"Mini-Eiszeit" durch verringerte Sonnenfleckenaktivität?

Maunder-Minimum. Grafik: Robert A. Rohde. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Winter zwischen 2030 und 2040 könnten so kalt werden wie zwischen 1645 und 1715

Auf dem National Astronomy Meeting im walisischen Llandudno stellte die an der University of Northumbria tätige Sonnenforscherin Valentina Zharkova die Möglichkeit in den Raum, dass die Winter zwischen 2030 und 2040 deutlich kälter werden, als sie derzeit durchschnittlich sind.

Das errechnete die Professorin für angewandte Mathematik aus ihren Untersuchungen zur Regelmäßigkeit von Strömungen und Dynamoeffekten im Inneren der Sonne, die ihrer Ansicht nach auf ein zeitlich begrenztes Abnehmen der Sonnenfleckenaktivität in 15 Jahren schließen lassen. Zharkova fügte Berechnungen anderer Forscher einen weiteren Dynamoeffekt hinzu, mit dem sich der Rhythmus der Sonnenfleckenaktivität in der Vergangenheit besser beschreiben lässt als mit den bisherigen Modellen. Deshalb glaubt sie, dass ihre Vorhersage mit einer Wahrscheinlichkeit von 97 Prozent eintreffen wird.

Außerdem erinnert die gebürtige Ukrainerin an das so genannte Maunder-Minimum zwischen 1645 und 1715: Damals froren große und sonst eisfreie Flüsse wie die Themse so fest zu, dass man sie zu Fuß überqueren konnte - im Winter 1683/84 sogar sieben Wochen lang. Die niedrigeren Temperaturen machten über langsameres Wachstum auch Hölzer dichter, was den besonderen Klang von Stradivari-Instrumenten, die in dieser Zeit entstanden, erklären könnte.

Die kalten Winter brachte man erst später mit der Sonnenfleckenaktivität in Verbindung. Ein Pionier in der Erforschung dieses Phänomens war der englische Astronom Edward Walter Maunder (1851 bis 1928), nach dem die Periode später benannt wurde. Ein anderer wichtiger Forscher in diesem Bereich war der deutsche Gustav Spörer, der schließlich Namensgeber des Spörer-Minimums zwischen 1420 und 1570 wurde. Die mittelalterlichen Astronomen dieser Epoche beobachteten noch keine Sonnenflecken - aber der Anteil bestimmter Kohlenstoffisotope in Baumringen lässt Rückschlisse zu. Gleiches gilt für das nach dem schweizerische Astronomen Johann Rudolf Wolf benannte Wolf-Minimum, das von 1280 bis 1350 stattfand.

Die Sonnenfleckenaktivität ist allerdings nicht die einzige Größe, die sich auf das Wetter auswirken kann: Beim Spörer-Minimum nimmt man beispielsweise an, dass große Vulkanausbrüche die Temperaturen zusätzlich senkten. In Europa ist vor allem der Golfstrom eine sehr wichtige Klimakomponente: Er sorgt dafür, dass es im italienischen Florenz deutlich wärmer ist als im ostsibirischen Wladiwostok, wo im Januar Durchschnittstemperaturen von minus neun bis minus 16 Grad Celsius herrschen. (Peter Mühlbauer)

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