Nevada: Latinos würden Trump wählen
Der umstrittene Präsidentschaftsbewerber führt in einer Umfrage unter Hispanics mit 31,4 Prozent
Am 16. Juni meinte Donald Trump in seiner Bewerbungsrede für die republikanischen Präsidentschaftsvorwahlen über Mexikaner, die illegal über die Grenze kommen: "Sie bringen Drogen, sie bringen Kriminalität, sie sind Vergewaltiger, und einige, nehme ich an, sind auch nette Leute." In der Führung der republikanischen Partei distanzierte man sich darauf hin von Trump, weil man glaubte, der Kandidat verschrecke mit dieser Äußerung Latino-Wähler. Die Annahme, dass die Bemerkung bei Hispanics nicht gut ankäme, war auch der Grund dafür, dass mehrere Fernsehsender und große Unternehmen ihre Geschäftsbeziehungen zu dem exzentrischen Milliardär beendeten.
Trump selbst meinte dagegen, den Latino-Wählern gehe es vor allem um Jobs - und die könne er in weit größerer Zahl versprechen als seine Konkurrenten. Das überraschende Ergebnis einer Umfrage aus Nevada zeigt jetzt, dass es tatsächlich Hispanics gibt, die dieser Sichtweise folgen könnten: In dem vor allem durch Las Vegas und Reno bekannten US-Bundesstaat, in dem etwa ein Viertel der Bevölkerung Spanisch als Muttersprache spricht, führt Trump in der Gesamtbevölkerung mit 27,7 Prozent eine aktuelle Umfrage an. Zählt man nur die Stimmen der Hispanics, wird dieser Wert nicht weniger, sondern mehr: 31,4 Prozent.
Auf Platz zwei der Nevada-Umfrage folgt der Gewerkschaftsbrecher Scott Walker, der es auf 15 Prozent im Bevölkerungsdurchschnitt und auf 11,4 Prozent bei Hispanics bringt. Dritter ist aktuell der schwarze Neurochirurg Ben Carson, für den 7,8 Prozent votieren würden - das entspricht in etwa dem Bevölkerungsanteil von Afroamerikanern in Nevada. Jeb Bush, der Kandidat des republikanischen Establishments, landet mit 6,8 Prozent lediglich auf einem enttäuschenden vierten Platz - knapp hinter dem kubanischstämmigen Kandidaten Marco Rubio, der in der Einwanderungsfrage mit den Demokraten zusammenarbeiten möchte.
Auch in den landesweiten Umfragen führt Trump: Bei YouGov liegt er mit 28 Prozent vorne, bei ABC und der Washington Post mit 24, bei Reuters/Ipsos und Morning Consult mit 22, bei Public Policy Polling mit 19 und bei CNN und Fox News mit 18. Auf Platz zwei folgt bei einigen Instituten Walker (der zwischen 7 und 17 Prozent gemessen wird); bei anderen Bush (den die Meinungsforscher zwischen 12 und 15 Prozent sehen).
An der ersten Fernsehdebatte, die am 6. August stattfindet, dürfen nur die Bewerber teilnehmen, die im Umfragedurchschnitt auf den ersten zehn Plätzen liegen. Neben Trump, Walker und Bush haben aktuell Marco Rubio (6 bis 6,8 Prozent), Ben Carson (5,8 bis 6 Prozent), der Evangelikale Mike Huckabee, (5,2 bis 6 Prozent), der libertär beeinflusste Rand Paul (5,3 bis 5,7 Prozent), der Tea-Party-Texaner Ted Cruz (5 bis 5,7 Prozent) und der New-Jersey-Gouverneur Chris Christie (3 bis 3,4 Prozent) die besten Chancen darauf.
Wer den zehnten Platz besetzen wird, ist relativ offen: Am schlechtesten sieht es für den farblosen New Yorker Ex-Gouverneur George Pataki (bis 0,4 Prozent) und den Außenpolitikfalken Lindsey Graham (0,2 bis 0,4 Prozent) aus. Etwas größere Hoffnungen machen dürfen sich der indischstämmige Lousiana-Gouverneur Bobby Jindal (1,3 bis 1,4 Prozent), die ehemalige HP-Managerin Carly Fiorina (1,3 bis 1,5 Prozent), der fundamentalistische Katholik Rick Santorum (1,5 bis 1,6 Prozent), der ehemalige Texas-Gouverneur Rick Perry (2 bis 2,3 Prozent) und der moderate Ohio-Gouverneur John Kasich (2 bis 2,2 Prozent).
Dieser Kampf um den letzten Platz, der nur noch gut eine Woche andauert, dürfte dazu beitragen, dass der Ton unter den Bewerbern etwas rauer wurde: So bezeichnete Perry Trump beispielsweise als "Krebsgeschwür am Konservativismus" und Graham nannte den Milliardär einen "Esel". Trump reagierte darauf, indem er Grahams Mobiltelefonnummer öffentlich vorlas - was dieser wiederum für ein Werbevideo nutzte, in dem er nicht etwa nur die SIM-Karte auswechselt, sondern gleich das ganze Gerät zerstört - unter anderem mit einem Fleischerbeil, einem Mixer, Brennspiritus, einem Backofen und einem Golfschläger.
Deutlich weniger unterhaltsam ist der Vorwahlkampf bislang bei den Demokraten: Hier führt trotz der Enthüllung, dass Hillary Clinton als Außenministerin auch Dienstgeheimnisse vorschriftswidrig über ein privates Email-Konto versandte (von dem sie nur einen Teil offenlegte), weiterhin die Ehefrau des Ex-Präsidenten Bill Clinton - mit Werten zwischen 51 und 63 Prozent. Bernie Sanders, der parteilose Senator von Vermont, der ein Aufräumen im Finanzsektor verspricht, wird aktuell zwischen 14 und 22 Prozent gemessen. Die drei anderen Bewerber Jim Webb, Martin O'Malley und Lincoln Chaffee bringen es lediglich auf Werte zwischen unter einem und fünf Prozent.
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