Seltene Erden: Chinas Exportkontrollen bringen globale Lieferketten ins Stocken
Deutsche Autobauer warnen vor einer bedrohlichen Verknappung seltener Erden
(Bild: UladzimirZuyeu/Shutterstock.com)
Exportkontrollen für seltene Erden treffen die Industrie hart. Erste Autobauer in Europa müssen ihre Produktion drosseln. Die Zeit drängt, denn die Lager sind fast leer.
Chinas Exportbeschränkungen für seltene Erden zwingen europäische Unternehmen zur Produktionseinstellung. Die am 4. April angekündigten Maßnahmen wurden als Vergeltung für die "reziproken Zölle" von US-Präsident Donald Trump gesehen, treffen nun aber auch die europäische Industrie, wie die South China Morning Post berichtet.
Tausende Anträge überfordern Beijings Behörden
Die EU-Handelskammer in China hat mehrere Treffen mit dem chinesischen Handelsministerium abgehalten, sagte ihr Generalsekretär Adam Dunnett gegenüber der Zeitung. Er spüre, dass Beijing mit den Anträgen für den Export der für Hightech-Produkte wie Smartphones und Elektrofahrzeuge wichtigen Mineralien überfordert sei.
"Tausende von Anträgen müssen geprüft werden, aber die Ressourcen des Ministeriums sind begrenzt. In der letzten Woche gab es vereinzelte Genehmigungen, aber einige Unternehmen haben Dutzende von Anträgen gestellt [...] manche mussten die Produktion einstellen", so Dunnett.
Seltene Erden bestehen aus 17 Elementen. Am 4. April setzte Beijing sieben davon – Dysprosium, Gadolinium, Lutetium, Samarium, Scandium, Terbium und Yttrium – sowie mehrere Seltenerdmagnete auf die Exportkontrollliste.
Unternehmen benötigen für den Export eine Lizenz, doch der Prozess zur Erlangung einer solchen kann laut Dunnett aufdringlich sein. "Einige Antragsteller werden nach sensiblen Informationen gefragt, die ihr geistiges Eigentum gefährden könnten. Sie zögern, diese preiszugeben, müssen es aber tun, wenn sie eine Genehmigung erhalten wollen", so Dunnett weiter.
Die Kammer hat in den letzten Tagen "Notfalltreffen" mit den chinesischen Behörden abgehalten, nachdem die Besorgnis in der gesamten europäischen Industrie groß war. "Ich habe seit langem nichts mehr in dieser Größenordnung gesehen", sagte Dunnett über die Sorge der EU-Unternehmen.
Produktionsverzögerungen und -ausfälle drohen
Deutschlands größter Autolobbyverband warnte am Dienstag, dass die Beschränkungen Produktionsverzögerungen und -ausfälle verursachen könnten. "Obwohl inzwischen einige Lizenzen erteilt wurden, reicht dies derzeit nicht aus, um eine reibungslose Produktion zu gewährleisten", sagte Hildegard Müller, Chefin des Verbandes der Automobilindustrie, gegenüber Reuters.
"Wenn sich die Situation nicht schnell ändert, sind Produktionsverzögerungen und sogar Produktionsausfälle nicht mehr auszuschließen", so Müller. Die USA haben Beijing beschuldigt, bei einer Vereinbarung zur Aufhebung der Beschränkungen auf Zeit zu spielen.
Die Vereinbarung wurde bei Krisengesprächen in Genf im vergangenen Monat getroffen. Medienberichten zufolge zögerte China, die Lizenzierungspflicht aufzuheben, nachdem die Trump-Regierung eine globale Warnung herausgegeben hatte, dass jede Verwendung von KI-Chips von Huawei strafrechtliche Sanktionen nach US-Exportkontrollgesetzen nach sich ziehen könnte.
Beijing war zudem verärgert über die Ankündigung der USA, mit dem Entzug von Visa für chinesische Studenten im Land zu beginnen.
Die EU hat in den letzten Wochen mehrere Demarchen an das chinesische Handelsministerium gerichtet. Das Thema soll auch bei einem Treffen der jeweiligen Handelsminister am Dienstag in Paris besprochen worden sein.
"Dies ist eine äußerst dringende und kritische Zeit für die Automobil- und Elektronikindustrie", sagte Adam Dunnett von der Europäischen Handelskammer in China gegenüber Reuters. Einige Firmen könnten die Produktion noch diese Woche einstellen.
China kontrolliert über 90 Prozent der weltweiten Verarbeitungskapazitäten für die in Autos, Kampfjets und Haushaltsgeräten verwendeten Magnete. Es gibt kaum Alternativen außerhalb Chinas.