Rock for Kim Jong-il

Nordkorea ruft die Rocker der Welt

No Sex, No Drugs, No Rock ’n’ Roll – das bestimmte bisher, zumindest offiziell, das Leben der nordkoreanischen Jugend. Doch das soll sich nun ändern. Im März des kommenden Jahres soll in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang ein Musikfestival veranstaltet werden unter dem Namen „Rock for Peace“, obwohl vermutlich „Rock for Kim Jong-il" besser, weil ehrlicher wäre.

Eingeladen dazu sind alle Rockgruppen dieser Welt, die allerdings die Reisekosten selber tragen müssen. Und die bei ihren Auftritten darauf achten müssen, dass ihre Liedtexte nicht gegen bestimmte Vorgaben verstoßen. Unerwünscht sind Texte, die sich positiv äußern über Sex, Gewalt, Drogen, den Krieg, den Kolonialismus, den Imperialismus, den Rassismus. Und natürlich darf in den Liedern weder Nordkorea oder gar der Sozialismus irgendwie kritisiert werden. Aber gegen Atombomben darf offenbar musikalisch demonstriert werden. Kurzum: No Sex, No Drugs, But Rock ’n’ Roll – eine völlig verrückte Idee!

Jean-Baptiste Kim. Foto: Voce of Korea

Veranstalter dieses Festivals, bei dem zum ersten Mal in Nordkorea westliche Pop- und Rockgruppen auftreten würden, sind die Betreiber der englischen Seite Voice of Korea - allen voran der in London lebende Jean-Baptiste Kim, ein Franzose, der in Südkorea geboren wurde. Schon seit längerem versucht der Journalist und ehemalige Korrespondent der nordkoreanischen Tagezeitung Rodong Sinmun mit der Netzseite „Voice of Korea“ und verschiedenen Aktionen das miserable Image Nordkoreas in Europa ein wenig aufzupolieren. Und dazu gehört eben auch eine solch spektakuläre Veranstaltung wie das geplante Rockfestival mit einer Musik, die bisher in Nordkorea als dekadent bezeichnet wurde.

Foto: Voce of Korea

Mit Dekadenz soll sich ja der selbsternannte Führer des Landes Kim Jong-il, der ein luxuriöses Leben führen soll, sowieso bestens auskennen. Aber Rockmusiker sind ja hart im Nehmen. Und so sollen sich nach Angaben von Jean-Baptiste Kim bereits 54 Gruppen aus 20 Ländern bei ihm gemeldet haben. Und klammheimlich hoffen die Veranstalter sogar auf Auftritte von Stars wie Eric Clapton oder Lynyrd Skynyrd. Nicht dabei sein wird bei dem viertägigen Musikspektakel allerdings der ziemlich verrockt frisierte Kim Jong-il - aus Sicherheitsgründen, wie es heißt. Er werde aber das Konzert am Fernseher verfolgen - vermutlich mit einer Flasche edlen französischen Rotweins. (Ernst Corinth)