Neues vom "National Scaremeister"

Asylsuchende aus 33 Ländern werden bei Ankunft in den USA sofort verhaftet

Der Krieg gegen Irak, den Harald Schmidt vorgestern mit einer "Räumungsklage der USA auf Eigenbedarf" verglich, hat begonnen.

Bild: Military.com

"National Scaremeister" Tom Ridge hat nun mehrere Millionen Dollar "in der Pipeline", um die USA vor terroristischen Anschlägen zu schützen, die "mit Sicherheit" erwartet werden. Eine weitere Schrulle im "Are You Ready" Aufmerksamkeitstanz der Homeland Security-Cowboys, die "Operation Liberty Shield", geht weit über klassische Sicherheitsvorkehrungen und recht lächerlich anmutende Tipps (vgl. Are you ready?) zum Kaufen von Klebeband und Ersatzbatterien hinaus; so weit, dass Amnesty International USA sich einschaltete und die "Operation Schutzschild der Freiheit" als falsch, kurzsichtig, und vor allem unmenschlich geißelte. Sie sieht nämlich unter anderem vor, dass Asylsuchende in den USA sofort verhaftet werden, sofern sie aus einem von 33 Ländern kommen, die auf einer - geheimen - Liste stehen. Diese Blanko-Praventiv-Pauschalverhaftung dauert sechs Monate und unterläuft internationale Standards, die eigentlich von allen Ländern eingehalten werden sollten, vor allem aber von jenen, welche mit dem Wort Freiheit verheiratet sind... (vgl. Parlez-vous Pommes Frites?) - bei den USA mittlerweile wohl eher eine Scheinehe (der jedoch seit 1776 mehrere echte große Romanzen vorangingen, auf die jeder Amerikaner stolz sein darf und die jederzeit wieder aufflammen könnten)

Es ist bekannt, dass Al-Quaida Sympathisanten in vielen europäischen Ländern, im Nahen Osten und auch in den USA aktiv waren. Die "Operation Liberty Shield" gibt den Immigrationsbehörden also Carte Blanche, praktisch alle Menschen, die in den USA Asyl suchen, zu verhaften. Eine derartige Behörde wird Amerika nicht schützen, aber sie wird die Freiheit von jedem beschneiden, der mit ihr zu tun hat

William F. Schulz, Geschäftsführer von Amnesty International USA

Es sei schon merkwürdig, so auch eine Vertreterin der Women's Commission for Refugee Women and Children (WCRWC) gegenüber der Los Angeles Times, dass der Präsident der Vereinigten Staaten den Irakern Freiheit verspreche, während sie in den USA eingelocht würden. Die WCRWC mutmaßt, dass folgende Länder unter den Betroffenen sind: die palästinensischen Territorien Gaza und Westbank sowie Afghanistan, Algerien, Bahrain, Bangladesch, Dschibuti, Ägypten, Eritrea, Äthiopien, Iran, Irak, Libanon, Kuwait, Libyen, Kasachstan, Malaysia, Oman, Marokko, Pakistan, Katar, Somalia, Sudan, Syrien, Thailand, Tunesien, Usbekistan und Jemen.

Meinungsumfragen zufolge hat die Bevölkerung nichts dagegen, wenn im Namen der Freiheit Freiheiten beschnitten werden. Umfragen nach dem 11. September ergaben, dass über 70 Prozent der Amerikaner während des "Krieges gegen den Terrorismus" verstärkte Maßnahmen gegen Einwanderer und Minderheiten befürworten. 82 Prozent der Befragten unterstützten bei einer Gallup-Umfrage eine erweiterte staatliche Befugnis, selbst legale Einwanderer in Haft zu halten. Nach einer Umfrage von Harris CNN/Time waren 31 Prozent dafür, Amerikaner arabischer Herkunft in Lager zu stecken.1 Während des Zweiten Weltkrieges waren rund 110 000 Amerikaner japanischer Herkunft, 11 000 Deutsch-Amerikaner und 3000 Italo-Amerikaner allein wegen ihrer ethnischen Herkunft in Lagern interniert worden.

Traumatisierte und misshandelte Menschen, die bei uns Asyl suchen, werden monatelang eingesperrt, nur weil sie unser Land um Schutz vor Verfolgung gebeten haben.

Amnesty International

(Michaela Simon)