Pur und todbringend

USA: Die neue Angst vor afghanischem Heroin

Bereits in den frühen 80er Jahren beherrschte Heroin aus Afghanistan den amerikanischen Markt mit einem Anteil von 47 bis 54 Prozent. In den 90er Jahren ging der Marktanteil auf 6% zurück, der Löwenanteil der Lieferungen kam nun aus Südostasien und Kolumbien. Das könnte sich wieder ändern: Wie die Los Angeles Time berichtet, gibt es eine Reihe von Indizien, die darauf verweisen, dass der Heroin-Nachschub von afghanischen Mohnfeldern den amerikanischen Markt neu erobert.

Der Nachschub an "hoch potentem" afghanischen Heroin in den Vereinigten Staaten würde so schnell anwachsen, dass es das mexikanische Heroin mit minderer Qualität rasant vom Markt verdrängen würde, so die Zeitung. Diese Entwicklung würde Ängste vor zunehmenden Abhängigkeiten und vor allem vor Todesfällen wegen Überdosierung schüren.

Tatsächlich könne man in Kalifornien auch eine Zunahme solcher Fälle beobachten. In den letzten drei Jahren seien im Vergleich zu den Vorjahren um 75 Prozent mehr Heroinabhängige an Überdosierung gestorben. Dies, so legen der Bericht und Zeugenaussagen von Polizisten und Abhängigen nahe, steht in Zusammenhang mit der verstärkten Präsenz von hochwertigem afghanischen Heroin auf dem amerikanischen Markt. Die Potenz des "puren weißen Pulvers" vom Hindukush sei für die User nur schwer einzuschätzen; vor allem ältere Abhängige würden es nicht verkraften.

Auch ein aktueller Bericht der amerikanischen Drogenfahndungsbehörde ( DEA - Drug Enforcement Administration), welcher der Zeitung zugespielt wurde, stützt die Annahme einer Heroin-Lawine aus Afghanistan: "Afghanistan's poppy fields have become the fastest-growing source of heroin in the United States". Die 14 Prozent Marktanteil, die man für das Jahr 2004 ermittelte, würden jetzt wahrscheinlich deutlich überboten, so die alarmierende Spekulation des Drogenreports.

Schon die 14 Prozent markierten eine Verdoppelung gegenüber Werten, die für 2001 und die Jahre davor festgestellt wurden. Im Jahre 2001 wurden die Taliban durch die Angriffe der USA und ihrer Verbündeten aus ihren Ämtern verjagt. Während ihrer Regierungszeit ging die Drogenproduktion zurück, der Anteil von afghanischen Heroin auf dem amerikanischen Markt wird in diesen Jahren auf etwa 6 bis 7 Prozent geschätzt.

Noch dominiert das Heroin aus Südamerika, vor allem aus Kolumbien, mit 69% Anteil (die Zahlen sind von 2004, als Quelle gibt die Zeitung die DEA an) den amerikanischen Markt. Den zweiten Platz teilen sich afghanische und mexikanische Pulver. Doch während der verbotene Handel mit Kolumbien zurückgehen soll, soll die Einfuhr aus Afghanistan steigen. Zwar dementierte der DEA-Sprecher das Phänomen gegenüber der LA-Times in einem Email - "We are NOT seeing a nationwide spike in Afghanistan-based heroin", doch unterstützen Aussagen von anderen Behörden den Trend. So warnte schon der Leiter des UN-Büros für Drogenkriminalität, Antonio Maria Costa, im Oktober vor den Auswirkungen der Rekordernte in Afghanistan für die internationalen Märkte.

Und auch das amerikanische Heimatschutzministerium findet Indizien, die für eine Zunahme des afghanischen Heroins auf dem amerikanischen Markt sprechen: Die Festnahmen von Personen, die an amerikanischen Flughäfen mit Heroin erwischt werden, soll sprunghaft angestiegen sein. Die meisten der Festgenommenen kamen aus Indien, das als eines der wichtigsten Transferländer für afghanische Drogen gilt. (Thomas Pany)