Mehr US-Bürger für einen Krieg

Das Ansehen Frankreichs und Deutschlands ist bei den Amerikanern gesunken, aber die Deutschen und Franzosen stehen in der Irak-Frage hinter ihren Regierungen

Auch die amerikanische Öffentlichkeit folgt ein wenig den transatlantischen Verstimmungen auf Regierungsebene. Seitdem Frankreich in Verein mit Deutschland und Belgien in der Nato ein Veto eingelegt hat und fortgesetzte Inspektionen anstatt eines Militärschlags favorisiert, ist die Grande Nation in der Wertschätzung der Amerikaner nach einer Gallup-Umfrage abgesackt - und Deutschland steht man offenbar auch skeptischer gegenüber. Parallel dazu stehen mehr Amerikaner hinter dem Kriegskurs von Bush und hält die Mehrzahl der Deutschen die Amerikaner für Kriegstreiber. Auch die Franzosen stehen hinter ihrer Regierung, die Briten allerdings eher nicht.

Frankreich hat bei den US-Amerikanern am stärksten an Wertschätzung verloren. Letztes Jahr waren noch 79 Prozent der Amerikaner dem Land gegenüber positiv und 16 negativ eingestellt, jetzt sind ihm nur noch 59 Prozent gewogen und 33 Prozent finden es nicht so gut.

Auch Deutschland liegt im Abwärtstrend und ist im Ansehen von 83 auf 71 Prozent gefallen. Ganz oben stehen hingegen unverändert Großbritannien und Kanada mit 89 Prozent, nach Australien wurde nicht gefragt. Gleichwohl erzielt Deutschland zusammen mit Japan, Italien, Spanien und Mexiko noch eine positive Einschätzung von über 50 Prozent, Italien mit Berlusconi als festem Verbündeten der USA konnte sogar noch zulegen.

Mehr negative Bewertungen als positive erhielten Länder wie Libyen, Saudi-Arabien, Pakistan und auch das befreite Afghanistan. Auch Kolumbien und natürlich Kuba erfreuen sich keiner großen Wertschätzung. Ganz tief abgesackt ist freilich Nordkorea, das jetzt 80 Prozent negativ beurteilen (letztes Jahr 65 Prozent). Auch die anderen von Bush zur Achse des Bösen zugerechneten Länder stehen ganz unten. Den Iran sehen 77 Prozent negativ - und auch, was den Irak betrifft, entspricht die Ablehnung der Politik der US-Regierung. 90 Prozent beurteilen das Land des amerikanischen Oberschurken negativ und gerade einmal 5 Prozent positiv, damit ist es ganz unten.

In den USA wächst die Zustimmung zum Krieg

Daher findet Bush für seine Irak-Politik auch weiterhin große Zustimmung. Nach einer neuen Umfrage von ABC und Washington Post sind damit 60 Prozent der Amerikaner einverstanden. 74 Prozent finden gut, wie Bush gegen den Terrorismus vorgeht. Über die Hälfte glaubt, dass der Irak eine größere Bedrohung als Nordkorea darstellt. 66 Prozent sind nun dafür, dass US-Truppen Hussein stürzen, und von diesen die Hälfte auch dann, wenn der Sicherheitsrat ein militärisches Vorgehen ablehnt. Trotzdem sind insgesamt 59 Prozent dafür, dass internationale Unterstützung gefunden werden soll, auch wenn dies weiter Verzögerungen mit sich bringt. Mehr als die Hälfte ist auch überzeugt, dass sich keine wirklichen Beweise für das Vorhandensein von Massenvernichtungswaffen finden lassen, und meinen, dass man im Zeitraum von Wochen oder weniger losschlagen müsse.

Nach der Washington Post hat es die Bush-Regierung damit geschafft, die Amerikaner auf den Krieg einzustimmen. Die meisten Amerikaner würden einen Krieg gegen den Irak mit wichtigen Alliierten wie Großbritannien, Australien und Italien befürworten, auch wenn der Sicherheitsrat kein grünes Licht gibt.

Für die Briten geht von den USA derzeit die größte Gefahr für den Frieden aus

Nach einer Umfrage der Financial Times Deutschland meinen 57 Prozent der Deutschen, dass die Amerikaner "Kriegstreiber" seinen. 93 Prozent sagen, Bush sei zu einem Krieg bereit, nur 6 Prozent glauben, er bemühe sich um einen Frieden, und 80 Prozent sagen, dass die USA im Krieg ein Mittel zur Durchsetzung ihrer Interessen sehen.

Nach einer Umfrage der Times in Großbritannien sind die Briten zwar davon überzeugt, dass Hussein eine Gefahr darstellt, der Irak Massenvernichtungswaffen besitzt und Verbindung zu al-Qaida hat, aber dass deswegen noch kein Grund für einen Krieg besteht. Fast 90 Prozent sprechen dafür aus, dass die Waffeninspektoren mehr Zeit haben müssen. Das Ansehen von Blairs Labour-Partei ist einen Tiefstand von 35 Prozent abgerutscht.

Bei anderen Umfrage, die YouGov für den britischen Sender Channel 4 durchgeführt hat, meinen gar 32 Prozent der befragten Briten, dass die USA gegenwärtig eine Bedrohung des Friedens darstellen. Irak und Nordkorea werden mit jeweils 27 Prozent als weniger gefährlich eingestuft. In dieser Umfrage aber sprechen sich 62 Prozent für einen Krieg gegen den Irak aus, wenn die Mehrheit der Länder im Sicherheitsrat dies befürwortet, selbst falls ein oder zwei Länder ein Veto aussprechen. Damit dürfte Blair auch nicht viel mehr wissen, als dass er zumindest eine zweite Resolution benötigt, um nicht bei seinen Bürgern ganz durchzufallen.

Die französische Regierung hat ebenso wie die deutsche einen Rückhalt für ihre Position unter den Bürgern. Gerade einmal 14 Prozent der Franzosen sind der Meinung, dass die Situation einen Krieg gegen den Irak rechtfertigt. Nur ein Viertel glaubt, dass Powell beweisen konnte, dass der Irak Massenvernichtungswaffen besitzt, ein Drittel, dass der Irak Verbindungen mit al-Qauida hat. Aber selbst die Mehrheit derjenigen, die von Powell überzeugt wurden, sehen darin noch keine Rechtfertigung für einen Krieg. Die Haltung Frankreichs gegen den USA in der Irak-Frage finden die meisten wichtig, weil das die Rolle des Landes in der Welt sichern würde.

Frankreich spielt nicht mit

Offenbar kriegt nun Frankreich die Breitseite der amerikanischen Verachtung ab. Die New York Post ging über von der "Axis of Weasel - Germany and France Wimp out" zur gestrigen Überschrift auf der Titelseite: "They died for France but France has forgotten." Kolumnist Friedman von der New York Times würde gerne Frankreich durch Indien im Sicherheitsrat ersetzen, da Frankreich nur ein "nettes unterhaltsames Spiel" treibe und sich von den USA zu unterscheiden suche. Wenn die Welt sich auf Frankreich anstatt auf die USA verlassen hätte, würden die meisten Europäer jetzt deutsche oder russisch sprechen: "Frankreich spielt, wie man im Kindergarten sagt, nicht gut mit den anderen."

Die Washington Post sieht allerdings den sich angeblich von der Linken auf die Mitte ausbreitenden Anti-Amerikanismus in Westeuropa nicht nur in Frankreich oder Deutschland, sondern auch in Großbritannien am Werk. Allerdings wird dann auch relativiert, weil die meisten Menschen vornehmlich der US-Regierung und ihrer Politik negativ gegenüberstehen, aber nicht den Amerikanern und ihrer Kultur. Das Ansehen der US-Regierung ist mit dem forschen Auftreten als Supermacht allerdings weltweit gesunken, wie eine Umfrage des Pew Reseach Center im Dezember gezeigt hatte (Keine Lust auf Krieg). (Florian Rötzer)