"Survival of the Richest": Extremer Reichtum und extreme Armut nehmen zeitgleich zu

Bei den Ärmsten kommt nicht nur nichts an. Sie darben gerade wegen der Goldgräberstimmung bei Lebensmittel- und Energiekonzernen. Symbolbild: Leroy Skalstad auf Pixabay (Public Domain)

Oxfam-Bericht zerlegt Mär vom "Trickle-down-Effekt". Vermögenszuwächse gehen teils auf Anstieg von Energie- und Lebensmittelpreisen zurück. Weltweite Ungleichheit wohl auf Höchststand seit 1945.

Der "Trickle-down-Effekt" erweist sich in der Krise einmal mehr als Illusion: Statt, dass der Wohlstand der Reichsten durch Investitionen und Konsum nach unten durchsickert, haben erstmals seit 25 Jahren extremer Reichtum und extreme Armut gleichzeitig zugenommen.

Zu diesem Ergebnis kommt die internationale Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam in ihrem Bericht "Survival of the Richest", der an diesem Montag anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos veröffentlicht wurde. Das reichste Prozent der Weltbevölkerung kassiert demnach fast doppelt so viel wie der Rest der Welt zusammen.

Weltweit jeder zehnte Mensch von Hunger betroffen

Während Lebensmittel und Energie für viele Millionen Menschen kaum noch bezahlbar sind, kann sich die Milliardärskaste über hohe Vermögenszuwächse freuen. Seit 2020 flossen laut Oxfam 63 Prozent der gesamten Vermögenszuwächse in Höhe von 42 Milliarden US-Dollar an das reichste Prozent der Weltbevölkerung, während 99 Prozent sich den Rest "teilen", wenn auch wiederum nicht gerecht.

In Deutschland haben Superreiche demnach besonders abgesahnt: Vom gesamten Vermögenszuwachs, der zwischen 2020 und 2021 in der Bundesrepublik erwirtschaftet wurde, gingen 81 Prozent an das reichste Prozent.

Rund 1,7 Milliarden Lohnabhängige leben in Ländern, in denen die Lebenshaltungskosten schneller steigen als die Löhne.

Etwa jeder zehnte Mensch auf der Erde hungert – insgesamt sind rund 828 Millionen Menschen von Hunger betroffen. "Frauen und Mädchen machen fast 60 Prozent der hungernden Weltbevölkerung aus", betont Oxfam. Nach Angaben der Weltbank sei dies die wohl größte Zunahme der weltweiten Ungleichheit und Armut seit dem Zweiten Weltkrieg.

Die Vermögenszuwächse der Superreichen im vergangenen Jahr sind auch durch den sprunghaften Anstieg der Gewinne im Lebensmittel- und Energiebereich entstanden. In dem Bericht wird aufgezeigt, dass 95 Lebensmittel- und Energiekonzerne ihre Gewinne im Jahr 2022 mehr als verdoppelt haben. Sie erzielten 306 Milliarden US-Dollar an Übergewinnen und schütteten 257 Milliarden US-Dollar an Aktionärinnen und Aktionäre aus. Zugleich stammen weltweit nur noch vier Prozent der Steuereinnahmen aus Steuern auf Vermögen.

Oxfam schlägt Konsequenzen vor

Zugleich hätten viele Regierungen die Steuern auf Waren und Dienstleistungen – wie etwa Mehrwertsteuern – erhöht, was die Ärmsten unverhältnismäßig stark belaste, betont Oxfam und schlägt als Konsequenzen eine Übergewinnsteuer von mindestens 50 Prozent, eine Vermögenssteuer für die Reichsten sowie Investitionen in den Ausbau von Bildungs-, Gesundheits- und sozialen Sicherungssystemen und in die Stärkung von Frauenrechten vor. Auch in der Entwicklungszusammenarbeit müssten entsprechende Mittel erhöht werden. (Claudia Wangerin)

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