Netanjahus Endspiel: Israels wahre Kriegsziele in Gaza

Seite 2: Vertreibung und Besiedlung

In den Plänen der zionistischen Staatselite soll Gaza definitiv nicht Teil eines eigenständig verwalteten palästinensischen Staatsgebildes werden. Im Gegenteil: Unter maßgeblicher Schützenhilfe von Trumps "Riviera-Plan" hat Netanjahu auch öffentlich die Kriegsziele neu definiert.

Die Vertreibung einer übergroßen Mehrheit aus dem Gazastreifen wurde bereits proklamiert.

Hinzu kommt, dass mit der immensen Zerstörungswelle die neuen Siedlungswünsche an Fahrt gewinnen. Unverhohlen, wie das 972 Magazine analysiert, nimmt die Bewegung zur zionistischen Inbesitznahme des Gazastreifens neue Formen an.

Zeitfrage

Vor diesem Hintergrund erscheint das Gezerre um einen möglichen Waffenstillstand absurd: Um das große, religiös-heroisch aufgeladene Ziel zu erreichen, soll den Palästinensern das Leben zur Hölle gemacht werden, die Verhandlungen sind beschwichtigendes Beiwerk, eine Nebelkerze.

In der extremistischen Vertreibungsidee verbinden sich politisch-ideologische Theoreme aus der Gründerzeit Dajans oder Ben Gurions mit den kapitalistischen Profitinteressen des in der Region umtriebigen Jared Kushner, dem Schwiegersohn von Donald Trump. Die imaginären Immobilien am Mittelmeer stehen für sprudelnde Profite und zwei Millionen Störenfriede.

Abhilfe naht: Israel hat eine Behörde für die (noch) "freiwillige Ausreise" aus dem Gazastreifen eingerichtet. Bei der unerträglichen Zuspitzung der Verhältnisse hilft Tel-Aviv gerne nach. Es soll eine Frage der Zeit werden, bis auch der letzte Palästinenser die Vertreibung vor Elend und Tod wählt.

Laut den Vereinten Nationen ist jeder Gaza-Bewohner mindestens einmal in seinem Leben vertrieben worden, die nackte Angst vor einer drohenden zweiten "Nakba", der katastrophalen Vertreibung der arabischen Bevölkerung im Zuge der israelischen Staatsgründung, lebt in den Trümmern von Rafah oder Khan Junis auf.

Vom Fluss bis zum Meer

Was in der Bundesrepublik bei öffentlichen Demonstrationen in Bezug auf den Staat der Palästinenser kriminalisiert werden kann, könnte im Falle Israels schnell Realität werden. Der angeblich jüdische Staat, vom Fluss bis zum Meer, und darüber hinaus.

Israel, ein Staat, der seine Grenzen nie definiert hat, strebt über die bisherigen Haltepunkte der IDF hinaus. Der zum Staat gewordene imperialistische Expansionismus soll Teile Syriens, des Libanons, des Irak und Saudi-Arabiens umfassen.

Aber wohin mit den Palästinensern? Noch sagen die arabischen Anrainer kategorisch Nein, der jordanische König und der ägyptische Despot wollen den Elendszug aus Gaza nicht aufnehmen. Sie wissen, es wäre ein palästinensisches One-Way-Ticket.

Denn wer garantiert ihnen, dass Israel nicht als Nächstes sie ins Visier nimmt? Die USA (der Zollstreit lässt grüßen) verlieren als Garant an Gewicht. Und wie soll die Beteiligung an einer zweiten Nakba der arabischen Mehrheitsbevölkerung in den Staaten vermittelt werden, in deren Reihen die Solidarität mit dem palästinensischen Volk kein bigottes Lippenbekenntnis, sondern eine familiär-religiös-politische Verpflichtung bleibt?

Ostafrika-Plan

Aus der Sicht israelisch-amerikanischer Projektoren wird sich im afrikanischen Armenhaus ein windiger Komprador finden lassen, der bereit ist, die arabischen "Flüchtlinge" aufzunehmen. Nach einem AP-Bericht soll man in Verhandlungen mit Ostafrika stehen. Somalia, Sudan und die abtrünnige somalische Provinz Somaliland sind als Aufnahmeländer im Gespräch.

Noch lehnen offizielle Stellen im Sudan und in Somalia die Angebote aus dem Werte-Westen ab, Somaliland bestreitet gar, dass es Gespräche gegeben habe. Noch scheint der Preis nicht zu stimmen.

Eine Frage der Zeit. Denn alle drei Länder stehen am Ende der Armutsskala des Human Development Index, geprägt von Ernährungsunsicherheit, mangelnder Gesundheitsversorgung und einem virulenten Bürgerkrieg (Sudan). Für eine Handvoll Dollar könnte der Krieg auf die israelische Art gelöst werden: Der Gegner wird geographisch aussortiert.