Nicht wild genug

Hat die Banane nur noch zehn Jahre?

Sie sei schwach. alt, heruntergekommen. Trotz ihrer phallischen Form, ein steriles, seit Tausenden von Jahren sexloses Wesen werde die Banane womöglich in zehn Jahren aussterben, so die Titelgeschichte im aktuellen New Scientist

Der größte Feind der Banane ist ihre Einförmigkeit, ihr Mangel an genetischer Vielfalt. Die Banane verharrt im evolutionären Stillstand, hilflos gegen Schädlinge und Pilze wie "Black Sigatoka" (Mycosphaerella fijiensis), der sich mittlerweile in fast allen Anbauregionen ausgebreitet hat und dort die Ernte um bis zu 50% dezimiert. Manche Felder werden bis zu 50 Mal im Jahr mit hoch konzentrierten Pflanzenschutzmitteln besprüht; man hat herausgefunden, dass die meisten Feldarbeiter davon genau so steril werden wie die (sicher auch nicht mehr gesunde) Frucht, welche sie anpflanzen.

Des Weiteren droht der Essbanane die Panama-Krankheit, (die schon der Vorgängerin der heute üblichen Cavendish-Banane, der Gros Michel, den Garaus machte) jetzt in einer neuen Form, mit einem neuen Namen: race 4, so warnt New Scientist wird die Banane mit ungeheurer Wucht und Brutalität angreifen. Race 4 hat bereits Südafrika, Australien und Teile von Asien erreicht und der Pilz lässt sich mit chemischen Keulen nicht vertreiben, da er im Boden lauert und nicht an den Blättern.

Gut sieht es nicht aus für die gelbe krumme Frucht, aber dass es sie in zehn Jahren nicht mehr geben soll, scheint doch etwas übertrieben. Das International Network for the Improvement of Banana and Plantain möchte wohl nur noch einmal darauf hinweisen, dass man der Banane dringend mit der Gentechnologie auf die Sprünge helfen müsse. Letztes Jahr hat sich ein internationales Konsortium darauf geeinigt, ausreichend Geldmittel aufzubringen, damit bis zum Jahr 2006 das Genom der Banane erforscht ist (vgl. Das Genom der Banane).

Mit Hilfe des Genoms von wilden Bananenarten aus Südostasien, dem Ursprungsgebiet der Pflanze, die eine Vielzahl von Abwehr- und Widerstandsmechanismen entwickeln konnte, die den kultivierten Pflanzen oft vollständig fehlen, sollen dann verschiedene pilzresistente Sorten gezüchtet werden. Das Genom der Banane wird auf 500-600 Millionen Basenpaare geschätzt und erfordert daher keinen geringeren Aufwand als das Human Genome Project. (Michaela Simon)