Spoofed

CNN-Fake vom Netz genommen

Ein CNN-Fake wurde letzten Donnerstag vom Netz genommen, nachdem Millionen auf Storys der Spoof-Site hereingefallen waren.

Die URLs sahen etwa so aus:

http://www.cnn.com@66.111.43.11/reports/2003/world70194/4448369.html

Da in der URL alles, was dem @ vorausgeht, generell ignoriert wird und umgekehrt viele Leser oft alles bis auf die ersten Buchstaben ignorieren, lief dieser einfache Fake gut und die per E-Mail verschickten falschen Nachrichten fanden schnell Eingang in lokale Zeitungen sowie Funk und Fernsehen. Es waren aber auch interessante Dinge, die der gefakete Nachrichtengenerator zu berichten wusste, beispielsweise, dass die superreichen Olson Zwillinge sich an der Universität von Miami eingeschrieben hätten. Die Webseite der Universität stellte den Irrtum richtig, der Leiter soll nur gesagt haben: Besser als die Kinder von Ozzy Osbourne (vgl. Verdammt bestialische Ozzynormalität). Dann war da die Meldung, dass Britney Spears sich bei der Tufts eingeschrieben habe. Auch diese Universität stellte Dementis online. Die Nachricht, dass der Musiker Dave Matthews an einer Überdosis gestorben sei. Der Musiker warnte auf der Webseite seiner Band vor kursierenden Hoaxes, ohne diesen einen - vielleicht aus Aberglauben? - konkret zu erwähnen. Und Breaking News: MTV-Frau Trishelle Goodwin habe sich umgebracht.

Auf den großzügig mit Rechtschreibfehlern gewürzten Schabernack folgte ein wegen Copyrightverletzungen mit rechtlichen Schritten drohender Brief von CNN, auch die Polizei wandte sich an die Betreiber der Webseite, nachdem sich mehrere Eltern beschwert hatten. Aufgrund der Themenwahl lag es nahe, die Betreiber eher unter den Minderjährigen zu suchen; tatsächlich waren es zwei 16jährige, die eine Art Maske gebastelt hatten: In ein Formular konnten Besucher Überschrift und Text eingeben, nach einem Klick generierte die Seite ein täuschend echtes CNN Faksimile, in welchem neben Logos, Links und Bannerwerbung die von ihnen verfasste Geschichte stand.

Ein schönes Spiel für Streiche unter Freunden, das wie Wired berichtet, schon seit vier Monaten vor sich hin plätscherte, bis ein Schneeballeffekt den kleinen Kreis vor einer Woche sprengte und die Seite auf zwei Millionen Klicks am Tag kam, eine Zahl, von der beispielsweise Telepolis noch etwas entfernt ist. Zehntausende von Storys gab es plötzlich, u.a. wurden Jennifer Lopez, die Rapper Jay-Z und 50Cent totgeschrieben, Verschiedene Schulleiter wurden der Kinderpornographie bezichtigt, Drohungen, sexuelle Belästigungen fanden sich in den Artikeln...

Es mag technische Unkenntnis sein, dass gefälschte Nachrichten aus dem Internet so schnell und kritiklos aufgenommen und verbreitet werden, obwohl man eigentlich wissen sollte, dass sich jeder eine Webseite basteln und irgendwas behaupten kann. The Web lied, heißt es danach gerne, so wie bei der immer wieder auftauchenden Meldung, dass blonde Menschen wegen eines rezessiven Gens in 200 Jahren ausgestorben sein werden (vgl.Unsere liebe Frau von der Guten Hoffnung und der Arsch der Journalistin). (Michaela Simon)