"Run. Hide. Fight."

Alle Bilder aus dem Video Run.Hide:Fight

Die Stadt Houston informiert in einem Video darüber, wie man einen Amoklauf überleben kann

Seit dem Amoklauf in Aurora, Colorado, am 20. Juli ist erwartungsgemäß eine breite Debatte über die Gründe entbrannt, aber auch darüber, mit welchen Maßnahmen man weitere Taten dieser Art verhindern könne. Das Büro des Bürgermeisters für Öffentliche Sicherheit und Heimatschutz der Stadt Houston in Texas hat als Reaktion auf die Ereignisse in Aurora nun ein Ratgeber-Video mit Überlebensstrategien veröffentlicht, die man im Falle eines Amoklaufs zum Einsatz bringen sollte.

Das rund sechsminütge Video mit dem Titel Run.Hide.Fight. Surviving an Active Shooter Event inszeniert einen fiktiven Amoklauf in einem belebten Bürogebäude. Ästhetisch ist der Clip merklich an die Filmsprache des Hollywood-Kinos angelehnt und erinnert von der Machart her an einen typischen Kinotrailer amerikanischer Actionfilme. Die Szenen bestehen aus kurzen, schnellen Einstellungen und werden von einem Erzähler im Off kommentiert. Untermalt sind die Bilder mit einer an den visuellen Erzählstil angepassten Filmmusik, die auf die Dramatik der dargestellten Ereignisse abgestimmt ist.

Der Beginn des Videos kontrastiert Bilder eines schwarzgekleideten Mannes mit Rucksack und Sonnenbrille mit Szenen eines typischen Büroalltags. Der Erzähler kommentiert die Bilder mit den Worten: "Es mag den Anschein haben, als sei es ein typischer Tag im Büro, aber gelegentlich ähnelt das Leben mehr einem Actionfilm als der Realität."

Während der Mann sich dem Eingang des Bürogebäudes nähert, warnt der Erzähler davor, dass "manchmal böse Menschen böse Dinge tun", Texteinblendungen mit Informationen über vergangene Amokläufe unterstreichen seine Aussage. Nachdem der Amokschütze das Gebäude betreten hat, bemerkt der Erzähler: "Seien Sie auf das Schlimmste vorbereitet!"

Nachdem der Amokschütze in das Bürogebäude eingedrungen ist und mit einer Schrotflinte den Büroalltag in ein Schreckensszenario verwandelt hat, folgt der instruktive Teil des Clips: Es werden im Stile eines Actionfilmes drei verschiedene Szenarios durchgespielt, die Maßnahmen aufzeigen, mit denen man der Bedrohung durch einen Amokläufer am besten begegnen sollte: "Run. Hide. Fight."

Im Rahmen der offiziellen Ankündigung des Ratgeber-Videos durch das "Büro des Bürgermeisters für Öffentliche Sicherheit und Heimatschutz", das für die Produktion verantwortlich zeichnet, erläuterte dessen Leiter Dennis J. Storemski die Motivation für die Veröffentlichung des Videos: "Wir hoffen, dass unsere Bürger niemals mit solch einem Ereignis konfrontiert werden, aber wir möchten sie mit einigen wichtigen Informationen versorgen, fallt sie sich jemals in einer solchen Situation befinden sollten."

Auch wenn diese Intention nachvollziehbar ist, weist das Video jedoch durchaus auch fragwürdige Aspekte auf. So lässt sich einerseits sicherlich die Frage einwerfen, ob ein "Aufklärungsvideo" auf derart dramatische oder bisweilen reißerische narrative Stilmittel zurückgreifen muss. Das Hauptproblem des Videos ist aber zweifellos die durch den Erzähler und die Einblendungen erzeugte Suggestion, dass Amokläufe wie der in Aurora eine permanente Alltagsbedrohung darstellen. Aus dieser Perspektive betrachtet dürfte "Run.Hide.Fight" entgegen der eigentlichen Intention die Verunsicherung oder Verängstigung der Bürger nach dem Amoklauf von Aurora eher verstärken.

(Michael Walter)