Nord-Stream-Explosion: Neue Bilder

Mit einer Unterwasserdrohne dokumentiert Greenpeace Schäden an der Explosionsstelle der Pipeline und platziert eine Flagge mit Peace-Zeichen. Bild: Greenpeace

Greenpeace hat Aufnahme von zerstörter Pipeline gemacht. Tathergang noch immer unklar. Warum man sich über 300.000 Tonnen Kampfmittel allein auf deutschem Meeresboden Sorgen machen sollte.

Tagesschau.de berichtet von neuen Bilder der Lecks in den Nord-Stream-Pipelines. Aufgenommen hat sie die Umweltorganisation Greenpeace. Frustriert von der schmallippigen Informationspolitik der Bundesregierung, hatten die Umweltschützer mit dem Schiff Beluga II eine Expedition in die Region nordöstlich der dänischen Insel Bornholm unternommen.

Dort waren am Abend des 26. September, wie seinerzeit berichtet, die beiden Röhren von Nord Stream 1 aufgerissen worden. Das Gebiet liegt in Schwedens ausschließlicher Wirtschaftszone, also in internationalen Gewässern, über deren wirtschaftliche Nutzung allein Stockholm verfügt.

Beluga Forschungstour zu Nordstream Pipelines in der Ostsee (15 Bilder)

Bild: © Greenpeace

Eine erste Explosion hatte es etwa 17 Stunden zuvor in der Nacht vom 25. auf den 26. September an einer der beiden Röhren der Nord-Stream-2-Pipeline gegeben. Diese erste Havarie erfolgte südöstlich von Bornholm, grob geschätzte 80 Kilometer entfernt von der zweiten, die nun Ende November von Greenpeace untersucht wurde.

Die Umweltschützer schickten einen Tauchroboter in die Tiefe, der Aufnahmen machte und Proben von Wasser und Sediment sammelte. Eines der veröffentlichten Videos zeigt ein hoch vom Meeresgrund aufragendes, oben aufgerissenes Rohr. Die Betonummantelung ist teilweise abgeplatzt und das Metall an der durch die Explosion entstandenen Öffnung an manchen Stellen nach innen gebogen. Letzteres macht es unwahrscheinlich, dass die Explosion im Inneren des Rohres stattfand.

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch ein Sachverständiger, der von Tagesschau.de zitiert wird. Der Hergang der Explosion sei noch nicht geklärt und die Informationspolitik der Behörden unbefriedigend. Unklar ist unter anderem, wo sich das 250 Meter lange Rohrstück befindet, das in der Nord-Stream-1-Pipeline fehlt.

Eine Antwort darauf konnte auch die kurze Greenpeace-Expedition nicht geben. Die genommenen Proben sollen in den kommenden beiden Wochen ausgewertet und auf Gift- und Sprengstoffspuren untersucht werden.

Neben dem Tathergang interessieren sich die Umweltschützer nämlich vor allem für die Folgen der Explosion. Vor den Küsten Bornholms liegen nach dänischen Angaben, die Tagesschau.de zitiert, 11.000 Tonnen alter Munition und Granaten, die dort, wie an vielen anderen Stellen in Nord- und Ostsee, nach dem Zweiten Weltkrieg versenkt worden sind.

Die Sprengstoffe, deren Stahlbehälter langsam vor sich hin rosten, sind überwiegend hochgiftig. Umweltschützern und Meeresforschern ist diese tickende Zeitbombe seit langem bekannt, aber die Behörden der Anrainerstaaten scheuen die hohen Kosten, die durch eine etwaige Bergung entstünden. Allein in deutschen Gewässern sollen 300.000 Tonnen versenkter Kampfmittel liegen.

Greenpeace ist derweil besorgt, dass die Explosion einen Teil der Gifte freigesetzt hat, während man sich fragen sollte, wie man überhaupt auf die Idee kommen kann, eine Pipeline durch ein derart belastetes Gebiet zu genehmigen und zu bauen.

Ansonsten haben die pazifistischen Umweltschützer von Greenpeace, die den russischen Angriff auf die Ukraine klar verurteilen, aber sich bisher nicht von der im Westen grassierenden Hysterie haben anstecken lassen, die Fahrt der Beluga auch für eine kleine Demonstration genutzt. Der Tauchroboter diente nicht nur der Dokumentation und Probennahme, sondern stellte auch ein kleines Fähnchen mit einem Peace-Zeichen in die aufgerissene Pipeline.

Die Expeditionsleiterin von Greenpeace, Nina Noelle, dazu:

Es muss Schluss sein mit der Ausbeutung unseres Planeten für fossile Energien. Die Nord-Stream-Pipeline in der Ostsee führt uns vor Augen, dass fossile Energien sehr oft Konflikte fördern und Kriege finanzieren.

(Wolfgang Pomrehn)

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