Preisdeckel auf russisches Rohöl: Moskau kündigt Rückgang der Produktion an

Wichtiges Ziel von G7- und EU-Staaten dürfte verfehlt werden. Verkauf von Rohöl an westliche Länder könnte verboten werden. Welche Faktoren Preise weiter steigen lassen könnten.

Russland reagiert auf den Preisdeckel, mit dem die G7-Staaten und die Europäische Union seine Ölexporte sanktioniert haben. Am Freitag erklärte der stellvertretende russische Ministerpräsident Alexander Nowak im staatlichen Fernsehen, das Land könnte Anfang 2023 seine Ölproduktion um fünf bis sieben Prozent kürzen.

Sollte Russland tatsächlich diesen Schritt gehen, dann würde es anders reagieren, als die USA und ihre Alliierten erhofft hatten. Mit dem Preisdeckel sollte sichergestellt werden, dass der Weltmarkt weiterhin mit ausreichend Rohöl versorgt wird, während die russischen Einnahmen begrenzt werden.

Die Regierung in Washington verfolgte damit die Absicht, ein Ansteigen der Ölpreise zu verhindern – nun hat sie das Gegenteil erreicht: Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg zog der Ölpreis deutlich an. In dieser Woche wurde für die Rohölsorte West Texas Intermediate ein Zuwachs von sieben Prozent verzeichnet.

Nowak erklärte jetzt, die Kürzungen könnten 500.000 bis 700.000 Barrel pro Tag (bpd) erreichen. Den gesamten Umfang der russischen Reaktion auf den Preisdeckel dürfte in der kommenden Woche bekannt werden: Am Montag oder Dienstag will der russische Präsident Wladimir Putin ein Dekret unterschreiben, mit dem "Präventivmaßnahmen" eingeleitet werden.

Man gehe davon aus, erklärte Nowak, dass das Risiko eine Produktionskürzung geringer ist, als sich in der Verkaufspolitik von einer Preisobergrenze leiten zu lassen. Heute seien es 60 US-Dollar – morgen könne alles anders sein. Es sei für Russland inakzeptabel, "sich von Entscheidungen unfreundlicher Länder abhängig zu machen", so Nowak.

Mit Bezug auf das Dekret kündigte Nowak an: Der Verkauf von Rohöl und Ölprodukten an Länder, die sich der Preisobergrenze anschlössen, und an Unternehmen, die deren Einhaltung forderten, werde verboten.

Sollte Russland Ernst machen, dann dürften die Ölpreise und die Preise an den Tankstellen deutlich steigen. Denn nicht nur die russische Reaktion auf den Preisdeckel würde die Versorgung des Weltmarktes verringern, sondern auch der Preisdeckel selbst scheint dazu beizutragen.

Eine Auswertung von Bloomberg hatte erst kürzlich gezeigt: In der ersten Woche nach Inkrafttreten des Preisdeckels sank das Volumen der aus Russland verschifften Mengen an Rohöl um 54 Prozent.

Hinzu kommen allerdings noch weitere Faktoren, etwa die rasche Abkehr Chinas von der Zero-Covid-Politik. Die wirtschaftliche Lage und die Konjunktur könnten sich erholen, was die Nachfrage im kommenden Jahr deutlich steigen lassen dürfte.

Dann dürften auch die USA gezwungen sein, ihre Ölvorräte wieder aufzufüllen. Um die Preise niedrig zu halten, hatte die Biden-Regierung einen Teil der strategischen Ölreserven freigegeben. Diese befinden sich inzwischen auf dem niedrigsten Stand seit 1984.

Aber auch die kommerziellen Rohölvorräte in den USA sind inzwischen auf den niedrigsten Stand seit 2014 gesunken. Durch den heftigen Wintersturm dürfte der Verbrauch weiter steigen.

"Es ist jetzt sehr wahrscheinlich, dass die Regierung Biden ihre Ölkäufe zu Beginn des neuen Jahres erhöhen wird", erklärte Ole Hbalbye, Analyst bei der schwedischen Bank SEB, gegenüber Bloomberg.

Vor diesem Hintergrund blickt die russische Regierung ruhig auf das kommende Jahr. Nowak erklärte, die Preisnachlässe, mit denen es bislang an einige Länder verkauft, würden sich bald stabilisieren. Er geht davon aus, dass die weltweiten Ölpreise wahrscheinlich in der Spanne von 70 bis 100 US-Dollar pro Barrel bleiben werden. (Bernd Müller)

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