Online-Protest blockiert die Website der spanischen Regierungspartei

Gestern hatte eine Initiative zu einem virtuellen Sit-In aufgerufen - offenbar mit Erfolg

In Spanien ist der Protest gegen die Unterstützung des Irak-Kriegs noch ungebrochen stark. Er findet auf den Straßen, mittlerweile aber auch im Internet statt. Die Website der Regierungspartei Partido Popular war nach einem Aufruf zu einem "virtuellen Sit-In" gestern nicht mehr zu erreichen.

Aufgerufen zum "sentada digital" hatte man bei No a la guerra. Schnell können im Internet Initiativen gestartet werden. Haben sie "memetischen" Erfolg und verbreiten sich, können schnell Aktionen gestartet und koordiniert werden. In diesem Fall also ein sogenannten virtuelles Sit-In am Donnerstag.

Für den "Krieg gegen den Krieg" wurde die Seite www.sentadadigital.tk/ eingerichtet. Sie bietet das schon vielfach, erst kürzlich auch von den Cyberhippies wieder eingesetzte Javascript-Programm an. Lädt man es herunter, ruft der Browser permanent die Websites der PP und der spanischen Regierung auf (die aber war zumindest in der Nacht nicht mehr von der Blockade betroffen). Machen es genügend viele, so wird der virtuelle Ort, also die angezielte Webseite, blockiert, vielleicht bricht auch der Server unter der Last der Aufrufe zusammen. Das ist offenbar bei der Website der PP der Fall. Tagsüber waren offenbar beide Seiten seit den frühen Morgenstunden unerreichbar

Mit der Blockade will man gegen das "Massaker" protestieren, das die Invasionstruppen mit der Unterstützung der spanischen Regierung am irakischen Volk begehen. Kritik richtet sich aber auch gegen die Repression der Kriegsgegner. Die linke Oppositionspartei Izquierda Unida, die von der konservativen PP beschuldigt wurde, hinter der Aktion zu stehen, stritt jeder Beteiligung ab. Die PP hatte die Linken kritisiert, damit gegen die Meinungsfreiheit vorzugehen. Der Protest wurde als "nichtdemokratisch" bezeichnet.

Die IU entgegnete, die PP wolle mit der Unterstellung nur die Aufmerksamkeit von der massiven Ablehnung des Irak-Krieges ablenken. 90 Prozent der Spanier - genauer 90,8 Prozent - sollen sich nach Umfragen gegen den Krieg aussprechen, während die Regierung den Kriegskurs von Bush unterstützt. 60 Prozent finden denn auch, dass die Regierung mit dem Konflikt schlecht oder sehr schlecht umgegangen ist.

Auch noalaguerra.org weist jede Bindung an eine Partei zurück. Man sei ein offenes Projekt, keine "Organisation", sondern ein Netzwerk von Personen", in dem niemand für die Taten von anderen verantwortlich gemacht werden könne.

Internetaktivisten gibt es aber nicht nur bei den Kriegsgegnern, sondern auch bei den Befürwortern. Abgeordneten der PSOE und der IU wurde mit Email ein Video zugeschickt, das das blutige Regime von Hussein anklagt, Hussein mit Hitler vergleicht und die Kriegsgegner als Helfer des Diktators denunziert. (Florian Rötzer)