Satt essen und abnehmen – wie geht das?

Fazit und Schlussfolgerungen

Somit lässt sich nach dem Münchener Konzept folgendes Fazit für die individuelle Ernährungsumstellung bei Adipositas ziehen: Übergewichtige bzw. Adipöse müssen neu lernen, mit dem Überangebot an Nahrung besser umzugehen. Sie müssen lernen, sich satt zu essen, in der Regel mit drei Mahlzeiten mit einer ausreichenden Menge (ca. 1.100 g pro Tag) einer energiereduzierten Mischkost, wobei jedoch pro Mahlzeit 1,5 kcal/g nicht überschritten werden sollte.

Mit diesen Maßnahmen wird in der Regel ein Energiedefizit/Tag erreicht, das, wenn es aufrechterhalten wird, zu einer Gewichtsreduktion von bis fünf bis zehn kg pro Jahr führen kann.

Wie oben dargestellt, sind mittlerweile etwa zwei Drittel der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland übergewichtig oder adipös und etwa ein Viertel ist fettleibig. Bei 10 bis 15 Millionen Menschen über 18 Jahren besteht im Prinzip eine Therapieindikation (BMI gleich/über 30 bzw. BMI 25-29,9 kg/m2 plus Folgeerkrankungen).

Von der Mehrheit der Betroffenen wird derzeit jedoch ein Behandlungsangebot weder gewollt noch wahrgenommen. Das mangelhafte Problembewusstsein ist die entscheidende Ursache für diese bedauerliche Situation, für die schlechte Compliance bei der Behandlung der Adipositas und für die enttäuschenden langfristigen Ergebnisse in vielen wissenschaftlichen Studien.

Volker Schusdziarra hatte immer wieder darauf hingewiesen, dass eine breite und ernsthafte Debatte über das Problem der Adipositas in unserer Gesellschaft notwendig ist, bei der auch geklärt werden könnte, welche verhältnispräventiven Maßnahmen zusätzlich geeignet sein könnten und von der Mehrheit der Bevölkerung gewünscht werden, um an dieser Situation etwas zu ändern.

Für verhältnispräventive Maßnahmen gegen die Adipositas, z. B. für eine Kennzeichnung der Nahrungsmittel nach dem Ampelprinzip, ist jedoch die Politik verantwortlich, wobei die Anerkennung der Adipositas als chronische Krankheit der erste wichtige Schritt wäre.15 Die Umsetzung dieser oder anderer Vorschläge stößt jedoch in unserer Gesellschaft an eine Grenze, die schon 2003 in der Zeitschrift Science auf ironische Weise folgendermaßen auf den Punkt gebracht wurde16:

Gewichtsanstieg ist gut für das Geschäft. Lebensmittel sind ein besonders gutes Geschäft, weil jeder isst. Es fällt in der Tat schwer, an große Wirtschaftszweige zu denken, für die es ein Vorteil wäre, wenn die Menschen weniger essen würden, sicherlich nicht an die Agrarindustrie, die Lebensmittelindustrie, Großhandelsketten, Restaurants, Hersteller von Diätprodukten oder die Pharmaindustrie. Allen geht es gut, wenn die Menschen mehr essen und alle beschäftigen Armeen von Lobbyisten, um die Regierung davon abzuhalten, irgendetwas zu unternehmen, was die Menschen hindert, zu viel zu essen.

Klaus-Dieter Kolenda, Prof. Dr. med., Facharzt für Innere Medizin – Gastroenterologie, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin/Sozialmedizin, war von 1985 bis 2006 Chefarzt einer Rehabilitationsklinik für Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, der Atemwege, des Stoffwechsels und der Bewegungsorgane. Seit 1978 ist er als medizinischer Sachverständiger bei der Sozialgerichtsbarkeit in Schleswig-Holstein tätig. Zudem arbeitet er in der Kieler Gruppe der IPPNW e.V. (Internationale Ärztinnen und Ärzte für die Verhinderung des Atomkriegs und für soziale Verantwortung) mit. E-Mail: klaus-dieter.kolenda@gmx.de

(Klaus-Dieter Kolenda)

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