die Hälfte antwortete auf die Frage, warum sie den Kampf aufgegeben haben, damit, dass er aussichtslos sei, nicht zu gewinnen.

Die nächstfolgenden Begründungen verweisen auf mangelnden Truppengeist und auf das Gefühl, dass man sich auf andere Weise als mit Kämpfen um die Familie kümmern sollte. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, interviewt wurden 250 FAS-Kämpfer, aber sie gibt Einblick in die gedrückte Moral der FAS. (Thomas Pany)