Müssen Berlin und Brandenburg bald mit Wasser aus der Ostsee versorgt werden?

Hier soll einmal einer der größten künstlichen Seen Ostdeutschlands entstehen – der Cottbuser Ostsee. Doch in der Region fehlt das Wasser.Bild: Ralf Roletschek (Resolution restricted-by-sa oder GFDL 1.2 via Wikimedia Commons

Die Trockenheit in der Region nimmt zu und gefährdet die Trinkwasserversorgung. Welche Lösungen diskutiert werden und was sie bringen.

Der Klimawandel lässt im Sommer Flüsse und Regionen Deutschlands austrocknen. Brandenburg ist besonders davon betroffen: Ohne das Grubenwasser aus dem Braunkohletagebau läge der Wasserspiegel der Spree in der warmen Jahreszeit wesentlich tiefer.

Nach Angaben des Brandenburger Umweltministeriums stammten im August etwa 40 Prozent des Spreewassers aus den Kohlegruben. Damit diese nicht volllaufen, wird Grundwasser abgepumpt und in den Fluss eingespeist. Nach Angaben des Tagebaubetreibers Leag machte der Anteil des Grubenwassers im Dürrejahr 2019 zwischen 60 und 80 Prozent aus.

Spätestens 2038 soll Schluss sein mit dem Tagebau, und der Braunkohleausschuss in Brandenburg beschäftigt sich deshalb auch damit, woher dann das Wasser für die Spree kommen soll. Bedeutsam wird die Frage, weil die Trinkwasserversorgung von Berlin zu einem erheblichen Teil an der Zufuhr von Spreewasser hängt.

Das Umweltnetzwerk Grüne Liga betonte am Donnerstag in einer Mitteilung: Nicht der politisch beschlossene Braunkohleausstieg ist die Ursache des drohenden Wassermangels in der Lausitz.

"Das Umweltbundesamt hat uns ausdrücklich bestätigt, dass eine Zuweisung der Verantwortung für die erwartete Wassersituation an den Kohleausstieg irreführend und sachlich falsch ist", erklärte René Schuster, Vertreter der Umweltverbände im Braunkohleausschuss.

Über Jahre nehmen Folgen der Trockenheit in der Lausitz zu

Am Donnerstag hatte das Bundesumweltamt erste Ergebnisse einer Studie im Braunkohleausschuss des Brandenburger Landtags vorgestellt. Ergebnis: In der Region gibt es ein Defizit beim Wasserhaushalt.

In diesem Jahr war die Lage bereits kritisch. Die Spree führte so wenig Wasser, dass sie am Zufluss in den Müggelsee sogar wieder rückwärts floss. Der Müggelsee ist ein wichtiges Trinkwasserreservoir für Berlin und durch diese Entwicklung wäre er auf lange Sicht bedroht.

In der Lausitz hat sich in den letzten Jahren ein deutliches Defizit bei den Niederschlägen gezeigt:

Richtig fett war 2021 in der Lausitz nicht und der Sommer 2022 scheint um neue Hitze- und Trockenheitsrekorde wetteifern zu wollen. Die Wetterstation Cottbus verzeichnete im Juli nur elf Millimeter Regen – 42,5 Millimeter zu wenig im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990. Seit Januar 2018 summiert sich das Niederschlagsdefizit auf 465,5 Millimeter, davon 251,5 Millimeter seit Beginn der Ostsee-Füllung.

René Schuster

Mit "Ostsee-Füllung" meinte Schuster den sogenannten Cottbuser Ostsee, einen ehemaligen Tagebau, der seit 2019 geflutet wird. Solche Seen werden in der Region als Wasserspeicher gesehen, mit denen sich der Wasserstand der Spree und anderer Flüsse regulieren lassen.

Doch woher das Wasser kommen soll, um diese Seen zu befüllen, ist unklar. In den trockenen Sommern musste die Flutung des Cottbuser Ostsees bereits mehrfach unterbrochen werden. Und aufgrund des Klimawandels dürfte sich der Trend in den nächsten Jahren fortschreiben.

Ist entsalztes Wasser aus der Ostsee eine Lösung?

Gelinge es nicht, zusätzliches Wasser in die Region zu holen, so Jörg Frauenstein vom Umweltbundesamt (UBA) gegenüber dem RBB, dann würde man "Wasserkonkurrenzen sehen, die ein Potenzial zu Konflikten haben können". Das fehlende Wasser könne aus der Oder, der Neiße oder der Elbe in die Spree geleitet werden.

"Wasserüberleitungen spielen eine wichtige Rolle", so Frauenstein. Doch derartige Lösungen sind nicht nur teuer, sondern auch mit einem anderen Problem behaftet: Auch die ins Visier gefassten Flüsse leiden unter der Trockenheit im Sommer.

Es wurde noch ein weiterer Vorschlag genannt: Wasser aus der Ostsee könnte entsalzt und dann bis zur Spree geleitet werden. Dieser Vorschlag bedürfe aber noch einer weiteren Untersuchung, erklärte Frauenstein.

Im August hatte sich bereits der Gewässerökologie Martin Pusch zu dieser Idee im RBB geäußert. Für ihn wäre die Meerwasserentsalzung eher eine mittelfristige Lösung. Das aufbereitete Meerwasser nach Berlin und Brandenburg zu pumpen, sei material- und energieintensiv, und deshalb sei das nur verantwortbar, wenn man mit erneuerbaren Energien arbeite.

So bleibt das Problem vorerst ungelöst, wie Berlin und Brandenburg nachhaltig mit Wasser versorgt werden könnten. Ende des Jahres möchte das Umweltbundesamt dann die endgültigen Ergebnisse seiner Studie vorstellen. (Bernd Müller)

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