Ostukraine: Aufgrund der Kämpfe droht Umweltkatastrophe

Eine Chemiefabrik in Awdijiwka ist gefährdet, Kiew fordert eine Waffenruhe

Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums droht im Donezkbecken eine ökologische Katastrophe, die die Gesundheit von über 100.000 Menschen beeinträchtigen kann.

Über das Gremium "Gemeinsames Zentrum für die Kontrolle und Koordination des Waffenstillstands" hätten die ukrainischen Behörden eine Waffenruhe beantragt, um Spezialisten für die notwendigen Kontroll- und Reparaturleistungen in die Chemiefabrik Awdijiwka schicken zu können. Die Stadt Awdijiwka liegt an der Frontlinie und wird derzeit von der Rebellenseite massiv beschossen. Die Rebellenrepublik lehne diesbezüglich eine Kooperation ab.

In den Fabriken werden Kohleprodukte wie das Düngemittel Ammoniumsulfat hergestellt. Die Fabriken sind Teil des Konzerns Metinvest, der im Besitz von Rinat Akhmetov ist, einer der reichsten Oligarchen der Ukraine. Auch in weiteren Anlagen seien Wartungsarbeiten durch Beschuss gefährdet.

Konfliktstoff bieten auch die Vorwürfe von Seiten der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform, dass die Chemieanlage zur Düngemittelproduktion des Konzerns "Styrol", die in den Rebellengebieten liegt, demontiert und nach Russland gebracht werden soll. Die Produktion ist aufgrund der Kämpfe 2014 eingestellt worden. Aleksander Sacahratschenko, der Chef der "Volksrepublik Donezk", dementierte jedoch diesen Bericht.

Der "Volksrepublik Luhansk" wirft die Ukraine Gewässerverschmutzung vor. Dort würden nicht näher genannte Chemieanlagen die kostenaufwändigen Filteranlagen nicht mehr nutzen und die chemischen Abwässer einfach so in den Fluss Siwerskyj Donez kippen.

Aber auch der von Kiew kontrollierte Teil der Ukraine hat Probleme mit dem Trinkwasser. So sollen laut dem ukrainischen Umweltministerium die Flüsse in den letzten Jahren um 20 Prozent ihres Wasservolumens verloren haben, wodurch sich die Belastung des Wassers erhöhte. Die Industrie würde zugelassene Emissionswerte um das Fünffache überschreiten.

Doch Staatspräsident Petro Poroschenko hat eine vom Parlament vorgeschlagene Anpassung an das Umweltrecht nicht unterzeichnet. Dazu soll er von der ukrainischen Agrarlobby gedrängt worden sein, da die Umstellung auf die neuen Normen zu kostspielig seien. (Jens Mattern)