So will China Europas Markt fĂŒr Elektroautos aufmischen
(Bild: VanderWolf Images / Shutterstock.com )
Chinesische E-Auto-Hersteller wollen in Europa durchstarten. Mit smarten Strategien greifen sie Platzhirsche an. Droht etablierten Marken das Aus?
Nachdem europĂ€ische Automobilhersteller jahrzehntelang den chinesischen Markt dominiert haben, dreht sich nun der SpieĂ um: Chinesische Elektroautohersteller wie BYD, Chery und Great Wall Motor (GWM) wollen in den nĂ€chsten fĂŒnf Jahren rund 20 neue Modelle in Europa auf den Markt bringen und könnten damit traditionelle Hersteller erheblich unter Druck setzen. Das berichtet Reuters unter Berufung auf mehr als zehn Brancheninsider.
Wie chinesische Hersteller Kunden gewinnen wollen
Demnach haben die Chinesen den europÀischen Markt genau studiert und bereiten sich strategisch auf die Expansion vor. Sie rekrutieren Branchenveteranen, wÀhlen HÀndler mit lokalen Kenntnissen aus und investieren massiv in Vertrieb und Marketing. BYD und Chery planen sogar eine eigene Autoproduktion in Europa.
Um in Europa FuĂ zu fassen, setzen die chinesischen Hersteller auf eine Vielzahl von Taktiken: Sie sponsern GroĂereignisse wie die FuĂball-EM 2024 [1], um ihre Markenbekanntheit zu steigern, bauen ihr HĂ€ndlernetz aus und stĂ€rken Service und WerkstĂ€tten.
Letzteres ist wichtig, um den Wiederverkaufswert zu sichern â ein zentrales Kriterium fĂŒr FlottenkĂ€ufer. Leasingfirmen verlangen etwa niedrigere Monatsraten fĂŒr Autos, wenn diese einen hohen Wiederverkaufswert haben. Denn dann sind die Elektroautos [2] am Ende der Leasingdauer mehr wert, wenn die Nutzer sie kaufen oder an die Leasinggesellschaft zurĂŒckgeben.
Bislang sind die Verkaufszahlen der Chinesen in Europa noch ĂŒberschaubar, was darauf zurĂŒckgefĂŒhrt wird, dass ihre Marken kaum bekannt sind. Doch das Ă€ndert sich rasant: BYD etwa konnte seinen Absatz im Jahr 2023 verdreifachen und bietet bereits sechs E-Modelle in 20 europĂ€ischen LĂ€ndern an. Great Wall will jedes Jahr ein neues Modell auf den Markt bringen, Chery plant bis 2025 acht SUV-Modelle unter zwei neuen Marken.
Chinesische Hersteller punkten mit Preis und Ausstattung
Chinesische Anbieter haben Kostenvorteile. Im Bereich der ElektromobilitĂ€t sind sie technologisch fĂŒhrend, nutzen neue Technologien und innovative Prozesse [3]. Nicht zuletzt dank staatlicher Förderung können sie aber auch wirtschaftliche Tiefs ĂŒberstehen.
Der Erfolg hat aber auch zum Aufbau von ĂberkapazitĂ€ten [4] gefĂŒhrt. WĂ€hrend der chinesische Binnenmarkt in einigen Jahren gröĂere Mengen an Elektroautos aufnehmen dĂŒrfte, fĂŒhren die ĂberkapazitĂ€ten derzeit zu Margenverfall und Exportdruck.
Obwohl die Produktionskosten in China deutlich niedriger sind als in Europa, liegen die chinesischen Hersteller mit ihren Preisen in Europa nur knapp unter denen der traditionellen Autokonzerne. BYD kann in Europa zu einem etwa doppelt so hohen Preis verkaufen [5] wie in China. Mit diesen Zusatzgewinnen stĂŒtzen sie nicht nur ihr GeschĂ€ft, sondern können auch die von der EU-Kommission geplanten Zölle leichter verkraften.
Auf den wirtschaftlichen Skaleneffekten ruhen sich die Chinesen allerdings nicht aus. Um Kunden in Europa zu gewinnen, bieten sie ihre Fahrzeuge etwa mit hochwertigen Serienausstattungen wie Sitzheizung oder 360-Grad-Kameras an.
Um die europĂ€ischen KĂ€ufer zu ĂŒberzeugen, achten die Chinesen auch auf Details: Sie verbessern die Sicherheitswerte, stĂ€rken Service und WerkstĂ€tten und erhöhen den Wiederverkaufswert. "FĂŒr EuropĂ€er ist nicht nur der Preis entscheidend, sondern die Gesamtbetriebskosten", erklĂ€rt Bo Yu vom Marktforschungsunternehmen JATO Dynamics gegenĂŒber Reuters [6].
Die etablierten Hersteller haben erkannt, dass der Druck auf sie wĂ€chst. "Das Zeitfenster schlieĂt sich. Wir haben zwei, drei Jahre Zeit", warnt VW-Vorstand Thomas Schmall laut Reuters. Höhere EU-Zölle auf chinesische Autos, wie in den USA beschlossen, helfen nach Ansicht von Branchenexperten nur bedingt. Die EuropĂ€er mĂŒssten selbst konkurrenzfĂ€hige E-Autos entwickeln â und zwar schnell.
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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.byd.com/de/uefa-euro-2024
[2] https://www.telepolis.de/thema/Elektromobilit%C3%A4t
[3] https://www.telepolis.de/features/Schnell-schneller-China-Wie-BYD-Nio-Co-den-Automarkt-aufmischen-9645245.html
[4] https://www.telepolis.de/features/Chinas-Elektroauto-Industrie-stoesst-auf-Widerstand-im-Westen-9717631.html
[5] https://www.reuters.com/business/autos-transportation/china-gears-up-make-deal-with-europe-ev-tariffs-loom-2024-05-29/
[6] https://www.reuters.com/business/autos-transportation/how-chinas-ev-makers-aim-beat-tesla-legacy-automakers-europe-2024-05-30/
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