Rekordverdächtig: 5.000 Lichtjahre entfernter Riesenplanet geht Planetenjägern ins Fangnetz

Neuer jupitergroßer Gasgiant ist 20-mal weiter entfernt als bislang fernster bekannter Exoplanet - Entdeckung gelang erstmals via Transit-Technik

Die Arbeitsphilosophie der "Planetenfischer" unserer Tage ist einfach. Je kleiner die Beute, die im Netz zappelt, desto besser und bedeutsamer der Fang. Bislang wurde aber noch kein erdähnlicher extrasolarer Planet aufgespürt. Trotzdem zappelte es unlängst abermalig im Netz. Erbeutet wurde zwar immer noch keine "zweite Erde". Dafür konnten die Planetenjäger einen neuen Rekord aufstellen. Mit verbesserter Transit-Technik lokalisierten sie einen jupitergroßen Sterntrabanten, der aus astronomischer Perspektive zwar erdnah, aus Perspektive der Planetenforscher jedoch aber weit, weit weg von der Erde ist.

Bild: David A. Aguilar, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics

Seit Oktober 1995 jagen Astronomen und Astrobiologen erfolgreich nach extrasolaren Sterntrabanten. Seitdem Michel Mayor und Didier Queloz vom Genfer Observatorium beim Stern 51 Pegasi b den ersten Planeten einer noch nicht erloschenen Sonne entdeckten, scheint die Suche nach fernen Welten außerhalb unseres Sonnensystems olympische Dimensionen angenommen zu haben.

Einmal in nur 29 Stunden um die Sonne

Momentan sieht es ganz danach aus, als ob sich Planet Hunting zu einer neuen olympischen Paradedisziplin entwickelt. Offenbar wird die Wissenschaftscrew, die den ersten erdähnlichen Exoplaneten entdeckt, die Goldmedaille erhalten, obwohl eigentlich noch niemand so recht weiß, wann und wo die Siegerehrung stattfinden wird, wenn sie denn überhaupt irgendwann und irgendwo stattfinden wird.

Wenngleich keine Medaille eingeheimst wird, so haben doch amerikanische Astronomen kürzlich zumindest einen neuen Rekord aufgestellt. Sie entdeckten den bisher von der Erde am weitesten entfernten extrasolaren Planeten. Mit einer Distanz von 5000 Lichtjahren zur Erde ist der Riesenplanet 20-mal weiter entfernt als der bislang fernste bekannte Planet.

Der Gasgigant mit der ungefähren Größe von Jupiter und annähernd der Dichte von Saturn umkreist seinen Heimatstern in nur 29 Stunden einmal -dies in einem Orbit, der in punkto Distanz dem von Merkur-Sonne ähnelt. Damit rückt der Gasgiant seinem Mutterstern 50-mal näher auf die Pelle, als die Erde der Sonne. Auf der Oberfläche des Gasriesen mit dem Namen OGLE-TR-56b, der im Sternbild Schütze (Sagittarius) zu Hause ist, herrschen Temperaturen von mehreren tausend Grad Celsius.

Optimierte Transit-Technik zukunftsträchtig

Detektiert und lokalisiert wurde der Sterntrabant mithilfe der vergleichsweise jungen Transit-Technik, die der Radialgeschwindigkeitsmethode, mit der bislang alle anderen extrasolaren Planeten aufgespürt wurden, so langsam den Rang abzulaufen scheint. "Wir stehen auf der Türschwelle zu einer neuen Forschungs- und Entdeckungsära", sagt Dimitar Sasselov vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics.

Sasselov ist sich sicher, dass mithilfe dieser Methode in Zukunft auf einfache Art und Weise Millionen von Sternen nach Planeten abgesucht werden können. "Wir haben nunmehr einen besseren Weg gefunden, neue Welten in unser eigenen Milchstraße zu finden, das Tor zu neuen Exoplaneten aufzustoßen."

In der Tat: Der Transit-Methode, bei der sich das Weltraumteleskop bekanntlich nicht mehr auf den gravitationsbedingten Tanz der Sterne fixiert, sondern auf Planeten, die vor ihrem jeweiligen Heimatstern vorbeiziehen, scheint infolge ihrer stetig zunehmenden Sensibilität zukunftsträchtig wie nie zuvor.

Steht der Sterntrabant zwischen Teleskop und extrasolarer Sonne, wird das Licht, das der Heimatstern aussendet, geringfügig abgeschwächt, aber immer noch stark genug, um den unsichtbaren Planeten "sichtbar" zu machen, wobei diese Methode nur funktioniert, wenn der anvisierte Stern, der extrasolare Planet und die Erde in einer Linie stehen. Mittels dieser Technik lassen sich extrem schwache stellare Helligkeitsfluktuationen aufspüren. Selbst eine an einem 300 Kilometer entfernten Autoscheinwerfer vorbeifliegende Mücke könnte via Transit-Technik erfasst werden. Kein Wunder also, dass die Astronomen vom Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik um Sasselov mit dieser Methode die ferne Welt OGLE-TR-56b indirekt nachweisen konnten. Im Rhythmus der Umlaufzeit schob sich der Exoplanet alle 29 Stunden vor den Stern; dabei nahm dessen Leuchtstärke zeitgleich und turnusgemäß ab.

"Nature" berichtet über Entdeckung erst in zwei Wochen

Die erfolgreiche Anwendung der Transit-Technik dürfte bei der Suche nach erdähnlichen Planeten neue Türen öffnen, hofft Sasselov. "Yes, we are excited. We are at the leading edge of extrasolar planet research and we are getting closer and closer to finding new habitable worlds like our own."

Die neue Entdeckung gelang im Rahmen des Optical Gravitational Lensing Experiment (OGLE). Während der Observationen analysierte das Forscherteam 59 Kandidaten. Zum Einsatz kamen dabei das 1,5 Meter-Teleskop des Fred L. Whipple Observatoriums in Arizona und das 6.5-Meter-Magellan Fernrohr des Las Campanas Observatoriums in Chile.

Offiziell sind damit jetzt summa summarum 101 extrasolare Planeten registriert und katalogisiert.

Über das Forschungsprojekt berichtet das britische Wissenschaftsmagazin Nature am 23. Januar dieses Jahres. Tiefergehendes zu OGLE-TR-56b wird auch in eine der nächsten Ausgaben der Astrophysical Journal Letters zu lesen sein.

Näheres zur aktuellen Entdeckung (Harald Zaun)