Mehrere Millionen Menschen demonstrieren in Spanien gegen den Krieg

Update: Spanien hat deutlich seine Ablehnung gegen einen Krieg gezeigt

In mindestens 57 Städten haben mehrere Millionen Menschen gegen den Krieg, aber besonders auch gegen die massive Unterstützung der US-Kriegspläne durch Spaniens Regierung demonstriert. Auftrieb hat die Bewegung noch dadurch bekommen, dass gestern die Inspektoren klar gemacht hatten, dass sie keine Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden haben. In den verschiedenen Plattformen von Indymedia in Spanien, Madrid, Barcelona und dem Baskenland finden sich zahlreiche Berichte und Fotos über den Verlauf und die Anzahl der Teilnehmer.

Die wohl größten Demonstrationen finden derzeit in der katalanischen Hauptstadt Barcelona statt, wo über eine Million Menschen demonstrieren sollen. Auch in der spanischen Hauptstadt Madrid demonstrieren mehrere Hunderttausend Menschen. Abgeschlossen sind in die Demonstrationen schon in mehr als 20 spanischen Städten, wo sie am Vormittag oder am frühen Nachmittag stattgefunden haben. Die wohl größten Proteste waren dabei aus Sevilla und Oviedo gemeldet worden, wo jeweils etwa 200.000 Menschen gegen den Krieg auf die Straße gegangen waren.

Auch in den Städten des Baskenlandes finden derzeit Demonstrationen statt. In den baskischen Städtne, die an Großdemonstrationen für die Unabhängigkeit gewohnt sind, wurden möglicherweise neue Rekorde aufgestellt. Vor allem auch deshalb, weil diesmal in allen vier Großstädten gleichzeitig mehrere Zehntausend Menschen protestieren.

Am starken Protest hat hier auch die Absage der Sozialistischen Partei (PSOE) nichts geändert. Die hatte sich von den Demonstrationen im Baskenland distanziert, weil auch die linksnationalistische Partei Batasuna demonstriert, die der baskischen Separatistenorganisation ETA politisch nahe steht. Zusammen mit der Regierung will die PSOE die baskische Partei verbieten. Die PSOE hatte deshalb zu einem gesonderten Protest in Guernica aufgerufen, um gegen den Krieg und gegen die ETA zu demonstrieren. Dem Aufruf sind allerdings nur sehr wenige gefolgt.

Mit Ausnahme der regierenden rechten Volkspartei (PP) hatten fast alle Parteien und mit Ausnahme von einigen Splittergewerkschaften, wie die rechtsradikale Manos Limpias (Saubere Hände), auch fast alle Gewerkschaften mit einer Vielzahl von Organisationen zu den Demonstrationen aufgerufen. Angesichts der in Spanien vorherrschenden Anti-Kriegsstimmung hat sogar die Schwesterpartei der PP in Navarra, die Volksunion Navarras (UPN), ihren Mitgliedern die Teilnahme an Protesten freigestellt. Trotzdem wurde ausgerechnet in Pamplona, Hauptstadt der nordspanischen Region, schon am Vorabend eine Demonstration von der Polizei gewaltsam aufgelöst. Die Demonstration war von der Plattform gegen den Krieg organisiert und auch genehmigt worden. Die Nationalpolizei trieb mehrere Hundert Demonstranten mit Knüppeln von der Straße, weil sie keine "Genehmigung hätten, die Straße zu blockieren". Mehrere Menschen wurden bei Attacke verletzt und mussten ärztlich behandelt werden. Bisher läuft die Demonstration von vielen Tausend Menschen in Pamplona noch ohne Störungen. (Ralf Streck)