Sachbücher des Monats: November 2009

Die Top Ten unter den Sachbüchern nebst einer persönlichen Empfehlung, jeden Monat neu, präsentiert von Süddeutsche Zeitung / Buchjournal / Börsenblatt / Norddeutscher Rundfunk / Telepolis.

Heinrich August Winkler

Geschichte des Westens

Von den Anfängen in der Antike bis zum 20. Jahrhundert.

Heinrich August Winklerverknüpft die lebendige historische Erzählung für die großen Entwicklungslinien der westlichen Welt. Sein Buch ist keine ermüdende Aufzählung von Haupt- und Staatsaktionen, sondern eine historische Selbstvergewisserung des Westens, seiner Werte und Ideale. Für sie darf, ja muss der Westen auch im 21. Jahrhundert werben. Glaubhaft kann er das aber nur tun, wenn er sich auch den dunklen Seiten seiner Geschichte stellt.

C.H. Beck Verlag, 1343 Seiten, EUR 38,00

Charles Taylor

Ein säkulares Zeitalter

Mit einem Fokus auf dem "lateinischen Christentum", dem vorherrschenden Glauben in Europa, rekonstruiert Charles Taylor die entscheidenden Entwicklungslinien in den Naturwissenschaften, der Philosophie, der Staats- und Rechtstheorie und in den Künsten. Dem berühmten Diktum von der wissenschaftlich-technischen "Entzauberung der Welt" und anderen eingeschliffenen Säkularisierungstheorien setzt er die These entgegen, daß es die Religion selbst war, die das Säkulare hervorgebracht hat, und entfaltet eine komplexe Mentalitätsgeschichte des modernen Subjekts, das heute im Niemandsland zwischen Glauben und Atheismus gefangen ist.Übersetzt von Joachim Schulte

Suhrkamp Verlag, 1297 Seiten, EUR 68,00

Ulrich Raulff

Kreis ohne Meister

Stefan Georges Nachleben

"Auch Totsein ist eine Kunst", hat der einstige George-Jünger Max Kommerell einmal bemerkt. Stefan George hat diese Kunst meisterhaft beherrscht. Wo andere Dichter eine Rezeptionsgeschichte haben, da hat er ein Nachleben. Eines, das es in sich hat. Ulrich Raulff legt in seinem Buch die postume Biographie Georges frei, die es noch zu entdecken gilt.

C.H. Beck Verlag, 544 Seiten, EUR 29,90

Raffael Scheck

Hitlers afrikanische Opfer

Die Massaker der Wehrmacht an schwarzen französischen Soldaten

Raffael Schecks Buch belegt erstmals detailliert, dass die Wehrmacht im Mai und Juni 1940 Massaker an schwarzen Soldaten und Kriegsgefangenen verübte, die in der französischen Armee gekämpft hatten, und zeigt auf, wie weit die Nazifizierung der Truppe bereits zu diesem Zeitpunkt fortgeschritten war. Mehrere Tausend schwarze Gefangene wurden während des Feldzugs ermordet und eine unbestimmte Zahl von Schwarzen wurde erschossen, ohne Gelegenheit zu bekommen, sich zu ergeben.Übersetzt von Georg F. Harsch

Assoziation A, 200 Seiten, EUR 20,00

Dieter Richter

Der Süden

Geschichte einer Himmelsrichtung

Für die antiken Völker führte der Weg nach Süden ins Unbekannte. Selbst wagemutige Seefahrer gaben ihre Reisepläne immer wieder auf, weil ihnen das Meer unendlich schien. Für die Römer war der Süden eine Gegend lebensfeindlicher Extreme: Die Glut der Sonne versenge die Menschen und lasse sie fast wie verkohlt aussehen. Der Süden kann eiskalt sein (am Südpol), dann wieder sehr exotisch, und zuweilen ist er eine dekadente Region der Lüste und Laster: Dieter Richter eröffnet eine Fülle höchst ungewöhnlicher Perspektiven. Aber

Verlag Klaus Wagenbach, 208 Seiten, EUR 24,90

Reinhard Mehring

Carl Schmitt

Aufstieg und Fall

Reinhard Mehring legt die grundlegende Biographie Carl Schmitts vor, der bis heute neben Martin Heidegger und Max Weber der weltweit am meisten rezipierte deutsche Denker des 20. Jahrhunderts ist. Ein Buch über eine geradezu Shakespeare'sche Gestalt im Zentrum der deutschen Katastrophe.

C.H. Beck Verlag, 750 Seiten, EUR 29,90

Richard J. Evans

Das Dritte Reich

Band 3 - Krieg

Neben dem Kriegsverlauf und dessen Auswirkungen auf die deutsche Gesellschaft stehen die Rassenpolitik und die Judenverfolgung im Mittelpunkt des dritten Bandes. Zwangsarbeit, Bevölkerungspolitik und die Endlösung werden von Evans erstmals zusammenhängend dargestellt. Abschließend analysiert Evans die Nachwirkungen der nationalsozialistischen Politik auf die deutsche Gesellschaft.Übersetzt von Udo Rennert und Martin Pfeiffer

Deutsche Verlagsanstalt, 1152 Seiten, EUR 49,95

Petra Kuhlmann-Hodick et.al. (Hg.)

Carl Gustav Carus - Natur und Idee

Katalog zur Ausstellung

Der Katalogband zeigt Carus' künstlerisches OEuvre von den Anfängen über Landschaftsmotive nach Reiseeindrücken und Naturstudien bis hin zu poetisch-romantischen Bildkompositionen. Dem gegenüber stehen seine biographischen, kunsttheoretischen, medizinischen und naturwissenschaftlichen Schriften, die in ihrer Gesamtheit erstmals so umfassend Betrachtung finden.

Deutscher Kunstverlag, 396 Seiten mit 366 farbigen und 8 schwarz-weiß-Abbildungen, EUR 35,00

Domenico Losurdo

Nietzsche, der aristokratische Rebell

Ein Buch, das endlich die falsche Polarisierung der Nietzsche-Forschung durchbricht. Losurdos Lesart widerspricht der vorherrschenden Rezeption, indem er Nietzsche als einen in erster Linie politischen Philosophen vorführt.Übersetzt von Erdmute Brielmayer

Argument Verlag, 2 Bände (Berliner Beiträge zur Kritischen Theorie Band 9 und 10) zusammen 1004 Seiten, EUR 98,00

Michael Tomasello

Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation

Menschen sprechen - im Gegensatz zu allen anderen bekannten Lebewesen auf diesem Planeten. Generationen von Wissenschaftlern haben sich an diesem bemerkenswerten Faktum abgearbeitet, Spekulationen über die Herkunft der menschlichen Sprache gibt es viele, aber bis heute keine überzeugende Erklärung. Mit Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation gelingt Michael Tomasello ein entscheidender Schritt zur Lösung dieses Rätsels.Übersetzt von Jürgen Schröder

Suhrkamp Verlag, 409 Seiten, EUR 39,80

Besondere Empfehlung des Monats November 2009 von Guido Kalberer:

Herausgegeben von Dieter Bachmann und den Schweizerischen Landesmuseen

Aufbruch in die Gegenwart

Die Schweiz in Fotografien 1840 - 1960

Mit literarischen Texten zur Schweiz von damals bis heute sowie einer kleinen Fotogeschichte von Peter Herzog

Limmat Verlag, 184 Seiten mit 106 Fotografien, EUR 31,80

Die Jury