Russische Trolle stören US-Geheimdienste
- Russische Trolle stören US-Geheimdienste
- "Trollarmee" propagiert "Gegennarrativ"
- Auf einer Seite lesen
Automatische Feeds und Trolle, die die Stimmung in Sozialen Netzwerken beeinflussen sollen, erschweren eine richtige Situationsanalyse, klagt man in der obersten Geheimdienstbehörde DNI
Hierzulande wurden die russischen Trolle, die durch Postings in Sozialen Netzwerken oder Foren die Stimmung gegenüber Russland oder bestimmten Themen wie dem Ukraine-Konflikt beeinflussen sollen, vorwiegend unter dem Propaganda diskutiert und kritisiert (Umkämpfte Meinungsfront im Internet, Deutsche Leserforen in der Hand von Putins Trollen?, "Putins Trolle" und der freie Fluss der Information). Die US-Geheimdienste - und wahrscheinlich nicht nur diese - haben auch ein Problem damit.
Die US-Geheimdienste beziehen ihre Informationen über die Lage der Dinge längst nicht mehr vornehmlich aus geheimen Quellen, von Spionen oder aus den Massenmedien, sie hacken bekanntlich auch munter und saugen sicherheitshalber möglichst alle Daten ab, an die sie herankommen. Aber sie nutzen auch die offen zugänglichen Informations- und Kommunikationsströme im Internet, um etwa aus den Kommentaren, die Menschen aus bestimmten Ländern in Foren oder Sozialen Netzwerken schreiben, frühzeitig politische Stimmungen und Trends feststellen zu können.
Dafür wurde der Begriff der Open Source Intelligence (OSINT) geprägt, die natürlich auch die traditionelle Medienbeobachtung und -analyse umfasst. Das Internet wurde allerdings zur Basis, wie es auch in einem Handbuch der Nato heißt: "The Internet is now the default C4I architecture for virtually the entire world." OSINT wurde auch deswegen begehrt, weil man auf geheime Quellen und gefährliche Missionen verzichten kann und neben dem Abhören der Kommunikation aus dem Geschnatter für Lageanalysen wertvolle Informationen destillieren kann. Das war und ist wenigstens die Hoffnung, wie sie auch im Nato-Handbuch formuliert wurde: "When applied in a systematic fashion, OSINT products can reduce the demands on classified intelligence collection resources by limiting requests for information only to those questions that cannot be answered by open sources." Nach 9/11 wurde auch beim DNI ein Open Source Center eingerichtet (Open Source Center).
Nun äußerten Mitarbeiter von US-Geheimdiensten die Sorge, dass bezahlte Trolle oder automatische Feeds die "Objektivität" der Informationen, die aus offenen Quellen stammen, untergraben könnten. Solche Mittel würden zunehmend "autokratische" Regierungen einsetzen. Problematisch würden Statistiken etwa über Likes, Retweets oder hervorgehobene Tweets sowie andere Daten, die analytisch aus Sozialen Netzwerken gewonnen werden. Man müsse vorsichtig bei der Erstellung von Lageberichten werden, das könne aber in Konfliktfällen gefährlich werden, wo es auf die Richtigkeit der Analyse ankommt.