Mit dem Mikrofon zum Volke!

Von Krieg und Frieden

In Kassel treffen sich dieser Tage Aktivisten der Friedensbewegung. Allein das schon steht gegen den Zeitgeist. Denn seit dem Angriff der russischen Armee auf die Ukraine Ende Februar scheint der Schlüssel zum Frieden im Krieg zu liegen; diese These zumindest verteidigen die Apologeten der Lieferungen von Waffen, Lieferungen von schweren Waffen, Militärausbildungen, Panzerringtauschdeals und ähnlichem.

Die Losung "Rheinmetall entwaffnen", unter dem die Aktivisten an diesem Wochenende Wege aus Aufrüstung und Krieg diskutieren, ist daher durchaus mutig. Wer die transatlantische Kriegsstrategie dieser Tage hinterfragt, macht sich direkt oder indirekt der Unterstützung der russischen Führung unter Wladimir Putin verdächtig.

Ohne Zweifel hat die stark moralisierte und in ihrer Beschränktheit unehrliche Ukraine-Debatte in der Friedens- und Umweltbewegung tiefe Klüfte aufgerissen. Das hatte sich schon im globalisierungskritischen Netzwerk Attac gezeigt, in Organisationen wie der IPPNW und anderen.

Telepolis hatte in dieser Woche in einem Meinungsbeitrag von Bernhard Trautvetter der Debatte zwischen der Klimabewegung und der Friedensbewegung gewidmet.

Bei der Forderung von Fridays-for-Future nach einem Ende der russischen Gaslieferungen blieben die sozialen Verwerfungen aufgrund der Energiepreisexplosion ausgeblendet, so Trautvetter, der ein Zitat von der Internetseite der Bewegung anführte.

Dabei gehe es nicht um den Ausstieg aus der Erdgaswirtschaft, sondern um den aus russischem Gas: "Das führt zu einem klassischen Fehlschluss, wenn nicht dazugesagt wird, dass Fracking-Gas aus den USA mit minus 163 Grad Celsius Minus über die Weltmeere geschifft wird und wie umweltschädlich Gewinnung und Transport sind."

Mit dem nahenden Winter scheint sich diese Erkenntnis bei Teilen der Regierungen SPD durchzusetzen. Vertreter des linken Flügels der SPD – doch, ja, den gibt es noch! – fordern nach Medienberichten einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen mit Russland. Mal sehen also, ob sie demnächst geschrödert werden.