Recherche: Russland spioniert systematisch Infrastruktur in der Ostsee aus
Bild: SynthEx/ Shutterstock.com
Russland spioniert systematisch in der Ostsee. Forschungsschiffe spÀhen Windparks und Pipelines aus. Was plant Moskau mit diesen Daten?
Russische Forschungsschiffe spionieren immer wieder Windparks, Datenkabel und Pipelines in der Ostsee aus, das zeigen Recherchen, an denen auch NDR, WDR und SĂŒddeutsche Zeitung beteiligt waren. Insgesamt werteten die Journalisten fĂŒr das internationale Projekt "Russian Spy Ships" ĂŒber 400 Fahrten von 72 mutmaĂlichen russischen Spionageschiffen seit Beginn des Ukraine-Krieges aus.
Die vermeintlichen Forschungsschiffe tauchen hÀufig mit abgeschalteten Ortungssystemen in der NÀhe von kritischer Infrastruktur auf. Dabei fahren sie extrem langsam, stoppen oder bewegen sich in auffÀlligem Zickzack-Kurs.
Ein ehemaliger russischer Matrose bestĂ€tigte gegenĂŒber den Reportern, dass die Schiffe strategisch wichtige Objekte am Meeresgrund ausspĂ€hen, um sie im Kriegsfall zerstören zu können.
Laut BND-PrÀsident Bruno Kahl ist die Bedrohung durch russische Spionage und Sabotage sehr konkret. Die Anrainerstaaten versuchen daher, ein besseres Lagebild zu gewinnen und verdÀchtige Schiffsbewegungen schneller zu entdecken. Geplant ist, wieder mehr Sensoren unter Wasser einzusetzen und auch Daten von privaten Infrastrukturbetreibern auszuwerten.
Die aktuelle Rechtslage macht ein konsequentes Vorgehen gegen die SpionageaktivitĂ€ten jedoch schwierig. Russische Schiffe halten sich meist in ausschlieĂlichen Wirtschaftszonen auf, wo die KĂŒstenstaaten nur begrenzte Hoheitsrechte haben.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmmung wird hier ein externer Podcast (Podigee GmbH) geladen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (Podigee GmbH) ĂŒbermittelt werden. Mehr dazu in unserer DatenschutzerklĂ€rung [1].
Deutsche Behörden begleiten daher verdĂ€chtige Schiffe vor der eigenen KĂŒste, um PrĂ€senz zu zeigen. Der Seerechtler Wolff Heintschel von Heinegg fordert, das internationale Seerecht robuster durchzusetzen und die kritische Infrastruktur auch in entfernteren Gebieten rechtlich besser abzusichern.
FĂŒr ihre Recherchen werteten die beteiligten Journalisten von NDR, WDR, SZ und fĂŒnf weiteren europĂ€ischen Medien Morsesignale, Ortungsdaten und Satellitenbilder aus. Die Ergebnisse konnten in EinzelfĂ€llen durch Augenzeugen und Sicherheitskreise verifiziert werden.
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-9952139
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
Copyright © 2024 Heise Medien