Schweden: Keine Covid-Impfung mehr für gesunde Kinder und Jugendliche

Corona bei Kindern und Jugendlichen in Schweden

In einer (inzwischen älteren) Untersuchung in Schweden hatten mehr als 95 Prozent der 12-19-Jährigen Antikörper. Auch 72 Prozent der unter 12-Jährigen hatten Antikörper, obwohl in dieser Gruppe nur wenige geimpft sind. Ein großer Teil dieser Kinder und Jugendlichen war also bereits schon einmal infiziert.

Bekannte mögliche Folgen einer Covid-Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen sind Long Covid/Post Covid und das Multientzündungssymptom MIS-C. Rund 1500 Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre haben laut Statistik der Sozialbehörde eine Post-Covid-Diagnose erhalten – die Dunkelziffer kann natürlich höher sein.

Zum Thema MIS-C gab es eine große Studie in Schweden anhand vorliegender Daten vom 1. März 2020 bis 8. Dezember 2021. Von den mehr als zwei Millionen Kindern bekamen 253 in dieser Zeit MIS-C. Ziel der Studie war unter anderem, herauszufinden, für welche Risikogruppen eine Impfung empfehlenswert ist.

Impfen bleibt auch in Schweden weiter die vorherrschende Strategie

Für die schwedische Gesundheitsbehörde war die Impfung der Ausweg aus der Covid-19-Pandemie wie für andere auch. Vergleichsweise schnell reagierte man allerdings auf gemeldete Nebenwirkungen beim Impfstoff von Astra Zeneca und später bei Moderna, die vor allem bestimmte Altersgruppen betrafen – bei diesen Gruppen wurden diese Impfstoffe dann nicht mehr angewendet.

Eine Impfpflicht wurde aber nie diskutiert. Der schwedische Impfnachweis als Eintrittsbedingung für größere Veranstaltungen war kurzlebig. Man benötigte ihn hauptsächlich für Auslandsreisen.

Für Ältere ab 65 und Risikogruppen wird nun zum Herbst die Auffrischungsimpfung empfohlen, in der Praxis die 4. oder sogar 5. Dosis. In der Altersgruppe ab 65 Jahren haben bereits 77 Prozent vier Dosen erhalten.

Das einzige Corona-Thema, das jüngst ein bisschen größer öffentlich diskutiert wurde, war die Frage, ob die Behörde ihre jüngste Impfempfehlung nicht etwas schwammig formuliert hat. Denn neben der eindeutigen Aufforderung für die ab 65, sich nun ihre nächste Auffrischungsdosis abzuholen, gibt es auch einen Passus für Altersgruppen darunter. Diese 18- bis 65-Jährigen können sich nun ebenfalls erneut impfen lassen, auch wenn sie keiner konkret definierten Risikogruppe angehören.

"Ich verstehe nicht, warum man die Auffrischungsimpfung nicht für alle empfiehlt", so der Impfkoordinator Richard Bergström. Damit trage die Behörde zum sinkenden Impfwillen bei.

Die Coronasituation in Schweden ist seit Monaten relativ stabil mit kleineren Veränderungen auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Die Belegung der Intensivstationen aufgrund/mit einer Coronainfektion pendelt zwischen 10 und 25 Personen insgesamt landesweit.

Abgesehen von der Aufforderung zur Auffrischungsimpfung gibt es keine weiteren Maßnahmen zum Herbst. Es gilt weiterhin die Empfehlung, mit Erkältungssymptomen zu Hause zu bleiben und sich auszukurieren. Ungeimpfte Erwachsene sollen Menschenansammlungen meiden. Leute mit Masken sieht man äußerst selten. In der öffentlichen Diskussion gibt es aktuell heißere Themen: die Regierungsbildung, die Löcher in den Nord-Stream-Pipelines und den Krieg in der Ukraine. (Andrea Seliger)