Studie: Vitamin-D kann Alterungsprozess verlangsamen
Vitamin D könnte sich positiv auf den Alterungsprozess auswirken
(Bild: Natalya Bardushka/Shutterstock.com)
Länger Leben mit Vitamin D? Eine neue Studie deutet darauf hin, dass das Vitamin die DNA schützen kann. Experten mahnen jedoch zur Vorsicht bei der Interpretation der Ergebnisse.
Menschen, die eine höhere Vitamin-D-Zufuhr haben, könnten einen mit dem Altern verbundenen biologischen Prozess verlangsamen. Das zeigt eine neue Studie, die am 21. Mai in der Fachzeitschrift American Journal of Clinical Nutrition erschienen ist.
Untersuchung der Telomere
In der neuen Analyse untersuchten Forscher des Brigham and Women's Hospital, der Harvard Medical School und anderer Universitäten die sogenannten Telomere – das sind einfach erklärt schützende Kappen aus DNA-Code an den Enden der Chromosomen, die dazu neigen, mit zunehmendem Alter zu schrumpfen.
Dabei handelt es sich dabei um eine Art biologische "Uhr". Kürzere Telomere wurden mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Krankheiten in Verbindung gebracht. Vitamin-D-Präparate könnten diesen Schrumpfungsprozess jedoch verlangsamen, wie die Forscher herausfanden. Während frühere Studien bereits einen Zusammenhang zwischen Vitamin D und der Telomerlänge gezeigt haben, waren die meisten davon beobachtend.
Die neue Studie ist randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert, was den Ergebnissen mehr Glaubwürdigkeit verleiht. "Wir halten diese Ergebnisse für vielversprechend und sind der Meinung, dass weitere Untersuchungen gerechtfertigt sind. Aber wir denken, dass die Replikation wichtig sein wird, bevor die allgemeinen Richtlinien für die Vitamin-D-Aufnahme geändert werden", sagte JoAnn Manson, Mitautorin der Studie und Leiterin der Abteilung für Präventivmedizin am Brigham and Women's Hospital in Boston.
Reduzierte Telomerverkürzung
Die Erkenntnisse sind Teil einer größeren Studie namens Vital, die Manson und andere Forscher des Brigham and Women's Hospital, einer Tochtergesellschaft der Harvard Medical School, seit fünf Jahren durchführen. An der Studie nehmen 25.871 Probanden in den USA teil – Frauen ab 55 Jahren und Männer ab 50 Jahren.
Sie erhalten täglich 2000 IE Vitamin D3 und 1 Gramm Omega-3-Fettsäuren, um deren Auswirkungen hauptsächlich auf die Prävention von Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu untersuchen. Die Telomer-Studie konzentrierte sich auf etwa 900 dieser Teilnehmer, größtenteils aus Boston, deren Telomerlänge in weißen Blutkörperchen zu Beginn sowie in den Jahren 2 und 4 bewertet wurde.
Die Forscher stellten fest, dass die Gruppe, die Vitamin-D-Präparate einnahm, im Vergleich zur Placebo-Gruppe über vier Jahre eine verringerte Telomerverkürzung aufwies. Die Supplementierung mit Omega-3-Fettsäuren hatte dagegen keinen offensichtlichen Einfluss auf die Telomerlänge.
Wie Telomere mit dem Altern zusammenhängen könnten
Bei jeder Zellteilung stellen die Telomere sicher, dass die Chromosomen der Zelle nicht miteinander verschmelzen oder sich neu anordnen. Mit jeder Replikation werden die Telomere ein wenig kürzer. Dieser Prozess wird mit dem Altern sowie einem erhöhten Risiko für Infektionen, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht.
Die Forscher vermuten, dass der Nutzen der Vitamin-D-Supplementierung mit der Eindämmung von Entzündungen zusammenhängt, so Manson. Entzündungen wurden sowohl mit Autoimmunerkrankungen als auch mit Krebs in Verbindung gebracht.
Gesunde Ernährung und Lebensstil sind entscheidend
Auch wenn Vitamin D Vorteile haben mag, betonte Manson, dass es kein Allheilmittel ist. Es gibt viele chronische Krankheiten, die durch eine Vitamin-D-Supplementierung offenbar nicht reduziert werden.
"Nahrungsergänzungsmittel werden niemals ein Ersatz für eine gesunde Ernährung und einen gesunden Lebensstil sein, und wir haben immer wieder deutlich gemacht, dass der Schwerpunkt auf der Ernährung und dem Lebensstil und nicht auf der Supplementierung liegen sollte", sagte sie.
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"Eine gezielte Supplementierung für Menschen mit höheren Entzündungswerten oder einem höheren Risiko für chronische, eindeutig mit Entzündungen zusammenhängende Erkrankungen könnte jedoch von einer gezielten Vitamin-D-Supplementierung profitieren." Diese sollte jedoch grundsätzlich in Rücksprache mit einem Arzt erfolgen.
Hinzu kommt: Nicht alle Studien waren in Bezug auf die Erhaltung der Telomere so vielversprechend. In einer 2023 im Journal of Nutrition, Health and Aging veröffentlichten Studie kamen Forscher beispielsweise zu dem Schluss, dass "die routinemäßige Supplementierung älterer Erwachsener, die weitgehend mit Vitamin D versorgt sind, mit monatlichen Dosen von Vitamin D wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Telomerlänge hat."
Ein weiteres Problem ist die relativ kleine untersuchte Personengruppe der aktuellen Studie, zudem sind lediglich die Telomere in weißen Blutkörperchen untersucht worden und deren konkrete Auswirkungen auf den Alterungsprozess sind noch nicht vollständig erfasst, merkte ein Arzt gegenüber der Harvard Gazette an.
Trotz der erfreulichen Ergebnisse Bedarf es also noch weiterer Forschung auf dem Gebiet für klarere Ableitungen.
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