Overture auf Expansionskurs

Nach einem erfolgreichen Jahr ist die Kriegskasse von Overture übervoll. Mit dem Kauf von Altavista und Fast hat die Bezahlsuchmaschine eine kräftige Konsolidierung auf dem Suchmaschinenmarkt eingeleitet

Von den großen algorithmischen Suchanbietern gibt es mit Google, Yahoo/Inktomi und Overture nur noch drei Anbieter mit großer Verbreitung. Telepolis sprach mit Manfred Klaus, dem Geschäftsführer der Overture Services GmbH Deutschland, Österreich und Schweiz.

Alle IT-Firmen darben und Sie langen kräftig zu. Wie kommt das?

Klaus: Unser Geschäftsmodell, das auf Pay-For-Performance beruht, ist sehr leistungsfähig für Werbungtreibende aller Größenordnungen. Marketing über Suchmaschinen ist im Augenblick einer der interessantesten Marketingmöglichkeiten. Außerdem sind wir immer auf der Suche nach Produkten und Services, die in unser Portfolio passen.

Wen betrachten Sie noch als Konkurrenz?

Klaus: Google ist ein wichtiger Konkurrent für uns.

Warum fanden Sie Fast und Altavista so unwiderstehlich?

Klaus: "Paid Inclusion", das sowohl ein Altavista-, als auch Fast-Produkt ist, ist aus Sicht der Werbekunden sehr spannend. Bei "Paid Inclusion" bezahlen Website-Besitzer für regelmäßige Besuche und Updates in den Suchindizes. Theoretisch wären beispielsweise viertelstündige Updates von Nachrichten-Sites möglich. Generell sind Aktualität und eine umfassende Erfassung ein wesentlicher Faktor für Werbetreibende.

Altavista und Fast können aber mehr als nur Seiten erfassen?

Klaus: Wir können nach Pay-per-Performance und Paid-Inclusion mit der algorithmischen Suche ein drittes Suchprodukt anbieten. Damit sind wir in der Lage, unseren Partnern wie z.B. Lycos oder T-Online eine komplette Suchlösung aus einer Hand anbieten zu können und dies aus dem Werbegeschäft zu refinanzieren. Außerdem haben wir mit den Altavista- und Alltheweb-Portalen den direkten Endkundenzugang.

Was haben Sie mit Altavista und Fast eigentlich erworben?

Klaus: Wir haben jetzt in der Branche den größten Pool an Patenten, Entwicklern und technischem Know-How. Zusammen mit AltaVista und Fast beschäftigen wir dann mehr als 500 Entwickler und Produktspezialisten. Damit können wir unsere Produkte wesentlich weiter entwickeln und über die Seiten von Altavista und Alltheweb neue Suchprodukte auf Nutzerakzeptanz überprüfen.

Wie groß ist Ihr Patente-Pool jetzt?

Klaus: Wir haben 58 Altavista-Patente, 3 Fast und 2 Overture-Patente. Diese Patente drehen sich hauptsächlich um das Thema algorithmische Suche. Bei Altavista sind Patente dabei, die grundlegende Dinge der Internetsuche beschreiben, da sie aus den Anfangszeiten des Web stammen. Fast bringt das Real-time-Indexing mit sowie eine sprachspezifische Suche, die auch Bedeutungszusammenhänge erkennen kann.

Dann darf man jetzt also mit einer Klagerunde rechnen?

Klaus: (lacht) Wir werden natürlich versuchen, diese Patente zu schützen. Aber es gibt keine schwarze Liste von Leuten, die wir morgen verklagen wollen.

Wie geht es weiter?

Klaus: Es gibt eine loyale Altavista- und Fast-Nutzerschaft. Die Portale sollen deshalb weiter geführt werden. Aber wir wollen hier auch neue Suchprodukte und Services auf Akzeptanz bei den Nutzern testen. Im Bereich der algorithmischen Suche wird noch einmal ein deutlicher Schub in Sachen Qualität zu sehen sein.

Wird es Entlassungen geben?

Klaus: Wir sind gerade dabei die Integrationspläne zu entwickeln.

Sie haben aber nicht nur Suchmaschinen, sondern mit Keylime Software auch einen Anbieter von Tracking-Software gekauft. Was haben Sie vor?

Klaus: Keylime beschäftigt sich mit der Auswertung, welche Aktionen Nutzer auf den Webseiten unsere Kunden machen - Das Stichwort heißt hier Conversion-Tracking. Dies beantwortet Fragen wie: Wird der Nutzer zum Käufer? Welche Klickwege gibt es auf der Website? Warum brechen Kunden an bestimmten Stellen ab? Das ist für unsere Werbekunden sehr spannend, die dann sehen können, was ihnen die Kontakte auf ihrer Website bringen.

Wie erklären Sie Ihren großen Erfolg?

Klaus: Unser Geschäftsmodell bietet attraktive Leistungen für alle Partner: die Nutzer erhalten kostenfrei hochwertige, redaktionell geprüfte Suchergebnisse und unsere Werbekunden können sehr zielgenau und erfolgsorientiert bei uns Neukunden gewinnen. Die Websites, auf denen wir unsere Suchergebnisse darstellen, erhalten ein komplettes, redaktionell geprüftes Suchprodukt und über eine Erlösbeteiligung eine wichtige Einnahmequelle.. So konnten wir weltweit über 80.000 Werbekunden an uns binden, gewinnen derzeit ca. 2000 bis 3000 neue Kunden pro Monat hinzu und verfügen über das größte Partnernetzwerk der Welt

Wie groß ist Ihre Reichweite?

Klaus: In Deutschland erzielen wir über unser Partnernetze mit fast 40 großen Websites bereits eine Reichweite von mehr als 85 Prozent. Heise-Online ist fast die einzige große IT-Website, die nicht unser Partner ist.

Was bringt das Overture-Modell den Werbekunden?

Klaus: Aus Perspektive der Werbekunden ist Pay-For-Performance eine sehr effiziente Direktmarketing-Maßnahme, da, wie vielleicht nur noch bei den Gelben Seiten, Kunden aktiv nach Produkten und Dienstleistungen suchen. Kleine Mittelständler sind für uns ein wichtiges Standbein. Für alle großen Player ist es aus unserer Perspektive die Grundlage eines jeden Marketingplanes, das heißt über diese Marketingmaßnahme müsste man gar nicht mehr nachdenken. Im vierten Quartal 2002 hatten wir einen Durchschnittsklickpreis für ein Keyword von 35 US-Cent. Die Preise in Deutschland rangieren derzeit zwischen 10 Euro-Cent und 25 Euro pro Klick. Der Suchbegriff "Datenrettung" etwa kostet 25 Euro. Die Preise entwickeln sich nach Angebot und Nachfrage und werden von den Werbekunden selbst festgelegt. Der Grenzpreis bestimmt sich also rein rational. Jeder Werbekunde prüft den Erfolg seiner Schaltung und legt seinen Klickpreis entsprechend fest.

Was hat der Nutzer von gekauften Links?

Klaus: Die Suche kann auf Dauer als kostenlose Dienstleistung angeboten werden. Zudem erhält der Nutzer redaktionell geprüfte Suchergebnisse. (Christiane Schulzki-Haddouti)