zurück zum Artikel

Menschenrechtsarbeit in PalÀstina bedroht

Auch recht rigide: israelische Grenzanlage. Bild: MissyKel, CC BY-NC-ND 2.0

Israel verhaftet Menschenrechtsverteidiger und kriminalisiert Menschenrechtsorganisationen. Selbst im Land bleibt das nicht ohne Widerspruch

Am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, wurde der palÀstinensische Menschenrechtsverteidiger Daoud al Ghoul in seinem Haus in Ostjerusalem von israelischen SicherheitskrÀften festgenommen [1].

"Diese Verhaftung ist zweifellos Teil einer Strategie zur Untergrabung der palĂ€stinensischen Zivilgesellschaft und ihrer FĂ€higkeit, die Menschenrechte zu verteidigen und die israelische Regierung fĂŒr Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen zur Verantwortung zu ziehen", heißt in einer ErklĂ€rung der JĂŒdischen Stimme fĂŒr gerechten Frieden in Nahost e.V., der PalĂ€stina SolidaritĂ€t Österreich und anderer Nichtregierungsorganisationen.

Die Unterzeichner forderten die deutsche und österreichische Regierung, die EuropĂ€ische Union und die Vereinten Nationen auf, zu intervenieren und Israel aufzufordern, Daoud al Ghoul sowie alle politischen Gefangenen "unverzĂŒglich freizulassen".

Israel kriminalisiert palÀstinensische Menschenrechtsorganisationen

Daoud al Ghouls Verhaftung erfolgte kurz nachdem der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz am 22. Oktober sechs international angesehene palÀstinensische Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in den besetzten palÀstinensischen Gebieten zu "Terrororganisationen" erklÀrt hat [2].

Es handelt sich dabei um die Menschenrechtsorganisationen Addameer und Al-Haq, die Kinderschutzorganisation Defence of Children Palestine (DCI PalĂ€stina), die Landarbeiterunion UAWC, der Frauenverband UPWC und das entwicklungspolitische Forschungszentrum Bisan. Al-Haq ist fĂŒhrend bei der Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen, egal ob von israelischer oder von palĂ€stinensischer Seite.

Al-Haq, Addameer und Defense for Children International Palestine arbeiten eng mit dem Internationalen Strafgerichtshof zusammen [3] und haben Beweise fĂŒr Kriegsverbrechen eingereicht.

Israels Anti-Terror-Gesetz von 2016

Israels Anti-Terror-Gesetz von 2016 ermĂ€chtigt den Verteidigungsminister, eine Gruppe zu einer "terroristischen Organisation" zu erklĂ€ren, ohne den betroffenen Parteien das Recht auf eine Anhörung oder eine ÜberprĂŒfung der Entscheidung einzurĂ€umen. Die israelischen Behörden mĂŒssen ihre Entscheidung dabei nicht begrĂŒnden.

Eine solche ErmÀchtigung widerspricht internationalen Standards und stellt eine erhebliche Verletzung der Rechte der PalÀstinenser:innen dar. Durch die ErklÀrung zu "Terrororganisationen" werden sÀmtliche AktivitÀten der betroffenen NGOs verboten.

Anschließend können die israelischen Behörden, BĂŒros der NGOs schließen, ihr Vermögen beschlagnahmen und ihre Mitarbeiter:innen ins GefĂ€ngnis zu bringen. Jede Person, die eine solche Organisation in irgendeiner Weise unterstĂŒtzt, etwa ihre Berichte verwendet, sie positiv erwĂ€hnt oder Geld spendet, wird kriminalisiert und kann mit drei Jahren GefĂ€ngnis bestraft werden.

Das gilt auch fĂŒr Mitarbeiter:innen von auslĂ€ndischen NGOs und auslĂ€ndische Beamt:innen und stellt fĂŒr diese eine Herausforderung dar. "Es sorgt fĂŒr sehr viel Unsicherheit und wirft ernste Fragen auf, wie wir hier weiterarbeiten können", so ein in Ramallah tĂ€tiger Mitarbeiter einer auslĂ€ndischen NGO [4], der anonym bleiben möchte.

Die Einstufung als "Terrorgruppe" kommt somit einer TodeserklĂ€rung fĂŒr die betroffenen NGOs gleich. Ilhan Omar, die zusammen mit zwei anderen US-Kongressabgeordneten die Ächtung der NGOs scharf kritisiert, schreibt dazu: "Wirksame NGOs als "Terroristen" zu bezeichnen, ist eine lehrbuchmĂ€ĂŸige Methode, um sich der Rechenschaftspflicht fĂŒr Menschenrechtsverletzungen zu entziehen - und ein Affront fĂŒr alle, denen der Frieden am Herzen liegt. Die USA und die internationale Gemeinschaft mĂŒssen sofortige Konsequenzen fĂŒr dieses dreiste Vorgehen ziehen [5]."

Ächtung sechs palĂ€stinensischer NGOs ohne Beweise

Den sechs NGOs wird vorgeworfen, die Volksfront zur Befreiung PalĂ€stinas (PFLP), die von Israel, der USA und der EU als "terroristisch" eingestuft wird, finanziell unterstĂŒtzt zu haben. Die VorwĂŒrfe sind jedoch nicht neu und sie haben sich in der Vergangenheit als unbegrĂŒndet herausgestellt, so der EU-Sprecher Peter Stano [6].

Die Einstufung der sechs NGOs als "terroristisch" ist "die jĂŒngste in einer eskalierenden Reihe von Verleumdungsangriffen und institutionalisierter Gewalt gegen die Verteidiger der Menschenrechte und Grundfreiheiten des palĂ€stinensischen Volkes [7]", so die sechs betroffenen NGOs.

Sie appellieren an die internationale Gemeinschaft und die UN-Mitgliedsstaaten, "Israel aufzufordern, seine systematische und andauernde Politik und Praxis, die darauf abzielt, die palĂ€stinensische Zivilgesellschaft und Menschenrechtsverteidiger einzuschĂŒchtern und zum Schweigen zu bringen, zu beenden".

Gleich nach der israelischen Entscheidung starteten die NGOs gemeinsam mit ihren Partnern die Kampagne #StandWithThe6 und richten außerdem am 14. Dezember eine neue Website www.PalCivilSociety.com mit Hintergrundinformationen und einer Petition ein.

Dort heißt es: "Dieser fortgesetzte Angriff auf palĂ€stinensische Menschenrechtsverteidiger geht einher mit dem systematischen Einsatz von Cyber-Überwachungstechnologie, um unsere Telefone zu hacken und uns zu ĂŒberwachen.

Es ist klar, dass es Israels Absicht ist, palĂ€stinensische Menschenrechtsverteidiger, die das israelische Apartheid- und Siedlerkolonialregime kritisieren und dazu aufrufen, die israelischen Behörden fĂŒr ihre Menschenrechtsverletzungen, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Rechenschaft zu ziehen, zum Schweigen zu bringen und zu schikanieren [8]."

Das PLO-Exekutivkomitee hat die Ächtung der NGOs als "speziellen Terrorismus gegen das palĂ€stinensische Volk und zivilgesellschaftliche Institutionen [9]" verurteilt sowie die "eklatante Verletzung des Völkerrechts, der Menschenrechte sowie der Menschen- und BĂŒrgerrechte des palĂ€stinensischen Volkes".

Abschließend appellierte die PLO an die Internationale Gemeinschaft sowie Menschenrechtsgruppen und humanitĂ€re und internationale Organisationen, diesen Angriff auf das palĂ€stinensische Volk und seine Institutionen zu stoppen, um die Zielgesellschaft zu schĂŒtzen. Auch die PalĂ€stinensische Autonomiebehörde wendet sich entschieden gegen die Ächtung [10].

SolidaritÀt aus Israel

Der Leitartikel der israelischen Zeitung Haaretz am 24. Oktober nannte die Entscheidung "einen Schandfleck fĂŒr Israel" [11] und kommentierte:

Von nun an gibt es keinen Unterschied mehr zwischen denjenigen, die einen gewaltsamen Kampf gegen den Staat fĂŒhren und unschuldige Zivilisten verletzen, einerseits und AnwĂ€lten in Menschenrechtsorganisationen, die Gefangenen Rechtsbeistand gewĂ€hren, oder linken Aktivisten in Organisationen, die sich gegen Folter wenden, Frauen und Kinder und deren Rechte schĂŒtzen oder Menschenrechtsverletzungen in den [besetzten] Gebieten dokumentieren [
] Die eigentliche Botschaft ist klar: Jeder Widerstand gegen die Besatzung ist Terror. Israel untergrĂ€bt die Unterscheidung zwischen legitimem und illegitimem Kampf.

Kritik gab es zudem auch von der eher linken Meretz-Fraktion sowie von der Fraktion der Arbeiterpartei, die beide Mitglied der israelischen Regierungskoalition sind.

25 israelische NGOs schreiben in einer gemeinsamen Stellungnahme:

Dokumentation, Anwaltschaft und Rechtshilfe sind grundlegende AktivitĂ€ten zum Schutz der Menschenrechte weltweit. Die Kriminalisierung dieser Arbeit ist ein Akt der Feigheit, der fĂŒr repressive autoritĂ€re Regime charakteristisch ist. Die Zivilgesellschaft und Menschenrechtsverteidiger mĂŒssen geschĂŒtzt werden. Wir stehen in SolidaritĂ€t mit unseren palĂ€stinensischen Kollegen und fordern die Mitglieder der israelischen Regierung und der internationalen Gemeinschaft auf, sich diesem Beschluss eindeutig zu widersetzen.

Joint Statement: Draconian measure against human rights, 25.10.2021 [12]

Weltweite SolidaritÀt

Weltweit gibt es viele SolidaritĂ€tserklĂ€rungen mit den sechs NGOs. Diese Einstufung als "Terrororganisationen" sei "ein Frontalangriff auf die palĂ€stinensische Menschenrechtsbewegung und auf die Menschenrechte ĂŒberall", erklĂ€rten mehrere UN-Menschenrechtsexperten.

"Ihre Stimmen zum Schweigen zu bringen, ist nicht das, was eine Demokratie, die sich an anerkannte Menschenrechte und humanitĂ€re Standards hĂ€lt, tun wĂŒrde. Wir rufen die internationale Gemeinschaft auf, die Menschenrechtsverteidiger zu verteidigen."

Auch die UN-Kommissarin fĂŒr Menschenrechte Michelle Bachelet forderte die unverzĂŒgliche ZurĂŒcknahme der Entscheidung [13] und wies darauf hin, dass die betroffenen Organisationen zu den renommiertesten Menschenrechts- und humanitĂ€ren Gruppen in den besetzten palĂ€stinensischen Gebieten gehören und seit Jahrzehnten eng mit den Vereinten Nationen zusammen arbeiten.

"Das Einfordern von Rechten vor den Vereinten Nationen oder anderen internationalen Gremien ist kein terroristischer Akt, das Eintreten fĂŒr die Rechte von Frauen in den besetzten palĂ€stinensischen Gebieten ist kein Terrorismus, und die Bereitstellung von Rechtshilfe fĂŒr inhaftierte PalĂ€stinenser ist kein Terrorismus", sagte sie.

"Wie die internationale Gemeinschaft reagiert, wird ein echter Test fĂŒr ihre Entschlossenheit sein, Menschenrechtsverteidiger_innen zu schĂŒtzen", so Amnesty International und Human Rights Watch in einer gemeinsamen Stellungnahme [14].

"Wir sind stolz darauf, mit unseren palÀstinensischen Partner_innen zusammenzuarbeiten, und das schon seit Jahrzehnten. Sie reprÀsentieren die wertvolle globale Zivilgesellschaft. Wir stehen ihnen bei der Anfechtung dieser ungeheuerlichen Entscheidung zur Seite."

Weitere SolidaritĂ€tserklĂ€rungen gibt es von Parlamentariern aus 17 europĂ€ischen LĂ€ndern [15], von der EuropĂ€ischen Vereinigung von Juristinnen & Juristen fĂŒr Demokratie und Menschenrechte in der Welt (ELDH) [16] und anderen Organisationen [17].

Reaktionen von EU und Deutschland

Die EU, Deutschland und auch andere europĂ€ische LĂ€nder unterstĂŒtzen die palĂ€stinensische Zivilgesellschaft und auch die jetzt als "terroristisch" eingestuften Organisationen – meist ĂŒber Drittorganisationen wie die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die Heinrich-Böll-Stiftung, Medico International und Weltfriedensdienst.

Obwohl Israel die EU wegen dieser Finanzierung bereits frĂŒher zu Unrecht der "Terrorfinanzierung" beschuldigt hat und auch jetzt keinen ĂŒberzeugenden Nachweis fĂŒr diese Beschuldigungen geliefert hat, wie Irlands Außenminister Simon Coveney am 2. November wĂ€hrend seines Besuchs in Israel erklĂ€rte [18] sowie der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am 17. November [19], hat weder die EU noch Deutschland diese ungeheuerliche Entscheidung der israelischen Regierung bislang verurteilt.

Nach der Entscheidung des MilitĂ€rbefehlshabers im Westjordanland vom 7. November, die sechs Organisationen zu verbieten, erklĂ€rte Lynn Hastings, die UN-Koordinatorin fĂŒr humanitĂ€re Hilfe in den besetzten palĂ€stinensischen Gebieten, dass bislang weder eine der UN-Organisationen noch Aida (Association of International Development Agencies) schriftliche Unterlagen erhalten habe, die diese VorwĂŒrfe belegen [20].

In der gemeinsamen ErklĂ€rung von UN-Organisationen und Aida, heißt es, dass die jetzt verbotenen sechs Organisationen seit Jahrzehnten mit der internationalen Gemeinschaft einschließlich der UN zusammenarbeiten. FrĂŒhere Anschuldigungen des Missbrauchs von Geldern hĂ€tten sich nicht bestĂ€tigt.

Und sie weisen darauf hin, dass die Gesetzgebung zur TerrorismusbekÀmpfung im Einklang stehen muss mit den Verpflichtungen des humanitÀren Völkerrechts und der internationalen Menschenrechtsnormen.

Verbot der sechs NGOs – warum gerade jetzt?

Die Frage stellt sich, warum die israelische Regierung sich gerade jetzt zu dieser KriegserklĂ€rung gegen die palĂ€stinensische Menschenrechtsarbeit entschlossen hat. Folgende Überlegungen liegen nahe:

Es ist sicher kein Zufall, dass diese Entscheidung zu einem Zeitpunkt erfolgte, zu dem der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) Anfang des Jahres eine formelle Untersuchung wegen Kriegsverbrechen eingeleitet hat [21] trotz israelischer und US-amerikanischer BemĂŒhungen, diese zu vereiteln. Insbesondere muss Benny Gantz damit rechnen, höchstpersönlich als frĂŒherer Generalstabschef der Armee beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag angeklagt zu werden.

"Wir werden seit Jahren angegriffen, und zwar aus einem Grund", sagt Saher Francis, die Leiterin von Addameer. "Es gelingt uns, einen Paradigmenwechsel weltweit herbeizufĂŒhren, indem wir von Apartheid und nicht nur von Besatzung sprechen, und wir liefern Material nach Den Haag" [22].

"Das jahrzehntelange Versagen der internationalen Gemeinschaft, schwerwiegende israelische Menschenrechtsverletzungen anzufechten und sinnvolle Konsequenzen daraus zu ziehen, hat die israelischen Behörden zu diesem dreisten Vorgehen ermutigt" [23], so Amnesty International und Human Rights Watch.

Hinzu kommt, dass sowohl die USA wie auch die EU nicht möchten, dass die jetzige israelische Regierung zusammenbricht und das verleitet sie zu Nachgiebigkeit. Vornehmlich sind USA und EU die militĂ€rische Zusammenarbeit mit Israel bedeutungsvoll. Außerdem sind sie sehr mit anderen Themen beschĂ€ftigt: Corona, Klimakrise und China.

Der Pegasus-Skandal: Im Sommer war bekannt geworden, dass mithilfe der Spionage-Software Pegasus der israelischen Firma NSO Group weltweit Journalisten, Politiker:innen und Aktivist:innen ausgespÀht werden [24].

Die USA haben NSO Group auf die schwarze Liste gesetzt. Denn diese erlaube es autoritĂ€ren Regierungen, Regierungskritiker und Journalisten zu ĂŒberwachen. Die Software kann unbemerkt auf Daten eines Telefons zugreifen und Kamera und Mikrofon anschalten. Am 16. Oktober wurde bekannt, dass palĂ€stinensische Menschenrechtsverteidiger:innen der sechs spĂ€ter geĂ€chteten NGOs mit Pegasus ausgespĂ€ht wurden [25].

Andere Reaktion im Fall der russischen NGO Memorial

AnlĂ€sslich des Internationalen Tags der Menschenrechte am 10. Dezember hat Pax Christi International zwei besonders besorgniserregende FĂ€lle hervorgehoben, in denen der zivile Raum fĂŒr Menschenrechts- und zivilgesellschaftliche Organisationen stark eingeschrĂ€nkt wird: International Memorial, eine angesehene Menschenrechtsorganisation in Russland, die von Auflösung bedroht ist sowie die sechs palĂ€stinensischen NGO [26].

Die Reaktion der deutschen Politik könnte jedoch unterschiedlicher kaum sein. "Fassungslos" mĂŒsse man sein wegen der drohenden Schließung von Memorial so BundesprĂ€sident Walter Steinmeier. Der damalige Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) forderte, die politisch motivierte Verfolgung der kritischen Zivilgesellschaft in Russland mĂŒsse aufhören. "Die Organisation darf nicht zum nĂ€chsten Opfer willkĂŒrlicher Kriminalisierung werden.

Mit diesem Schritt wĂŒrde sich Russland weiter aus dem europĂ€ischen Wertekanon entfernen", sagte die jetzige Außenministerin Annalena Baerbock im November. "Wir wenden uns entschieden gegen das politisch motivierte Vorgehen gegen Memorial und die Kriminalisierung des zivilgesellschaftlichen Engagements."

Ganz anders dagegen die Reaktionen im Falle der palĂ€stinensischen NGOs. Obwohl die EU ĂŒber diesen Schritt vorher informiert wurde, haben die EU und Deutschland in keiner Weise dagegen protestiert [27] und das, obwohl frĂŒher VorwĂŒrfe gegen dieses NGOs haltlos waren.

Auch als sie feststellen mussten, dass der Staat Israel diesmal wieder keine Beweise lieferte – trotz riesigem Geheimdienstdossier mit Unterlagen, die aufgrund von intensiver Überwachung, viele willkĂŒrlichen Razzien und Verhaftungen von Menschenrechtsverteidigern zusammengestellt worden war, war die Reaktion der EU eher verhalten.

Verurteilung von EU und Deutschland dringend erforderlich

Umso wichtiger ist, dass die neue Bundesregierung, die laut Koalitionsvertrag ihre Außenpolitik werteorientiert ausrichten will [28], die Ächtung der NGOs entschieden verurteilt und seine Aufhebung fordert. FĂŒr Shawan Jabarin, Leiter von Al-Haq, ist dies der "Moment der Wahrheit", in dem sich zeigt, ob die EU ihre erklĂ€rte UnterstĂŒtzung fĂŒr die palĂ€stinensische Zivilgesellschaft in wirksame Maßnahmen umsetzen wird.

Wenn nicht erheblicher internationaler Druck auf Israel ausgeĂŒbt wird, "wird es in zwei Monaten keine palĂ€stinensische Zivilgesellschaft mehr geben" so Ubai Al-Aboudi, Direktor des Bisan-Zentrums fĂŒr Forschung und Entwicklung, eine der betroffenen Gruppen [29].

Gabi Bieberstein ist aktives Mitglied im globalisierungskritischen netzwerk Attac, beim Internationalen Versöhnungsbund, beim Deutschen Koordinationskreis PalÀstina Israel (KoPI) und bei der LINKEN. Ihr Schwerpunkt liegt im Bereich Frieden und Internationale Politik.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-6314387

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.juedische-stimme.de/2021/12/13/protestbrief-gegen-die-festnahme-des-menschenrechtsaktivisten-daoud-al-ghoul/
[2] https://nbctf.mod.gov.il/en/Pages/211021EN.aspx
[3] https://www.heise.de/tp/features/Israel-Frontalangriff-auf-Menschenrechtsorganisationen-6227182.html
[4] https://www.dw.com/de/kritik-an-israelischen-ngo-verboten/a-59631896
[5] https://twitter.com/IlhanMN/status/1451572847252488193?ref_src=twsrc%5Etfw
[6] https://www.dw.com/de/kritik-an-israelischen-ngo-verboten/a-59631896
[7] https://english.wafa.ps/Pages/Details/126793
[8] https://palcivilsociety.com/post/human-rights-defenders-targeted-by-israel-launch-joint-website
[9] https://palaestina.org/index.php?id=160&tx_ttnews%5Btt_news%5D=1111&cHash=0b8ba772fd8fb8e379f3637ed3b3981c
[10] https://www.spiegel.de/ausland/nahostkonflikt-warum-israel-sechs-ngos-zu-terrororganisationen-erklaert-hat-a-a889c485-c8a0-4cd9-971c-3503c2e1516e
[11] https://www.haaretz.com/opinion/editorial/.premium-a-stain-upon-israel-1.10318621
[12] https://www.btselem.org/press_releases/20211025_draconian_measure_against_human_rights
[13] https://www.ohchr.org/EN/NewsEvents/Pages/DisplayNews.aspx?NewsID=27708&LangID=E
[14] https://www.amnesty.de/informieren/aktuell/israel-palaestina-ngos-zu-terrororganisationen-erklaert
[15] https://caabu.org/news/news/european-parliamentarians-urge-action-israeli-government-over-attacks-palestinian-civil-0
[16] https://eldh.eu/2021/10/eldh-statement-on-israels-declaration-that-six-palestinian-civil-society-groups-are-terrorist-organisations/
[17] https://www.ippnw.de/no_cache/startseite/artikel/de/menschenrechtsarbeit-darf-nicht-krim.html
[18] https://www.jpost.com/israel-news/israel-hasnt-given-us-evidence-linking-ngos-to-terror-irish-fm-says-683844
[19] https://www.haaretz.com/israel-news/.premium-eu-israel-didn-t-provide-evidence-on-palestinian-ngos-labeled-terror-groups-1.10395713
[20] https://www.middleeastmonitor.com/20211110-un-concerned-about-israeli-army-ban-on-palestinian-ngos/
[21] https://www.tagesschau.de/ausland/internationaler-strafgerichtshof-palaestinensergebiete-101.html
[22] https://www.972mag.com/palestinian-ngos-human-rights-attacks
[23] https://www.amnesty.de/informieren/aktuell/israel-palaestina-ngos-zu-terrororganisationen-erklaert
[24] https://netzpolitik.org/2021/pegasus-der-staatstrojaner-skandal-im-ueberblick
[25] https://www.frontlinedefenders.org/statement-report/statement-targeting-palestinian-hrds-pegasus
[26] https://paxchristi.net/2021/12/09/shrinking-space-for-civil-society-2021-human-rights-day-statement/
[27] https://electronicintifada.net/blogs/adri-nieuwhof/they-are-criminals-we-believe-justice
[28] https://www.spd.de/koalitionsvertrag2021/
[29] https://electronicintifada.net/content/west-throws-palestinian-rights-groups-wolves/34221